Die Journalisten, die gebraucht werden

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Sechs Mitglieder des kubanischen Volleyball-Teams befinden sich in Finnland in Haft, ohne dass die Presse die Straftat bekannt gab, der sie beschuldigt werden. (Volleyball World League)

Generación Y, Yoani Sánchez, 07. Juli 2016 Mein Vater kam mit einer Frage nach Hause, die ihm keine Ruhe ließ: „Welches ist wohl das Verbrechen, für das mehrere kubanische Sportler in Finnland angeklagt worden sind?”. Er kannte nur die offizielle Mitteilung des Kubanischen Volleyballverbandes, die am Montag in den TV-Nachrichten verlesen und von den Zeitungen veröffentlicht wurde. Aus dem Text ging nicht hervor, welche Missetat ihnen zur Last gelegt wird, deshalb spekulierte mein Vater: „Illegaler Tabakverkauf? Diebstahl? Störung des öffentlichen Friedens?“.

Die Vergewaltigung einer Frau, für die man die Athleten verantwortlich hält, wird in der Erklärung nicht erwähnt, was einen „Akt der Geheimhaltung“, das Verschweigen der Wahrheit und eine Respektlosigkeit gegenüber der Öffentlichkeit darstellt. Die staatliche Presse behandelt uns so, als ob wir kleine Kinder wären, vor deren zarten Ohren man keine so unanständigen Details erwähnen darf. Oder schlimmer noch – als ob wir es nicht verdienten, über die Schwere der Anschuldigungen Bescheid zu wissen.

Das Geschehene lässt die Zwangsjacke sichtbar werden, die die professionellen Berichterstatter daran hindert, ihre Arbeit im Rahmen der Medien auszuüben, die von der Kommunistischen Partei kontrolliert werden. Hier handelt es sich um etwas, das viele Journalisten mit Schmerz und Frustration ertragen, während andere – die opportunistischer sind – von der Zensur profitieren und eine mittelmäßige Arbeit abliefern, oder eine, die es den Machthabern bequem macht.

Warum ist kein prominenter Europa-Korrespondent der lateinamerikanischen Presse nach Finnland gereist, um dort im Minutentakt darüber zu berichten, was mit den kubanischen Athleten passiert?

Das Geschehene lässt die Zwangsjacke sichtbar werden, die die professionellen Berichterstatter daran hindert, ihre Arbeit im Rahmen der Medien auszuüben, die von der Kommunistischen Partei kontrolliert werden

Jeden Tag sind wir dieser Art von unterdrückter Information durch die staatlichen Medien ausgesetzt. Jenes schon chronisch gewordenen Fehlen steht im Widerspruch zu dem Fingerzeig von Miguel Díaz-Canel, dem Ersten Vizepräsidenten Kubas, wenn er dazu aufruft, einen Journalismus ohne Selbstzensur zu betreiben, der näher an die Realität gebunden ist. Wo ist dieser Funktionär denn jetzt, wenn es gilt, die Reporter  anzutreiben, dass sie ihre Recherchen anstellen und Einzelheiten über das Schicksal der Volleyballer veröffentlichen?

Es ist sehr bequem, die Journalisten dazu zu ermuntern, mutiger zu sein, doch ihnen dann, wenn der Moment gekommen ist, zu raten, lieber vorsichtig zu bleiben oder gar Stillschweigen zu bewahren. Solche Falschheiten haben sich innerhalb der letzten fünf Jahrzehnte so oft wiederholt, dass sich in der kollektiven Denkweise  die Vorstellung breit gemacht hat, „Presse“ sei ein Synonym für „Propaganda“ und ein Informator, ein Regierungsvertreter.

Der Schaden, der dem kubanischen Journalismus zugefügt wurde, ist tiefgreifend und systematisch. Ihn zu reparieren wird lange dauern; es braucht den Respekt vor diesem ehrenvollen Beruf als Rahmen und auch eine neue Generation von Berichterstattern, die nicht durch die “Laster” der aktuellen kubanischen Akademie für Journalismus gekennzeichnet ist. Jene jungen Menschen, die keine Kompromisse mit den Machthabern eingehen, sind die einzige Hoffnung, die uns bleibt.

Übersetzung: Nina Beyerlein

Wir alle waren im „Pulse“

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Christopher Sanfeliz und Alejandro Barrios, die von Omar Mateen im LGBT-Club Pulse erschossen wurden. (Facebook)

Generación Y, Yoani Sánchez, 15. Juni 2016 Die Nachricht machte den Sonntag zu einem Trauertag, zerriss die Woche und wird das Leben der Familien der Opfer für immer markieren. Der Club „Pulse“ in Orlando, Florida, wurde für viele, die einem Irren ausgeliefert waren, zu einer tödlichen Falle. Man untersucht noch die Beweggründe, die Omar Seddique Mateen dazu brachten, 49 Menschen zu töten und weitere 53 zu verletzen, aber Solidarität muss nicht auf den Abschlussbericht des FBI warten, sie muss unmittelbar erfolgen und darf nicht zögerlich sein.

Die offizielle kubanische Presse hat die Tatsache, dass sich die Schießerei in einem Homo-Club ereignete, lückenhaft und pikiert behandelt. Es ist die Prüderie des Fernsehens und der nationalen Zeitungen, die mit ihrem Schweigen Menschenverachtung fördern und ihre eigenen Reden über politische Veränderungen als Lügen entlarven. Man bemerkt dieses Versagen auch im Kondolenzschreiben, das Raúl Castro an Barack Obama schickte, wenn er den Ort der Tragödie als „Nachtclub“ bezeichnet.

Die Vergesslichkeit endet hier noch nicht. Die Presse in Händen der Kommunistischen Partei hielt die Nachricht, dass unter den Toten auch zwei Kubaner waren, bis zum darauffolgenden Mittwoch zurück, als das schon vox populi auf allen Straßen war. Warum diese Verspätung? Weil sie schwul waren, oder Emigranten? Wenn beides zutrifft, müsste das einige Regierungsmitglieder aus der Fassung bringen und somit auch die Presse, die wie ihr Bauchredner agiert.

Die Presse in Händen der Kommunistischen Partei hielt die Nachricht, dass unter den Toten auch zwei Kubaner waren, bis zum darauffolgenden Mittwoch zurück.

Es überrascht auch, dass sich das Nationale Zentrum für Sexualerziehung (Cenesex) auf eine formale Verurteilung beschränkte und nicht zu einer Nachtwache (für die beiden Toten) aufgerufen hat, und auch nicht dazu, den Müttern, die ihre Söhne verloren haben, ein paar Blumen vor die Tür zu legen; ein symbolischer Akt, der den Schmerz der kubanischen LGBTI-Gemeinschaft hätte wiedergeben können.

Nichts dergleichen gab es; nicht wegen Entrüstung oder Trauer, sondern allein wegen fehlender Meinungsfreiheit, was verhindert, dass ein Oppositioneller öffentlich eine Beschwerde einreicht, oder dass irgendjemand spontan ein Plakat trägt, auf dem steht: WIR ALLE WAREN IM „PULSE“.

Anmerkung des Übersetzers:

Die Buchstaben LGBTI stehen für lesbisch, gay, bisexuell, transsexuell und intersexuell.

Übersetzung: Dieter Schubert

Regen – eine so häufige Rechtfertigung

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Zwei Jugendliche im Regen. (14ymedio)

Generación Y, Yoani Sánchez, 10. Juni 2016 „Wozu hast du das Mädchen hergebracht, wenn es regnet?“, schimpfte die Lehrerin der zweiten Klasse, als meine Freundin ihre Tochter am Mittwoch zur Schule brachte. Obwohl der Unterricht weiterhin stattfinden sollte, nutzten viele Grundschullehrer die Niederschläge aus, um diese Woche zu verkürzen. Für die Bürokraten war das schlechte Wetter eine Ausrede, um Formalitäten hinauszuzögern, während unzählige Arzttermine aufgrund des Regens später begannen.

Wenn es anfängt zu regnen, verhalten sich viele Beamte so, als wären sie aus Zucker, als wären sie Aquarelle kurz vor dem Zerfließen oder allergisch gegen Wasser. Diese Reaktion sorgt für Gelächter, da wir in einem tropischen Land leben, aber die Situation ist auch aufgrund der ernsthaften Schäden, die der Regen bei Millionen Menschen anrichtet, mit viel Dramatik verbunden. Immer wieder verhalten sich die Beamten im öffentlichen Dienst so, als wäre jede Regenzeit die erste auf der Insel.

Das Bankensystem, das das ganze Jahr über schlecht funktioniert, bricht fast völlig zusammen, wenn zwei Regentropfen vom Himmel fallen. Der staatliche E-Mail-Dienst Nauta gerät in eine Krise und im städtischen Nahverkehr gibt es unzählige Probleme. Es nieselt und schon fällt Unterricht an Bildungseinrichtungen aus, die Marktstände und Einzelhandelsgeschäfte bleiben meistens geschlossen und sogar in den Notaufnahmen der öffentlichen Gesundheitseinrichtungen schaltet man einen Gang herunter.

Dabei wütet weder ein Hurrikan noch ein Wind mit mehr als 100 Stundenkilometern oder einer dieser heftigen Schneestürme, die andere nördlichere Nationen in Atem halten. Dass das Leben auf Kuba aufgrund der Regenfälle stillsteht, scheint eher eine Rechtfertigung zu sein. Ein Alibi, das vielen erlaubt, in diesen Tagen das zu machen, was sie am liebsten tun. Nichts.

Übersetzung: Lena Hartwig

Elena Burke, diese Stimme, die in der Erinnerung nachhallt

Generación Y, Yoani Sánchez, 06. Juni 2016 Diese Frau hatte etwas. Neben ihrer tiefen Stimme und den Emotionen, die sie durch das Mikrofon übertrug, hatte sie eine Art, die einen in ihren Bann zog. Wenn sie auf dem Bildschirm erschien, hatte meine kindliche Überheblichkeit Pause, ich hörte auf herumzurennen und schenkte ihr stattdessen meine Aufmerksamkeit. Da war sie die „Dame der Gefühle“*, die junge Frau, deren Karriere beim kubanischen Radiosender CMCQ angefangen hatte und die in dem Jahr geboren wurde, in dem auch der Kapokbaum im Parque de la Fraternidad** in Havanna gepflanzt wurde. Ich wurde still, um ihr zuzuhören.

Temperament, Emotion und eine Interpretation, die jede gute Darbietung oder die Erinnerung bei weitem übertraf, waren ihr Markenzeichen. Sie lebte jedes Lied. Man sah, wie sie wegen Untreue kämpfte, wegen eines gebrochenen Herzens weinte, bis zum Delirium genoss oder wie sie, wie die Frau, die auf einer beliebigen Türschwelle die Hand zum Abschied hebt, Lebewohl sagte. In der kubanischen Musikszene der 70er und 80er Jahre, voller Ängste und Heuchelei, stach Elena Burke durch ihre Authentizität hervor, sie wollte weder gefallen noch begeistern.

Andere ernteten den Ruhm der internationalen Medien als diese eindrucksvolle und ehrliche Frau nicht mehr unter uns weilte, als die Dame des Filin*** bereits gegangen war. Aber keine kubanische Sängerin hat es bisher geschafft ihre Interpretationen der Lieder von Komponisten wie José Antonio Méndez, Marta Valdés oder César Portillo de la Luz und vielen anderen, denen sie ihre Stimme lieh, zu übertreffen. Denn diese Frau, die das Mikrofon in der Hand hielt und deren Silhouette den ganzen Bildschirm ausfüllte war einfach nur sie selbst, ohne Verschönerungen, ohne Zugeständnisse und ohne Heuchelei.

Anm. d. Ü.:

*Elena Burke wurde auch als „Señora Sentimiento“ (Dame der Gefühle) bezeichnet, da sie sich durch die gefühlvollen und ehrlichen Interpretationen ihrer Lieder auszeichnete und eine wichtige Figur in der Musikbewegung „Filin“ verkörperte.

**Der Park „Parque de la Fraternidad Americana” ist ein Komplex aus mehreren Parks in Havanna. Der Kapokbaum wurde zur Unabhängigkeit Kubas im Jahr 1902 im Stadtviertel Cerro gesät und im Jahr 1928 in den Park gepflanzt.

***Filin (nach dem englischen Wort Feeling) ist eine moderne Musikbewegung, die sich in den 50er Jahren in Kuba entwickelte. Diese Bewegung hatte ihren Ursprung unter anderem im lateinamerikanischen Musikstil Bolero.

 

Übersetzung: Anja Seelmann

Tiananmen, gemeinsames Schweigen

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Im Jahr 1989 war der Tiananmen-Platz in Peking die Bühne für Proteste, die mehr politische Öffnung verlangten

14ymedio.com, Yoani Sánchez, 04. Juni 2016 Der Platz der Revolution in Havanna (Regierungssitz) zeigt die Treue zu seinen Freunden auf vielfältige Weise. Eine davon ist das Schweigen unter Komplizen. Das Massaker von Tlatelolco im Jahr 1968 wurde von der Regierung Fidel Castros nicht verurteilt, weil ihr Verbündeter, die „Partei der Institutionalisierten Revolution“ (PRI), damals in Mexiko regierte. Vergleichbares geschah mit den Ereignissen auf dem Tiananmen-Platz, die bis heute von der Presse ignoriert werden und auch im offiziellen Diskurs nicht vorkommen.

Seit in Peking Tausende von Studenten friedlich für demokratische Reformen demonstrierten und mit Gewalt auseinander getrieben wurden, sind inzwischen 27 Jahre vergangen. Zum entscheidenden Moment kam es am 4. Juni, als die Armee die Versammlung gewaltsam auflöste und Hunderte von Toten und Tausende von Verletzten zurückließ. Es bleibt zu hoffen, dass Miao Deshun im nächsten Oktober freikommt; er ist der letzte namentlich bekannte politische Gefangene von all denen, die im Verlauf dieser Unruhen verhaftet wurden.

Neben den mehr als tausend Festgenommenen, die zu harten Strafen verurteilt wurden, weil sie ihren Wunsch nach Veränderung öffentlich zum Ausdruck gebracht hatten, schickte China viele andere Demonstranten zur Umerziehung in Arbeitslager. Seit damals haben zahlreiche Maßnahmen und millionenfache Propaganda alles versucht, um die Bevölkerung dazu zu bringen, die Rebellion aufzugeben und die Erinnerung an die Ereignisse verblassen zu lassen.

Neben der aufstrebenden Wirtschaft und seinen Umweltproblemen ist China heute ein Land, in dem es nicht erlaubt ist, öffentlich über seine Geschichte zu sprechen

 

In diesen Tagen wurden einige Aktivisten, die versuchten jenes Datum wieder ins Gedächtnis zurückzurufen, von der Regierung verhaftet oder daran gehindert ihr Haus zu verlassen, um so den Opfern ihre Hochachtung zu erweisen. Diese repressiven Maßnahmen erstrecken sich auch auf das Internet, wo es der zuständigen Polizei geschickt gelingt, viele Einträge zu den Ereignissen auf dem „Platz des Himmlischen Friedens“ zu löschen.

Und dennoch, obwohl man im Juni 1989 die ausländische Presse aus der unruhigen Zone verbannt hatte und die Regierung die Berichterstattung über die Vorfälle einschränkte, hat sich ein Bild wie eine Ikone ins Gedächtnis der Menschheit eingeprägt. Ein wehrloser Mann, mit einer Einkaufstasche in der Hand, steht vor einem Panzer und zeigt die völlige Hilflosigkeit des Bürgers angesichts totalitärer Macht.

Kein einziges der kubanischen Medien, die von der Kommunistischen Partei betrieben werden, hat dieses Foto je veröffentlicht. Die Behörden der Insel haben sich somit am dem Versuch beteiligt, ein geschichtliches Ereignis auszulöschen, das ihre chinesischen Genossen mutig angestoßen haben. Bei dem Versuch, der Vergangenheit ein schwarzes Loch zu verpassen, werden sie zu Komplizen.

Neben der aufstrebenden Wirtschaft und seinen Umweltproblemen, ist China heute ein Land, in dem es nicht erlaubt ist, öffentlich über seine Geschichte zu sprechen. Es ist eine Nation, der man einen ungleich verteilten Wohlstand angeboten hat, im Tausch gegen ihre Erinnerung, in der aber viele diesen Handel nicht akzeptiert haben. Es sind die, die sich an den jungen Mann erinnern, der zum Markt ging, was sein Schicksal für immer änderte.

Im Fall Kubas begann der Versuch, uns zu einer kollektiven Amnesie zu zwingen, weder mit der Tragödie auf diesem riesigen weit entfernten Platz, noch endete er damit. Zunächst verschwiegen uns die offiziellen Medien den Fall der Berliner Mauer, dann leugneten sie wochenlang den Reaktor-Unfall von Tschernobyl und schließlich ließen sie die Verbrechen von Nicolae Ceausescu unter den Tisch fallen.

Die Loyalität der Regierung zu ihren Genossen beinhaltet auch unrühmliches Tun, nämlich ihnen dabei zu helfen Statistiken fälschen, Nachrichten zurückzuhalten und Tote in aller Stille zu beerdigen.

Anmerkung des Übersetzers:

Am 2.Oktober 1968 war Tlatelolco (Mexiko) Schauplatz eines Massakers, bei dem kurz vor Beginn der Olympischen Spiele mehr als 300 Studenten, die an einer Protestkundgebung teilgenommen hatten, von der Armee und der Polizei getötet wurden.

Übersetzung: Dieter Schubert

Beschämende Freunde

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Seit dem Jahr 1994 ist Alexandr Lukashenko in Weißrussland an der Macht. (CC)

Generación Y, Yoani Sánchez, 25. Mai 2016  Jene Personen, mit denen wir Freud und Leid teilen, sind unser eigenes Spiegelbild, auch wenn sie noch so verschieden sind. Wir suchen uns unsere Freude aus, damit sie uns Gesellschaft leisten, aber auch, damit sie uns mit der notwendigen Vielfalt und Kontinuität, die unsere menschliche Natur braucht, vervollständigen. Problematisch wird es dann, wenn die Wahl solcher Koexistenzen weder auf Gemeinsamkeiten noch auf Vorlieben beruht, sondern lediglich auf Interessen und Bündnissen, die es zum Ziel haben, anderen unbequem zu werden.

In ein und derselben Woche hat die kubanische Regierung gleich zwei jämmerliche autoritäre Regime in die Arme geschlossen. Wenige Stunden nachdem sich der kubanische Vizepräsident Miguel Díaz-Canel Bermúdez mit öffentlichen Funktionären in Weißrussland getroffen hatte, fand im kubanischen Regierungssitz Plaza de la Revolución ein Treffen zwischen Raúl Castro und einem Sondergesandten der Arbeiterpartei Nordkoreas statt. Genossen, die alles andere als präsentabel sind, werden vom kubanischen Regierungsapparat ganz ohne Scham umarmt und gerühmt.

In einer Welt, in der einerseits die Zivilgesellschaft mit ihrem Aufruf, die Menschenrechte zu respektieren, sowie andererseits Bewegungen, die die Anerkennung der Freiheiten vorantreiben, immer mehr Gehör finden – in dieser Welt hat es die kubanische Regierung schwer, ihre guten Verbindungen zum „letzen Diktator Europas“, sowie zu jenem maßlos kapriziösen „Enkelsohn“ zu erklären, der seine Machtposition aufgrund seiner Abstammung geerbt hat. Was verbindet Kubas Führungskräfte mit jenen politischen Exemplaren?

Die einzige mögliche Antwort wäre die, die westlichen Demokratien und das Weiße Haus schikanieren zu wollen. Die diplomatische Freundschaft wird zur Komplizenschaft, und am Ende bestimmen die Genossen das Wesen derer, die ihre Gesellschaft gesucht haben.

Übersetzung: Nina Beyerlein

 

Maduro und das Land, das ihm unter den Händen zerfällt

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Eine Demonstrantin vor der bolivianischen Nationalpolizei am Mittwoch bei einer Demonstration in Caracas. (EFE/Miguel Gutiérrez) (Anm. d. Ü.: Auf ihrem Plakat steht: Wir verhungern! Totale Diktatur!)

Generación Y, Yoani Sánchez, 19. Mai 2016 Alle Zeichen deuten auf einen Zusammenbruch Venezuelas hin. In jeder Minute, die vergeht, zerfällt das Land mehr unter den Händen von Nicolás Maduro, der darauf besteht, mit revolutionärer Gewalt eine Macht aufrechtzuerhalten, die er weder durch Effizienz noch durch Ergebnisse erhalten konnte. Seine Sturheit hat eine Nation, die reich an Ressourcen ist, in die Misere gebracht und seine Brandreden schieben sie jetzt in Richtung einer gewaltsamen Explosion.

Vor den Mikrofonen will Maduro einen trügerischen Sozialismus aus dem 21. Jahrhundert verteidigen, der nur in den Köpfen von denjenigen funktionierte, die ihn ins Leben gerufen haben. Sein politisches und repressives Handeln ist jedoch darauf ausgerichtet, die Privilegien eines Clans zu erhalten, der gegen die Bürger wettert, während er inmitten von Überfluss und von der Plünderung der Staatskassen lebt. Er hält sich für den Robin Hood der Kindergeschichten, aber dieses Mal ist der Sherwood Forest unbewohnbar geworden, sogar für die Armen.

Stromabschaltungen, Unsicherheit auf den Straßen, Unterversorgung an Nahrungsmitteln und eine Auswanderung der jungen und ausgebildeten Arbeitskräfte – zusammen mit der weltweit höchsten Inflation sind dies Zeichen für eine Verschlimmerung der Situation, die eine Nation erlebt, die seit fast zwei Jahrzehnten in einem Populismus gefangen ist, der sie in wirtschaftlicher Hinsicht ausgebeutet und die Gesellschaft polarisiert hat.

Korruption, Misswirtschaft und etliche Nachbarländer, die sich eher wie Ausbeuter als wie Verbündete verhielten, haben Venezuela in weniger als zwanzig Jahren zugrunde gerichtet. Nur wenige sind noch so dreist und unterstützen öffentlich das wahnsinnige Regime, das sich im Miraflores-Palast in Caracas niedergelassen hat und das die Nation bis kurz vor den Zusammenbruch gebracht hat. Sogar die alten Weggefährten, wie die spanische Partei Podemos oder Pepe Mujica, der ehemalige Präsident Uruguays, haben sich von Maduro distanziert.

Nur wenige sind noch so dreist und unterstützen öffentlich das wahnsinnige Regime, das sich im Miraflores-Palast in Caracas niedergelassen hat und das die Nation bis kurz vor den Zusammenbruch gebracht hat.

Ein Mitglied von Podemos, an deren Spitze Pablo Iglesias steht, hat die verbalen Angriffe des venezolanischen Präsidenten auf Spanien kritisiert, während der uruguayische Politiker den Nachfolger von Hugo Chávez als „total verrückt“ eingestuft hat. Andere, wie Raúl Castro, bewahren komplizenhaftes Stillschweigen, während sie heimlich die Fäden zur Unterstützung der venezolanischen Armee spinnen. Nicht umsonst ist Evo Morales, der Präsident von Bolivien, nach Havanna geeilt, um Anweisungen zu erhalten, wie er sich gegenüber dem taumelnden Genossen verhalten sollte.

Jedoch ist wohl das Ende des Chavismus und des „Madurismus“, als seine schlechte Kopie, in Sicht. Seine motorisierten Anhänger können der Bevölkerung Angst einflößen und der Nationale Wahlrat kann beliebig lange die Überprüfung der Unterschriften für eine Volksabstimmung über die Amtsenthebung hinauszögern, aber das alles wird Maduro nicht die Popularität zurückgeben, die er zu jenen Zeiten genoss, als ein Militärputschist Millionen mit seiner revolutionären Rhetorik begeisterte, in die er Anekdoten und Lieder einfließen ließ.

Nicolás Maduro geht unter und er reißt eine ganze Nation mit sich. Bei diesem Fall in die Abgründe, der eine gewaltsame Explosion, einen Militärputsch oder andere Dämonen nach sich zieht, hat er nicht einmal die Größe gezeigt, die Interessen von Venezuela an erste Stelle zu setzen und nicht seine Parteientreue und seine ideologische Anschauung. Die Geschichte wird ihn in ein schlechtes Licht rücken und er verdient es. Er hat aus Launen heraus und mit Ausgrenzung regiert, und letzten Endes landet sein Name auf dieser bedauerlichen Liste von Machthabern, Tyrannen und autoritären Staatsoberhäuptern, die unseren Kontinent malträtiert haben.

Übersetzung: Eva-Maria Böhm