Bolsonaro und der Schatten von Lula

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In der Stichwahl hat Haddad für die Korruption bezahlt, die mit dem Namen Lula verbunden ist; Lula war sein Mentor. Davon profitierte Bolsonaro. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ |La Habana | 26. Oktober 2018

Alles ist so eigetreten, wie es die Umfragen vorhergesagt haben; der ultrarechte Jair Bolzonaro ist triumphal aus dem zweiten Wahlgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen hervorgegangen.

Dieser Sieg ist nicht nur auf den Überdruss von Teilen der brasilianischen Bevölkerung zurückzuführen, angesichts von Korruption und Ineffizienz der politischen Klasse, sondern auch wegen der Nähe des Kandidaten Fernando Haddad zu Luiz Inácio Lula da Silva, die zu einem Ballast für ihn wurde.

Während sich Bolsonaro über alle beschwerte, einen Feldzug gegen jedermann führte und dann bei seinen Reden ein paar Grad herunter drehte, fühlte sich Fernando Haddad in Treue mit Lula verbunden, der ihm wie ein Klotz am Bein hing. Die Irrtümer, für die der inhaftierte Ex-Präsident und auch Dilma Russeff verantwortlich waren, folgten dem Kandidaten der Arbeiterpartei (PT; Partido de los Trabajadores) wie sein Schatten.

Haddad, gefangen in der Nähe zu seinem Mentor, konnte die frühere Amtsführung der PT nicht kritisieren und somit auch keinen radikalen Wechsel versprechen. Ebenso wenig konnte er sich von der Person lossagen, die ihm den Weg zu den Präsidentschaftswahlen geebnet hatte.

Vor der Wahl hat Bolzonaro, der Sympathisant der Militärdiktatur, eine kleine Wendung in Richtung Mitte gemacht, um Ängste zu zerstreuen und um mehr Wähler aus jenen Bevölkerungsschichten für sich zu gewinnen, die es bis vor kurzem noch ablehnten, seinen Namen auf dem Stimmzettel anzukreuzen. Seine Reihen wuchsen jeden Tag mit Leuten, die die PT nicht mehr wollten und entschlossen waren, die Regierungsführung einer Gruppe an den Urnen abzustrafen, weil die anfangs eine neue Politik versprochen hatte und im Sumpf von Korruption, Vetternwirtschaft, Vorteilsgewährung und ideologischen Rowdytum endete.

Haddad, gefangen in der Nähe zu seinem Mentor, konnte die frühere Amtsführung der PT nicht kritisieren und somit auch keinen radikalen Wechsel versprechen. Ebenso wenig konnte er sich von der Person lossagen, die ihm den Weg zu den Präsidentschaftswahlen geebnet hatte. Die Strippen, an denen er hing, wurden zu offensichtlich im Gefängnis von Curitiba gezogen, und der Verdacht, dass ein Haddad auf dem Präsidentenstuhl per Dekret Lula da Silva amnestieren und in Freiheit setzen könnte, hat viele davon abgehalten ihn zu unterstützen.

Brasilien hat nicht nur einen neuen Präsidenten gewählt. Mit der Wahl von Bolsonaro versetzten die Bürger der zu autoritären Linken einen verheerenden Schlag, die in vielen Ländern Lateinamerikas vor zwei Jahrzehnten mit dem Aufstieg in höchste Regierungsämter begonnen hatte. Die Epoche, in der Lula auf einem Foto mit der Familie Cristina Fernández de Kirchner posierte, mit Hugo Chavez, Evo Morales Daniel Ortega, Rafael Correa und vielen anderen, diese Epoche erhielt an den Urnen des südamerikanischen Riesen den Todesstoß.

Bei einem so unkalkulierbaren und extremistischen Mann im Präsidentenamt, werden die Analysten nicht aufhören Alarmsignale zu senden.

Die große Frage ist, was jetzt kommt, wenn die „Abstrafung“ Geschichte ist und zum Untergang der PT geführt hat. Wird Bolsonaro sein Verhalten mäßigen können und ein Präsident für alle Brasilianer sein? Wird er Ablehnung und Dogmatismus aus seinen Reden verbannen, um zu vermeiden, dass sich die brasilianische Gesellschaft noch mehr polarisiert? Wird es ihm gelingen, die Arbeitslosigkeit zu verringern und das Land zu seiner früheren wirtschaftlichen Stärke zurückzuführen? Wird sein Mandat dazu beitragen, neue Bündnisse in Lateinamerika zu schließen, bei denen das Wohl der Bürger im Vordergrund steht und nicht Ideologien?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist die große Unbekannte. Bei einem so unkalkulierbaren und extremistischen Mann im Präsidentenamt, werden die Analysten nicht aufhören Alarmsignale zu senden. Was immer auch passiert, ein Gutteil der Verantwortung fällt auf die Schultern von Lula.

              Übersetzung: Dieter Schubert

Dieser Text wurde ursprünglich auf der Seite für Lateinamerika der Deutschen Welle publiziert.

 


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Pöbel bei den Vereinten Nationen

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Die kubanische Delegation bei der UNO sabotierte die Kampagne der Vereinigten Staaten zugunsten der politischen Gefangenen auf der Insel. (CubaONU)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana| 17. Oktober 2018

Anfangs mag folgende Szene vielleicht sogar nett erscheinen: eine Klassenkameradin aus der Grundschule, die beim Schreien wild mit den Armen rudert. Dann kommt die Grobheit im Gesichtsausdruck, bevor die Verkäuferin mit verzogenem Mund sagt: „Mädchen, aber warum hast du das aus dem Regal genommen, wenn wir den Artikel noch nicht mit dem Preis ausgezeichnet haben?“ Ebenso das Militär, das in der „Avenida de la Independencia“ Übungen veranstaltet, singt eine Parole, die mit dem vulgären Ausspruch „y nos roncan los cojones“ endet.

So sind mehrere Generationen von Kubanern mit der Idee aufgewachsen, dass Schreien, schlechte Worte verwenden, Andere beleidigen, verspotten und nicht sprechen lassen uns mutig, überlegen und wie „Machos“ aussehen lässt. Dazu hat zweifellos das beigetragen, was man „revolutionäre Pöbelei“ nennen kann; diese Unverschämtheit im Sprachgebrauch und in den Umgangsformen, die uns proletarischer und ärmlicher machen musste.

Innerhalb des Kodexes der sozialistischen Moral und kubanischer Grobheit wird es akzeptiert und als gut angesehen die Stimmbänder in voller Lautstärke zu benutzen, um sich in einer Diskussion durchzusetzen. Wenn noch dazu derjenige, der am lautesten brüllt einige Schimpfwörter im Zusammenhang mit den männlichen Geschlechtsorganen einbringt, wird er als Gewinner der Debatte gelobt und dafür gehuldigt, ein echter Kubaner zu sein.

Allerdings ist es einer der größten Fehler, die dieses System uns eingeflößt hat, Vulgarität mit Demut in Verbindung zu bringen. Meine Großmutter lebte ihr ganzes Leben lang in Cayo Hueso, im Zentrum von La Habana, und ich erinnere mich nicht daran, von ihr jemals ein schlechtes Wort gehört zu haben. Ich kenne unzählige Beispiele von Menschen, die nur einmal am Tag essen und ihren Kindern immer wieder Maximen wie „arm aber ehrlich“, „arm aber sauber“, „arm aber anständig“ wiederholen.

Bei mehreren Gelegenheiten musste ich das traurige Schauspiel von „Verstoβungsaktionen“ über mich ergehen lassen, bei denen ich mit wütenden Gesten und Beschimpfungen niedergeschrien wurde.

Bei mehreren Gelegenheiten musste ich das traurige Schauspiel von „Verstoβungsaktionen“ über mich ergehen lassen, bei denen ich mit wütenden Gesten und Beschimpfungen niedergeschrien wurde. Diese Situation als Individuum zu erleben ist eine Sache, die jeder auf seine Weise handhabt (ich habe viel über jene gelacht; das gebe ich zu); aber eine andere Sache ist, den Namen des Landes, in dem man lebt, mit solch rüpelhaften Verhaltensweisen verbunden zu sehen.

Ich schäme mit weiterhin für das bedauerliche Schauspiel der kubanischen Delegation bei den Vereinten Nationen. Ich weiß, dass die Delegation nicht alle Kubaner vertritt – nicht einmal die Mehrheit – aber ich kann nicht umhin daran zu denken, dass für die Anwesenden in diesem Raum und für alle jene, die die Schreie und die Schläge auf die Tische hörten und die von Zorn verzerrten Gesichter dieses „Stoßtrupps“ sahen, das das „Kuba“ ist.

Ich möchte mich für sie entschuldigen, auch wenn ich keine Spur von Verantwortung für das Geschehene habe. Ich missbillige solche Praktiken und auch das Verhalten der Regierung, die sie veranlasst hat. Ich muss mich jedoch entschuldigen, weil wir es zugelassen haben, dass diese Insel in den Händen von Menschen bleibt, die nicht die moralische Überlegenheit oder den Anstand haben, uns zu vertreten.

                Übersetzung: Berte Fleißig

 


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Auf Kuba wird Zucker aus Frankreich importiert

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Der Zucker, den man im Monat September im „Basiskorb“ verteilt hat, stammt aus Frankreich. (14ymedio))

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 M. HERNÁNDEZ | GENERACIÓN Y | 23. September 2018

Der Zucker, der im Monat September über die staatliche Nahrungsmittelversorgung verteilt wurde, kommt nicht von kubanischen Feldern sondern wurde aus dem fernen Frankreich importiert. Das schlechte Ergebnis der letzten Zuckerrohrernte zwang die Regierung dazu ein Produkt zu importieren, das bis vor kurzem noch symbolisch für unser Land stand.

Eingepackt in makellosen weißen Säcken sorgt der Zucker, der nun in die kubanischen Lebensmittelgeschäfte gekommen ist, durch seine Qualität und Reinheit für Zufriedenheit unter den Verbrauchern. “Er ist feinkörnig, trocken und weist keinerlei Unreinheiten auf”, so beschreibt Norberto, ein Ladenbesitzer des Stadtviertels „La Timba“ in der Nähe der Plaza de la Revolución das Produkt.

“Wir hatten bereits Zucker aus Brasilien, aber es ist das erste Mal, dass wir ihn aus Frankreich erhalten haben”, fügt der Staatsangestellte hinzu. Diese Information wurde unserer Tageszeitung auch von einem Mitarbeiter der Azcuba, der Dachorganisation der Zuckerindustrie bestätigt, der es vorzieht anonym zu bleiben. “Wir mussten französischen Zucker kaufen, da der Großteil der heimischen Ernte bereits internationalen Käufern zugesagt wurde”, hebt er hervor.

Kuba weist einen erhöhten Zuckerkonsum auf und es werden jährlich 700.000 Tonnen benötigt, um die Nachfrage des staatlichen Versorgungsnetzes, der lokalen Industrie und der selbstständigen Wirtschaft zu decken. Die Insel hat ein Handelsabkommen mit China, das 400.000 Tonnen jährlich umfasst, aber dieses Jahr konnte die Produktion nicht den Eigenbedarf und den Export abdecken.

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Zuckerrohrernte auf Kuba

Bei der Zuckerrohrernte 2017−2018 produzierte die Insel etwas mehr als eine Million Tonnen Rohzucker, weit entfernt von den 1,6 Millionen Tonnen, die sich die Leitung dieses Sektors vorgenommen hatte. “Dies machte es unmöglich das Planziel einzuhalten“, erklärt Julio García, Präsident der Azcuba.

Die kubanische Zuckerindustrie war jahrzehntelang das Flaggschiff der kubanischen Wirtschaft und stand auch im Export an erster Stelle. Im Jahr 1991, kurz bevor der Zusammenbruch der Sowjetunion die kubanische Wirtschaft ruinierte und insbesondere diesem Sektor schadete, wurden noch 8 Millionen Tonnen Zucker produziert.

Aktuell ist das einstige Zugpferd der Insel ein Nachzügler, weit abgeschlagen hinter dem Tourismus, den Überweisungen aus dem Ausland und dem Verkauf von Dienstleistungen, besonders im Gesundheitsbereich.

Auf Befehl von Fidel Castro hin begann man im Jahr 2002 mit dem Abbau von dutzenden von Standorten, mit der Erklärung, dass die stark sinkenden Weltmarktpreise des Produktes diese Industrie untragbar machten. Im Jahr 2011 wurde das Zuckerministerium aufgelöst und seine Aufgaben von der Azcuba übernommen.

15 Jahre nach diesem radikalen Umbau sind 64% der Standorte weiterhin geschlossen; den Arbeitnehmern wurden andere Stellen zugeteilt und auf dem Großteil der Zuckerrohrfelder werden andere Produkte angebaut.

In der vorangegangen Ernte wurde nur noch an 54 Standorten Zuckerrohr gemahlen und auch der Regen beeinträchtigte die Ernte. Diese musste aufgrund der starken Niederschläge im Frühjahr eher als geplant beendet werden, da das schlechte Wetter den Schnitt des Zuckerrohrs erschwerte und das Produkt auch schneller verdarb.

             Übersetzung: Anja Seelmann

 


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Die Geschichte von einem Pfusch

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Kluge Zeitgenossen forschen nach, warum derselbe Rohrabschnitt der Wasserleitung immer wieder bricht, obwohl er nicht in einer viel befahrenen Straße liegt. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 11. September 2018

Die Nachbarn, die an dem großen Loch vorübergehen, kratzen sich verwirrt am Kopf, da sie das Gefühl haben ein Déjà-vu zu erleben. An Gründen für diese Verwunderung mangelt es nicht, da der Wasserrohrbruch, der zur Sperrung der Conill Straße führte, in weniger als drei Jahren vier Mal repariert wurde.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist. Ein Großteil des Spotts und der üblichen Beschimpfungen richten sich an dieses Unternehmen, aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit das Loch qualitativ hochwertig und auf Dauer zu schließen.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist

Mit einem Bagger und einer Langsamkeit, die einen verzweifeln lässt, haben die Arbeiter in der Conill Straße ein defektes Rohr hinterlassen, das aufgrund der anhaltenden Reparaturen inzwischen zum Stadtbild von Nuevo Vedado gehört, mit seinen vielen hohen Gebäuden aus der Zeit der sowjetischen Subventionen. Die kaputte Leitung ist zu einer bekannten „Persönlichkeit“ geworden, ein unerwünschter „Nachbar“, der uns immer wieder mit einem Leck an seine Präsenz erinnert.

„Das Rohr wurde beschädigt“, wiederholt der Bauleiter diese Woche wenig enthusiastisch, immer, wenn ein besorgter Anwohner ihn wegen der Reparaturen fragt, die die Wasserversorgung für mehrere Häuserblöcke in der Umgebung beeinträchtigt. Die Cleversten hinterfragen, weshalb immer wieder derselbe Abschnitt der Rohrleitung defekt ist, immerhin befinde man sich nicht einmal in einer von schweren Fahrzeugen befahrenen Straße, aber der Mann vermeidet es zu antworten.

Um die wiederkehrenden Reparaturarbeiten zu verstehen, muss man wissen, dass bei den meisten öffentlichen Bauarbeiten auf Kuba gepfuscht wird. „Jedes Mal, wenn sie es reparieren, verstärken sie nicht ausreichend den Bereich zwischen Rohr und Asphalt. Deshalb wird die Stelle letztendlich durch die darüberfahrenden Autos beschädigt“, versichert ein Nachbar, der weder Ingenieurwesen studiert noch je eine Reparaturbrigade geleitet hat, der aber sein Viertel gut kennt.

Andere waren indirekt Komplizen bei der mangelhaften Erneuerung des Rohrabschnitts. „Letztes Mal stahlen sie einen Teil der Materialien, und einer asphaltierte sogar die Einfahrt zu seiner Garage mit dem Diebesgut von der Baustelle“, erzählt ein anderer Anwohner. „Sie füllten das Loch mehr schlecht als recht auf und zwei Wochen später war ein neues da“, bemerkt er.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht.“

Das Schlagloch in der Straße war anfangs eine leichte Unebenheit, aber es verwandelte sich im Laufe der Monate in ein gefährliches Loch. Die Fahrzeuge des nahegelegenen Landwirtschaftsministeriums mussten einen Umweg fahren und nach Niederschlägen war es tagelang mit Wasser gefüllt. Letztendlich wiederholte sich die Geschichte und das Rohr darunter begann nachzugeben.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht und die sind ziemlich hoch“. Der besorgte Steuerzahler geht jeden Morgen an dem Loch vorüber und fragt sich, ob es ein fünftes Mal geben wird. „Ist das ein Fluch?“, wundert er sich. Aber Aguas de La Habana hat keine Antwort darauf.

                     Übersetzung: Lena Hartwig


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Der Ansturm der Venezolaner setzt Lateinamerika schachmatt

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In den Straßen von Cucuta verdienen sich hunderte von Venezolanern den Lebensunterhalt mit dem Transport von Koffern anderer Emigranten, die wie sie geflohen sind. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | Bogota / La Habana / 6.September 2018

Neben mir schluchzt eine Frau mit zwei kleinen Kindern, wobei sie an ihr Caracas denkt. In Bogotá, im Büro für Immigration und Einbürgerung, hört man überall den venezolanischen Akzent; viele Flüchtlinge sind aus dem Nachbarland gekommen, fast nur mit dem was sie am Leib tragen, und was sie durchgemacht haben sieht man an ihren Gesichtern.

An einer anderen Stelle der kolumbianischen Hauptstadt, nahe am Platz Bolívar, verkauft ein junger Mann billige Maisfladen; sein Wägelchen hat er mit den acht Sternen der kolumbianischen Fahne geschmückt. Er erzählt mir, dass er seine zwei Kinder auf der anderen Seite der Grenze zurückgelassen habe, und dass er hofft etwas Geld zu verdienen, um seine Familie „in einem sicheren Land“ wieder vereinen zu können.

Ein paar Meter weiter steht ein anderer Mann als lebende Statue von Simón Bolívar, mit seiner streng zugeknöpften Uniformjacke, dem traurigen Blick und einem Degen in der Hand. Die Skulptur atmet unter dem Nieselregen der Stadt und sie scheint den tiefen Fall einer Nation zu symbolisieren. Es fing mit den anarchistischen Gipfeltreffen*) an, es folgten populistische Irrwege und jetzt steht die Nation am Abgrund der Diaspora.

Fast überall in Kolumbien findet man jetzt Flüchtlinge, die vor Nicolás Maduros Regime geflohen sind. Es ist ähnlich dem, was sich auch in Ecuador, Brasilien oder Peru ereignet, obwohl es Flüchtlinge auch bis nach Chile oder Uruguay schaffen. Und dann gibt es die, die mit einem Sprung über den Atlantik nach Europa geflohen sind, oder jene, denen es gelungen ist, das Territorium der Vereinigten Staaten zu erreichen.

Zurück ließen sie ihr Haus, ihr Stadtviertel und ihre Freunde. Sie bilden das jüngste Kapitel im lateinamerikanischen Exodus, aber dieses Mal sind es vor allem Bürger eines Landes, denen die Exekutive vor kaum ein paar Jahren eine Zukunft mit Chancen für alle versprochen hat. Sie fliehen vor dem Zusammenbruch eines Systems und legen eine Distanz zwischen ihren Körpern und ihren zerronnenen Träumen.

Nur ganz allmählich werden Zahlen zu diesem Exodus bekannt. Offiziellen Daten zufolge lebten Ende August etwa 900 000 Venezolaner in Kolumbien, aber ihre genaue Zahl ist vermutlich wesentlich höher. Man sieht sie an Straßenecken, an Verkehrsampeln**), in der Nähe von Märkten. Sie haben den verlorenen Blick von Menschen, die sich in der neuen Umgebung zurechtfinden wollen, aber man sieht ihnen auch die Erleichterung an, dass sie fliehen konnten.

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Venezolaner in einem Autobus auf der Fahrt durch Ecuador in Richtung peruanische Grenze. (EFE)

Die Behörden der aufnehmenden Länder sind oft ratlos. In den meisten hat Auswanderung eine lange Tradition, jetzt werden sie mit der Herausforderung konfrontiert ihre Nachbarn aufzunehmen. Die offizielle Antwort der Institutionen ist oft dumm und zudem wenig gastfreundlich. Der Exodus hat in einigen Gemeinden bereits fremdenfeindliche Züge angenommen.

Eine so sehr miteinander verwandte Region auf unserem Planeten, in der die Mehrzahl der Länder eine gemeinsame Sprache und ähnliche Gewohnheiten haben, schafft es nicht, sich politisch zusammenzuraufen, um das Flüchtlingsdrama zu lindern. Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis, eine Krankenversicherung, der Zugang zu Schulbildung für venezolanische Kinder und die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen erfolgt in jedem Gastgeberland unterschiedlich und eine gemeinsame Linie ist nicht erkennbar.

Der Kontinent , in dem sich vor wenigen Jahren die Vorkämpfern für den Sozialismus des 21.Jahrhunderts die Hände schüttelten und ein gemeinsames Lateinamerika für alle verkündeten…, diesem Kontinent gelingt es jetzt nicht, dieser humanitären Krise mit richtigen und menschenfreundlichen Maßnahmen zu begegnen. Territoriale Konflikte und die Unfähigkeit zusammenzuarbeiten machen den venezolanischen Exodus noch schwieriger.

Kurios ist, dass die Flüchtenden Kuba außen vor lassen. Auf ihren Landkarten ist die Insel keine Destination. Einerseits, weil es nicht empfehlenswert ist, vor einem Übel in ein Land zu fliehen, das die Einführung eines politischen System befördert hat, vor dem man gerade flieht. Anderseits, weil es ein falsches Bilds von Kuba als solidarisches Land gibt, denn die kubanische Gesetzgebung ist eine der restriktivsten, wenn es darum geht Flüchtlinge aufzunehmen oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Aber ein Drama erleben nicht nur die, die ihr Land verlassen haben, sondern auch die, die geblieben sind. Für das südamerikanische Land bedeutet die massive Auswanderung von Bürgern eine beschleunigte Abwanderung von Kapital, was wirtschaftlich einen  sehr  negativen  Saldo als Folge hat, der nur schwer wieder auszugleichen sein wird. Eine kaputte Infrastruktur kann man reparieren, das Kapital kann zurückkommen, aber der Effekt einer Massenauswanderung ist irreversibel.

Es gehen nämlich die Mutigsten, die gut Ausgebildeten und vermutlich die am wenigsten Angepassten. Genauso, wie es sich auf Kuba ereignet, lässt die ständige Flucht von Bürgern eine träge Bevölkerung und ein leicht zu regierendes Land zurück. Wir, die wir bleiben, müssen uns an Abschied und Abwesenheit gewöhnen. Wenige von denen, die fortgegangen sind, werden wieder zurückkehren.

„Wenn’s dir nicht passt, geh weg!“, haben treue Anhänger der kubanischen Regierung jahrzehntelang wiederholt; jetzt übernimmt auch Nicolás Maduro diese menschenverachtenden Haltung und schmäht die Flüchtlinge, dass sie gerade „Kloschüsseln in Miami putzen“. Für beide Regime ist Exil eine Sache für Schwächlinge und Egoisten.

In beiden Ländern sind offizielle Verlautbarungen dazu übergegangen, die Fluchtbewegung zu bestreiten. Sie beschimpfen die Fliehenden mit verunglimpfenden Adjektiven, oder sie machen Dritte für die anhaltende Flucht von Bürgern verantwortlich. Beide, Caracas wie Havanna, lehnen es ab sich um ihre im Exil lebenden Bürger zu kümmern; sie betrachten sie nur als potentielle Absender von Überweisungen, nicht aber als Bürger mit Rechten.

Eine massive Auswanderung ist ein Aderlass, der jedes davon betroffene Land schwächt. Jeder Venezolaner, der jetzt durch die Straßen von Bogotá, Quito oder Rio de Janeiro läuft, sucht eine Perspektive für sein Leben, die ihm in seinem Heimatland abhanden gekommen ist.

                  Übersetzung: Dieter Schubert

 

Anmerkungen des Übersetzers:
*) Die Anarchistische Bewegung in Venezuela (Movimiento Libertario de Venezuela) wurde im August 2015 von jungen Leuten ins Leben gerufen, die dem hegemonialen öffentlichen Kulturbetrieb im Land die Stirn bieten wollten.
**) Der Übersetzer erinnert sich: Ein Auto stoppt vor einer roten Ampel; mehrere junge Leute springen vor den Wagen und säubern die Frontscheibe; sie hoffen auf ein paar Münzen als Belohnung.


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Diskrete Internet-Tests auf mobilen Geräten lösen Frustrationen aus

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Ein junger Mann in Havanna hat sich ins wifi-Netz eingeloggt. (EFE)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 15.August 2018

Eine junge Frau telefonierte in einer Cafeteria und am Nebentisch bekam jemand das Gespräch mit. Innerhalb weniger Minuten waren die Blicke aller Anwesenden starr auf deren Handys gerichtet, um diese auf Internetzugang hin zu testen – so wie sie es in dem Gespräch der jungen Frau vernommen hatten. Kubas Telekommunikationsunternehmen nahm zwar in keiner Weise Stellung zu dem Thema, aber am vergangenen Dienstag um 11 Uhr wussten Tausende von Kunden im ganzen Land, dass endlich der Moment gekommen war, auf den sie seit Jahren gewartet hatten.

Weder die offizielle Website von Etecsa, dem Monopol im Bereich Telekommunikation, noch der öffentliche Kundendienst gaben im Vorfeld bekannt, dass Tests zur Internetverbindung durchgeführt wurden; nur unabhängige Journalismus-Websites und private Nutzerkonten in sozialen Netzwerken enthüllten die Angelegenheit. So kamen die Kubaner mit zwei Jahrzehnten Verspätung und umgeben von institutioneller Geheimhaltung über ihre Handys nun endlich mit dem World Wide Web in Verbindung. Obwohl die Erfahrung überwältigend war, verursachten die technischen Probleme mehr Frustration als Hoffnung.

Überlastung, die das Öffnen von Websites verhinderte, ständige Unterbrechung des Ladevorgangs, was zum Verlust des Datensignals führte und so den Download von Bildern in Anwendungen mit Multimedia-Inhalten unmöglich machte – dies waren die Schwierigkeiten, die den begierigen Internetnutzern, die sich erhoffte, in der virtuellen Welt Segel zu setzen, am meisten zu schaffen machten. So konnten sie gerade mal am Ufer des WWW plantschen.

Weder die offizielle Website von Etecsa, dem Monopol im Bereich Telekommunikation, noch der öffentliche Kundendienst gaben im Vorfeld bekannt, dass Tests zur Internetverbindung durchgeführt wurden

„Ich versuche es schon seit 20 Minuten und konnte nicht eine Website zu öffnen“, beschwerte sich ein junger Mann, der von dem „Pilotversuch“ durch einen Freund gehört hatte, der bei Etecsa arbeitet. „Den Mitarbeitern wurde gesagt, sie sollten nichts sagen, aber jeder hat bei seinen Freunden etwas durchsickern lassen“, erzählt er. Am Ende des Tages gelang es ihm, „vom Facebook-Messenger aus ein paar Nachrichten zu verschicken, sowie einen halben Artikel aus einer Zeitung in Florida zu lesen, weil dieser nicht vollständig geladen wurde“.

Der enttäuschte junge Mann war erst neun Jahre alt, als im Februar 2011 das Tiefseekabel Alba-1 Kuba mit Venezuela verband. Damals dachten die meisten Etecsa-Nutzer, dass es auch mit dem Internet nicht mehr weit hin wäre, aber die fehlerhafte Bedienung und die Angst von offizieller Seite aus, dass die Bürger aktiv in das Netz der Netze eindringen würden, verzögerten den Anschluss.

Danach folgte eine lange Phase der Verheimlichung und der Ausflüchte. Beamte behaupteten, dass die Regierung sich für die „soziale Nutzung“ neuer Technologien einsetzend würde, behielten aber Tarife für die Internetnutzung bei, die in keinem Verhältnis zu den nationalen Gehältern standen. Auch die so genannten wifi-Zonen wurden eingerichtet – ein letzter Versuch, die Ankunft des Internets im privaten Bereich zu verzögern, aber zumindest befriedigten sie das Verlangen von Millionen von Menschen nach Telekommunikation.

Der politische Fahrplan zur Vernetzung hat sich darauf konzentriert, den Moment zu verzögern, in dem der Kunde allein ist, in der Privatsphäre seines Hauses oder an einem abgelegenen Ort außerhalb von drahtlosen Zugangsbereichen, vor einem Bildschirm, mit dem er interagieren, veröffentlichen oder sich Gehör verschaffen kann. Aber Etecsa gingen die Argumente aus, der alte Vorwand des US-Embargos überzeugte die Kunden nicht mehr, und die Forderungen nach Internet auf Mobiltelefonen wurden unüberhörbar.

„Wir wurden gebeten, die Revolution in sozialen Netzwerken zu verteidigen, aber bei dieser Geschwindigkeit ist es sehr schwierig.“

Am Ende kündigte das schwerfällige Staatsunternehmen – eines der ineffizientesten der Welt – an, dass es noch vor Ende des Jahres den Zugang zum Internet über Prepaid-Handys ermöglichen wird. Postpaid-Nutzer und einige privilegierte Beamte oder offizielle Journalisten genießen diese Möglichkeit bereits seit Monaten, aber ihre Bewertung der Qualität der Navigation fällt sehr negativ aus.

„Es ist hoffnungslos langsam“, sagt eine junge Journalismus-Absolventin, die bei den lokalen Medien arbeitet und von einem Mobiltelefon profitiert, das mit dem Internet verbunden ist. „Wir wurden gebeten, die Revolution in sozialen Netzwerken zu verteidigen, aber bei dieser Geschwindigkeit ist es sehr schwierig“, versichert sie. Der Nutzen, den diese Verbindung für die junge Journalistin bisher hatte, reduzierte sich auf den „Austausch von Nachrichten bei WhatsApp und auf zwei klaglos gescheiterte Videokonferenzen via IMO.

Nach der gestrigen Erfahrung, verdorben durch Langsamkeit und technische Probleme, warten die Kunden nun darauf, dass Etecsa sich direkt zum Implementierungsplan dieses Services und den Tarifen der Datenpakete äußert. Sie wollen auch Betriebsgarantien, denn „für so etwas werde ich nicht so viel bezahlen, als wäre es wirklich ein Internetzugang“, sagte eine Frau diesen Dienstag im Büro von Etecsa.

Das staatliche Kommunikationsmonopol ist in Schwierigkeiten. Millionen von Kunden haben es satt zu warten, und viele von ihnen sind am 14. August dieses Jahres über ihr Handy ins Netz gegangen. Sie wollen die Erfahrung effizienter und mit völliger Freiheit wiederholen.

                             Übersetzung: Berte Fleißig


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Athleten und Klimageräte

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Kisten und Kartons mit Klimageräten stapeln sich im Flughafen von Havanna. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | Bogotá / La Habana | 3. August 2018

Die Maschine mit der Flugnummer 254 erhebt sich an einem grauen und kalten Morgen in die Luft über Bogotá. Im Inneren befindet sich ein Teil der kubanischen Delegation auf der Heimreise nach Havanna, nach der Teilnahme an den Zentralamerika-und Karibikspielen*) in Barranquilla, Kolumbien. Mehr als drei Stunden lang füllen die ruhelosen Athleten einen Teil des Flugzeugs mit ihren Gesprächen, die von einer Seite des Durchgangs zur anderen wandern, und die sich nur um ein Thema drehen: Die Einkäufe , die sie in Kolumbien getätigt haben , um sie mit auf die Insel zu nehmen.

Die Passagiere, die an diesem Dienstag mit der Fluggesellschaft Avianca unterwegs sind, treffen auf mehr als zwanzig Sportler in blauen Uniformen mit dem weißen Stern der kubanischen Flagge. Es ist eine heterogene Gruppenkonstellation: Junge Menschen in perfekter körperlicher Verfassung, die offensichtlich an den Wettkämpfen teilgenommen haben; andere mit grauem Haar und dem Auftreten eines Trainers, und wiederum eine dritte Gruppe, die weder das eine noch das andere ist und die Rolle der Aufpasser übernommen hat.

„Der wichtigste Part war das Zeitfahren, um aus der Gemeinschaftsunterkunft heraus und bis zu den nahen Märkten zu kommen“, sagte ein Sportler, „um den Ort zu finden, an dem am günstigsten verkauft wird, um das Geld zu strecken“

Das Flugzeug durchdringt die dichte Schicht aus Wolken, die die kolumbianische Hauptstadt bedeckt, und eine Frage beendet das hypnotische Schweigen während des Aufstiegs. „Sag mal, hast du dir den „Split“ (ein Klimagerät) kaufen können?“, fragt ein Athlet in Reihe 11 mit erhobener Stimme einen anderen, drei Sitze weiter vorn. Die Antwort lässt ebenfalls alle anderen aufhorchen. „Ja, ich habe ihn problemlos kaufen können, und auch ein Fahrrad, und Teile, die ich für mein Motorrad brauche.“ Der kurze Dialog tritt eine Lawine von ähnlichen Kommentaren los.

* * *

Die ganze Zeit, in der das Flugzeug durch die Lüfte zog, tauschte die Gruppe kein einziges Wort über den sportlichen Wettkampf, die errungenen Medaillen oder den harten Kampf Kubas aus, um den zweiten Platz unter den Ländern noch zu erreichen, nachdem man zum ersten Mal nach fast fünfzig Jahren den ersten Platz verloren hatte. Der Wettkampf über den man sprach, war ein anderer. Es war das Zeitfahren, mit dem man „aus der Gemeinschaftsunterkunft heraus und bis zu den nahen Märkten kommen konnte“, sagte ein Sportler, „um den Ort zu finden, an dem am günstigsten verkauft wird, um das Geld zu strecken“.

Der größte Gewinn, der sie wirklich begeisterte und zum Lächeln brachte, war für viele dieser jungen Talente nicht eine goldene, silberne oder bronzene Medaille, sondern der, mit Produkten und Geräten nach Hause zurückzukehren, die ihre Lebensqualität verbessern würden. Einer prahlte damit, dass er „den Koffer ein wenig mit der Hand anheben konnte“, damit am Schalter nicht das gesamte Gewicht angezeigt würde.

Ein Mann mit militärischem Haarschnitt und der gleichen sportlichen Aufmachung wie der Rest der Delegation hörte wortlos zu, aber sein Rucksack im Gepäckfach ließ sich kaum noch schließen.

„Zu der Angestellten sagte ich, es seien Teile eines Fahrrads und nicht eines Motorrads, weil sie so einfacher durchgewinkt werden“, meinte ein anderer stolz. „Sie haben mir erlaubt drei Koffer mitzunehmen, und was sie mir dafür berechnet haben, nehme ich schnell wieder ein, weil alles was ich mitgenommen habe in Havanna viel mehr wert ist“, fügte ein älterer Herr hinzu, der der Manager eines Teams zu sein schien. An seiner Seite hörte ihm ein Mann mit militärischem Haarschnitt und der gleichen sportlichen Aufmachung wie der Rest der Delegation zu, ohne einen Laut zu sagen, aber sein Rucksack im Gepäckfach ließ sich kaum noch schließen.

Das Flugzeug begann Kreise über Havanna zu drehen. „Man hat uns darüber informiert, dass wir warten müssen, weil der Flughafen wegen dringender Arbeiten geschlossen ist“, erklärte der Kapitän. Während die Passagiere aus den Fenstern blickten und immer wieder dieselbe Landschaft vorbeiziehen sahen, tauschten sie die letzten Ratschläge für ihr Gepäck aus. „Ich werde die Kontrolle für den Flachbildschirm überstehen, weil ich in diesem Jahr noch keinen Import hatte, aber ich brauche dich, um die beiden mitgebrachten Telefone für mich durchzubringen“, bat einer seinen Sitznachbarn.

Schließlich setzte das Flugzeug am Boden auf und nach einer langen Schlange am Einreiseschalter kam für die ungeduldigen Sportler der lang ersehnte Moment: die Koffer vom Gepäckband zu nehmen. An einer Seite des Transportbands rief ein Zollbeamter lauthals, dass die „Splits“ und die Fernsehgeräte durch eine kleine Tür in eine Halle befördert werden, wo jedes Transportstück gescannt würde, um den Inhalt zu überprüfen. Die Delegation von Sportlern versammelte sich vollständig um diese Ausgabestelle.

Touristen, die mit demselben Flug angekommen sind, verstehen immer weniger. „Und warum müssen sie diese Dinge mitbringen?“

Schließlich erschien ein Klimagerät, gefolgt von einem weiteren und danach noch einige mehr. Kisten stapelten sich, man lachte, einige machten ein Selfie vor dem wachsenden Berg an Haushaltsgeräten, niemand sprach von Medaillen.

Es kam der Moment die belebte Wartehalle des Internationalen Flughafens José Martí zu verlassen. Viele Familien warteten mit Babys auf dem Arm oder Senioren in Rollstühlen. Schreie, Emotionen,… und dann war da eine Frau, die zu einem Athleten − vermutlich ihrem Sohn − unter Tränen sagte: „Ich wusste, du würdest ihn mitbringen“, wobei sie erleichtert die „Split“-Kiste berührte, in Vorfreude auf schweißfreie Nächte in einem Zimmer unter 25 Grad Celsius.

* * *

Die Szene wiederholt sich. Die Mitglieder der Delegation umarmen nach und nach ihre Verwandten und verteilen die ersten Geschenke. Touristen, die mit demselben Flug angekommen sind, verstehen immer weniger. „Und warum müssen sie diese Dinge mitbringen?“, fragt ein verwunderter Chilene, der für den Junggesellinnenabschied einer Cousine angereist ist. Niemand antwortet ihm.

              Übersetzung: Lena Hartwig

 

Anmerkung der Übersetzerin:

*) Ein alle vier Jahre stattfindendes Sportgroßereignis mit Teilnehmern aus Zentralamerika und der Karibik. Dieses Jahr fanden die 23.Spiele vom 19.Juli bis zum 3.August in Barranquilla, Kolumbien, statt.


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