Wie macht man eine gute Zeitung?

Imagen1

Die Zeitung der Zukunft

7 Experten 16 Entscheidungen 1 Kommentar

In Zeiten, in denen es die großen Nachrichtenmedien kaum schaffen aus der Krise herauszukommen, stellen sich viele folgende Frage: Wie macht man eine gute Zeitung? Nicht nur die Auswahl des Inhalts stellt hierbei eine Herausforderung dar, sondern auch die Frage der Rentabilität und das ewige Dilemma zwischen digitalem und gedrucktem Format. Denn ein sicheres Erfolgsrezept gibt es nicht. Kleine Webseiten entwickeln sich in kürzester Zeit zu einer festen Informationsquelle, während so mancher “Nachrichtenriese” in die roten Zahlen abstürzt und an Lesern verliert. Niemand kann mit Sicherheit sagen wie die Zukunft der Presse aussehen wird.

An technologische Sprünge und schnell voranschreitende Veränderungen gewöhnt, werden wir in Kuba wohl von der staatlichen Presse, dem Monopol der Einheitspartei, zu einer Vielzahl von Medien gelangen, die sich darum bemühen werden, das Ruder zu übernehmen. An dem Tag, an dem private Zeitungen legalisiert werden, wird man zahlreiche Publikationen – die heute noch heimlich verbreitet werden – frei lesen und sogar am Kiosk an der Ecke kaufen können. Auch wenn es noch ein Weilchen dauern kann bis dieser Tag kommt, lohnt es sich sicherlich, sich schon einmal darauf vorzubereiten.

Wenn ich mich für nur eine für die Presse unabdingbare Eigenschaft entscheiden müsste, würde ich die Interaktion mit den Lesern wählen. Die enge Beziehung zwischen dem Verfasser einer Nachricht und ihrem Empfänger ist für eine Zeitung überlebenswichtig, um den Ansprüchen der heutigen Zeit und der Objektivität gerecht werden zu können. Genau in diesen Tagen, in denen wir in Havanna einem neuen digitalen Medium den letzen Schliff verpassen, würden uns eure Meinungen sehr helfen. Ohne euch, würde man bloß ein weiteres, nur mit sich selbst sprechendes, kurzlebiges und unwesentliches Medium auf die Beine stellen.

Um also zum eigentlichen Thema zurückzukommen frage ich nun euch: Wie macht man eine gute Zeitung? Welche Themen sollten behandelt werden? In welche Ressorts sollte sie aufgeteilt sein? Wie kann man euch am Besten in den Erarbeitungsprozess mit einbeziehen? Auf welche Journalisten sollte man dabei setzen? Gibt es irgendein Beispiel dem man folgen sollte? Und nun die wichtigste Frage von allen: Ist es bei den aktuellen Bedingungen in Kuba überhaupt möglich einen qualitativ hochwertigen Journalismus zu betreiben?

Die Antworten auf diese Fragen könnt ihr entweder auf der spanischen Seite des Blogs als Kommentar oder als Nachricht unter dem Punkt “Contacto” hinterlassen oder im Diskussionsmodul Dontknow veröffentlichen. Schon einmal vielen Dank für eure Mitarbeit an diesem Projekt.

Übersetzung: Anja Seelmann

 

Advertisements

Alamar und der Hip-Hop

Lasst uns nach Alamar gehen! sagte meine Mutter zu uns, und so machten wir uns auf den Weg in das so genannte „Sibirien“ um Verwandte zu besuchen, die dort lebten. Wir kamen in eine Gegend mit hässlichen Rohbauten; wahllos, planlos und ungeordnet auf dem Gelände verstreut. Wir spielten mit anderen Kindern zwischen diesen Betonkästen im hohen Gras, das um sie herum wuchs. Es roch nach Meer, aber auch nach Langeweile. Es sollte die Stadt des „neuen Menschen“ werden, aber sie wurde zu einem gescheiterten architektonischen Experiment.

Doch trotz seiner urbanen Minderwertigkeit wurde Alamar zur Brutstätte einer lebendigen und rebellischen Musikrichtung: des Hip-Hop. In seinem Amphitheater wurden einige der denkwürdigsten alternativen Konzerte gegeben, an die man sich auf dieser Insel erinnert. Harte Lieder, mit Worten des alltäglichen Lebens und mit der Poesie der Straße. Duelle zwischen Kontrahenten, bei denen sie, anstatt mit Waffen oder Schlägen aufeinander loszugehen, sich Worte und Reime entgegen schleuderten. Wie kam es dazu, dass die Bühne jener „Bürger des Versuchslabors“ schließlich zum Unterschlupf für diese rebellischen Songtexte geworden ist? Was ist aus den siegreichen Hymnen geworden, die solch ätzende Verse um das Überleben angestimmt haben?

Was war geschehen: die Realität hatte sich aufgedrängt. Alamar gehörte zu den Stadtteilen in Havanna, die am meisten von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten während der „Sonderperiode“ betroffen waren. Ich sah, wie Tausende von Einwohnern während der Balsero-Krise 1994 flohen; und ich litt unter den andauernden Stromausfällen, die Einbrüche und andere Gewaltakte mit sich brachten. Russische Fachkräfte verließen das Land; die so genannten Okupas besetzten leer stehende Häuser, und chilenische Exilanten – die dort lebten – kehrten in der Mehrzahl zurück in ihr Land.

Dann kamen die Einwanderer aus den östlichen Provinzen, illegale Baustellen breiteten sich überall aus, und die Polizei erklärte diese Schlafstadt zu einer „Gefahrenzone“. Diese „menschlichen Lagerhäuser“ – konzipiert für eine disziplinierte Mittelschicht – zeigten, dass nur selten die gewünschten Ergebnisse herauskommen, wenn man mit sozialer Alchemie spielt.

Inmitten von grauem Beton, der winzigen Zimmer und der Langeweile, wurde der Hip-Hop zum Soundtrack des Alltags. Alamar hat seinen eigenen Rhythmus erschaffen. Ein Rhythmus im Kopf, wie der, den die Brandungswellen auf die Klippen an der Küste schlagen. Wie bei Männern, die mit Pickeln den Boden aufhacken, um darauf ein Fundament für die Zukunft zu gründen – für eine kleinkarierte, willfährige Zukunft, die niemals kam.

Übersetzung: Valentina Dudinov, Dieter Schubert

Gewalt und öffentlicher Diskurs

convivencia_aniversario6

Plakat zum 6. Jubiläum des Magazins Conviviencia

An der Ecke verpasst eine Frau einem Kind, das ihr Sohn zu sein scheint, eine Tracht Prügel. Die vorbeigehenden Fußgänger mischen sich nicht ein. Hundert Meter weiter vorne kommt es zwischen zwei Männern zu einer Rauferei, weil einer dem anderen auf die Schuhe getreten ist. Noch beim nach Hause gehen denke ich über diese latente Aggressivität nach, die man auf der Straße spürt. Um mich von so viel Gereiztheit zu befreien, lese ich die neuste Ausgabe des Magazins Conviviencia (Zusammenleben), das nunmehr sechs Jahre seit seiner Gründung besteht. Darin stoße ich auf einen Artikel von Miriam Celaya, die zufällig jene „gefährliche Spirale“ aus Schlägen, Schreien und Wut anschneidet, die uns umgibt.

Unter dem Titel “Skizzen zum anthropologischen Ursprung der Gewalt in Kuba”, wühlt sich die bissige Analystin durch die historische und kulturelle Vorgeschichte dieses Phänomens. Unser eigener nationaler Weg – geprägt von“Blut und Feuer“– ist nicht sehr hilfreich, wenn es darum geht, Haltungen wie den Pazifismus, die Eintracht und die Versöhnung zu fördern. Angefangen bei den Gräueln der Sklaverei während der Kolonialbesetzung, über die Unabhängigkeitskriege mit Macheten-Attacken und überheblichen Anführern, bis hin zu den gewalttätigen Vorkommnissen, die auch die Ära der Republik kennzeichneten. Eine lange Liste aus Wut, Schlägen, Waffen und Beleidigungen formten unseren eigentümlichen Charakter und werden meisterhaft von der Journalistin in ihrem Text aufgeführt.

Eine gesonderte Erwähnung widmet sie der im Januar 1959 beginnenden Entwicklung des Klassenhasses, sowie der Unterdrückung von abweichenden Anschauungen; alles fundamentale Pfeiler im politischen Diskurs. Die Mehrheit aller Gedenktage der Regierung bezieht sich von daher noch heute auf Schlachten, kriegerische Auseinandersetzungen und Tod, oder auf „eklatante Niederlagen“, die dem Gegner zugefügt wurden. Der Kult des Zorns geht so weit, dass sich die Amtssprache selbst schon nicht mehr bewusst ist, welchen Groll sie entfacht und überträgt.

Aber Vorsicht! Ist der Hass erst einmal gesät, kann man ihn nicht mehr „fernsteuern“. Schürt man Groll gegen ein anderes Land, endet das damit, dass die Abneigung gegen den Nachbarn, dessen Wand an unser Haus grenzt, ebenso zunimmt. Wer wie wir in einer Gesellschaft aufgewachsen ist, in der Repressionshandlungen als „legitime Verteidigung des revolutionären Volks“ gerechtfertigt werden, mag denken, Schlagen und Schreien wären Umgangsformen, auf die man zurückgreift, um sich mit Dingen auseinander zu setzen, die man nicht versteht. In diesem Umfeld von Gewalt setzen wir Harmonie mit Nachgiebigkeit gleich, und ein friedliches Zusammenleben mit einer Falle, in die uns „der Feind“ tappen lassen möchte.

Übersetzung: Nina Beyerlein

Das Gesetz über ausländische Investitionen – Kann man über seinen eigenen Schatten springen?

ley_inversion_extranjera

Ein Mann mit Bart und einem schäbigen Hemd liest die Zeitung in einem Hauseingang in der Reina-Straße.  „Diese Leute erfinden gerade das Rad neu…”, hört man ihn sagen. Die Tageszeitung in seinen Händen enthält eine Beilage zum neuen „Gesetz über ausländische Investitionen“, das die Nationalversammlung kürzlich verabschiedet hat. Es wurde mit Einstimmigkeit angenommen. Die fragwürdige Legislative ist an einen Punkt angekommen, wo die kubanische Wirtschaft dringend ausländisches Kapital benötigt.

Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage braucht man Investoren; trotzdem hat dies keine größere Flexibilität auf dem Gebiet der Arbeitsvermittlung bewirkt. Das jetzt verabschiedete Gesetz wird das Staatsmonopol auf dem Arbeitsmarkt aufrechterhalten. Nur im Rahmen dieser Körperschaft wird ein ausländischer Unternehmer Arbeiter einstellen können. Linientreue Leute werden von der Regierung weiterhin bevorzugt, wenn es darum geht einen Arbeitsplatz zu bekommen.

Die Regierung von Raúl Castro versichert sich so, dass Arbeitskräfte, die für ausländische Investoren arbeiten, weiterhin treu zur Regierung stehen. Wenn man wirtschaftliche Unabhängigkeit als eine unverzichtbare Voraussetzung für politische Unabhängigkeit betrachtet, dann versteht man den General-Präsidenten sehr gut, wenn er dafür sorgt, dass höhere Löhne in die Taschen derer gelangen, deren Linientreue erwiesen ist. Damit erkauft er weiterhin Loyalität mit Privilegien; ein Geschäft, so kennzeichnend für das kubanische Model.

Trotzdem gehen ideologische Treue und berufliche Fähigkeiten nicht immer Hand in Hand. Die neuen Firmen mit Auslandskapital werden sich in ihrem Engagement eingeschränkt sehen, wenn sie unter anderem nicht auf das bestmögliche „Humankapital“ zurückgreifen können. So gesehen ist es klar, dass das „Gesetz über ausländische Investitionen“ nicht über seinen eigenen Schatten springen kann. Es bleibt gekennzeichnet von der Angst, dass bestimmte Personen finanziell und politisch unabhängig vom Staat werden könnten.

 Übersetzung: Dieter Schubert

 

Der Dialog in Venezuela – aus kubanischer Sicht

diálogoentregobiernoyoposición10AFoto: http://runrun.es/economia/112438/la-mud-le-lavo-la-cara.html

Die Gespräche zwischen der venezolanischen Opposition und Nicolás Maduro sind in vollem Gange. Die Kritiker sind zahlreich, der Verlierer steht bereits fest: die kubanische Regierung. Für ein System, das länger als ein halbes Jahrhundert seine Dissidenten disqualifiziert und unterdrückt hat, muss dieser runde Tisch eine schmerzhafte Einsicht in die eigene Unfähigkeit bedeuten.

Wir, die verblüfften kubanischen Fernsehzuschauer, konnten am vergangenen Freitag eine Debatte zwischen einem Teil der oppositionellen Kräfte in Venezuela und Vertretern der Regierung verfolgen. Das kontroverse Treffen wurde vom Kanal TeleSur übertragen; ein Kanal, der für seine Tendenz bekannt ist, mit seiner Art der Berichterstattung den Chavismus zu unterstützen. Dennoch, bei diesem Anlass fühlte sich TeleSur verpflichtet, auch die Befürchtungen und Argumente der Gegenpartei live zu übertragen.

Die Bedingung, dass Kameras und Mikrofone bei dem Gespräch zugelassen sein müssten, hat sich als genialer politischer Schachzug von Maduros Gegnern erwiesen. Auf diese Weise bezog man die Zuschauer in das Gespräch mit ein; und es erwies sich als sehr schwierig, im Nachhinein eine verfälschte Darstellung zu verbreiten. Die Teilnehmer der beiden politischen Lager rechneten mit einem 10-minütigen Exposé pro Partei; eine Zusammenfassung, die der venezolanische Präsident natürlich nicht schaffen konnte.

Was den ständig falsch informierten Kubanern als erstes auffiel, war das hohe Niveau mit dem die Opposition am runden Tisch argumentierte. Zahlen, Statistiken und konkrete Beispiele wurden in einem respektvollen Rahmen vorgelegt. Am folgenden Tag hörte man in den Straßen von Havanna den populären Satz: „Sie haben den Fußboden mit Maduro gefegt“; es war der meist wiederholte Kommentar dazu. Eine deutliche Anspielung auf die erdrückende Kritik, mit der ihn seine Gegenspieler konfrontierten. Trotzdem, die Unterstützer der Regierung zeigten sich verzagt und ängstlich, aber sie antworteten mit Statements, die vor Slogans nur so wimmelten.

Bei jenen, die ihre politischen Gegner noch kurz vorher als “Faschisten“ oder “Feinde des Vaterlandes“ beschimpften, hat dieser Runde Tisch zweifelsohne einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Schon wird Venezuela nicht mehr dasselbe sein, obwohl die Verhandlungen morgen ohne greifbare Vereinbarungen zu Ende gehen, und Nicolás Maduro dann wieder ein Mikrofon ergreifen wird, um Beleidigungen nach rechts und links zu verteilen. Er hat eingewilligt, sich einer Diskussion zu stellen; und das markiert den Unterschied zwischen dem Weg, den die kubanische Regierung zurückgelegt hat und diesem anderen, der für die venezolanische Regierung gerade beginnt.

Und in Kuba? Ist hier so etwas möglich?

Während der Übertragung der Gesprächsrunde aus Venezuela fragten sich viele von uns, ob sich etwas Ähnliches auf unserer politischen Bühne ereignen könnte. Obgleich die offizielle Presse den Dialog als ein Zeichen der Stärke des Chavismus ansieht, hat sie auch hinreichend Abstand bewahrt; sodass wir uns hinsichtlich einer möglichen kubanischen Version keine Illusionen machen sollten.

Es wäre weniger wunderlich anzunehmen, dass Raúl Castro ein Flugzeug besteigt und aus dem Land verschwindet, als sich ihn in Gedanken an einem Tisch zusammen mit jenen vorzustellen, die er als “Konterrevolutionäre“ bezeichnet. Im Verlauf von mehr als fünf Jahrzehnten haben er, wie auch sein Bruder, sich der Verteufelung von Dissidenten gewidmet, von daher sehen sie sich jetzt daran gehindert, ein Gespräch mit ihren Kritikern zu akzeptieren. Die Gefahr, die die Unfähigkeit zu verhandeln mit sich bringt, lässt eigentlich nur den Weg für einen Umsturz offen – mit Chaos und Gewalt als Folge.

Trotzdem, nicht nur die Führungsebene des kubanischen Regimes zeigt sich widerspenstig in Hinsicht auf jede Art von Verhandlungen. Auch der größte der Teil der Opposition der Insel will nichts von diesem Thema hören, noch darüber sprechen. Im Hinblick auf diese zweifache Ablehnung wird der Zeitplan für ein eher trügerisches Treffen keine Gestalt annehmen. Den Oppositionsparteien gelingt es nicht, sich auf ein Projekt für das Land zu einigen; eines, das sich konsequent in Verhandlungen als eine praktikable Alternative durchsetzen ließe. Wir, die Bürger einer entstehenden Zivilgesellschaft, haben Gründe, uns dadurch verunsichert zu fühlen. Die Politiker, die heute in der Illegalität operieren… sind sie bereit, diese Debatte zu unterstützen? Und sind sie fähig, die Zuhörer zu überzeugen? Werden sie uns würdig vertreten, wenn der Augenblick gekommen ist?

Die Antwort auf diese Frage wird man erst dann kennen, wenn die Gelegenheit gekommen ist. Bis jetzt haben sich die kubanischen Dissidenten eher auf einen Sturz des Systems konzentriert, als darauf, Strategien für einen Neuanfang zu erarbeiten; den größten Teil ihrer Energie haben sie auf den Widerstand gegen die Regierungspartei verwendet und nicht zur Überzeugung von möglichen regierungsfreundlichen Anhängern in der Bevölkerung. Angesichts ihrer begrenzten Möglichkeiten Programme zu verbreiten und so vieler materieller Einschränkungen, ist es diesen Gruppen nicht gelungen, ihre Botschaft einer hinreichend großen Zahl von Kubanern näher zu bringen. Es ist nicht ihre alleinige Verantwortung, aber sie müssen sich im Klaren sein, dass solche Mängel sie behindern.

Wenn schon morgen ein runder Tisch für Gespräche zur Verfügung stünde, wäre es dennoch wenig wahrscheinlich, dass wir von unserer Opposition so gut formulierte Reden hören würden, wie sie ihre Kollegen in Venezuela vortrugen. Dennoch, wenn sich Verhandlungen heute noch nicht als Möglichkeit abzeichnen, so sollte dies niemanden davon abhalten, sich darauf vorzubereiten. Kuba benötigt vor diesen möglichen Mikrofonen jene Wortführer, die die Interessen der Nation, ihre Sorgen und Träume, am besten vertreten. Sie könnten für uns Bürger sprechen, aber sie mögen dies bitte in Zusammenarbeit tun, ohne verbale Gewalt und mit Argumenten, die uns überzeugen.

 Übersetzung: Dieter Schubert

5 für Kuba unverzichtbare iOS Apps

guayaba

 

Guayaba Mac

Wo wird wohl der erste Apple Store in Havanna sein? Diese Frage stelle ich mir hin und wieder, wenn ich meinen Zukunftsträumereien freien Lauf lasse. Ich stelle ihn mir an der Ecke Galiano y Reina vor, diese Bögen könnten den Riesenapfel nur zu gut stemmen. Obwohl es wohl noch etwas dauern wird bis wir Steve Jobs „Früchtchen“ in Kuba legal in einem Schaufenster bewundern können werden, sind diese hochtechnologischen und auf gutes Design bedachten Produkte schon im Lande eingetroffen. Dank des Schwarzmarkts, der Solidarität so vieler Reisender und des Hungers nach allem was neu und modern ist, gehören das iPad oder das MacBook Pro immer mehr zu unserem Alltag.

Der Gefallen, den wir an iPhones gefunden haben, fördert die Entstehung eines wahrhaften Handels mit Applikationen. Programme mit verschiedenen Funktionen, wie Spiele, Landkarten, Wörterbücher und audiovisuelle Medien, sind bei unzähligen Privathändlern auf der ganzen Insel erhältlich. Die Fachmänner in diesem Handwerk sind sehr jung und bieten auch das Entsperren von Smartphones, Jailbreak, das Auswechseln kaputter Bildschirme, Säuberung des Einschaltknopfs und ein breites Sortiment an Ladekabeln an. Da ist für jeden Geschmack und Gelbeutel etwas dabei.

Hier kommt eine Liste der fünf für Kubaner unverzichtbaren iOS Apps. Werkzeuge, mit denen wir die Zensur umgehen, Alltagsprobleme lösen oder uns einfach nur ein bisschen vergnügen können.

  •  OffMaps2: Eine hervorragende Applikation mit Karten diverser kubanischer Provinzen und der Möglichkeit auf diese auch ohne Internetverbindung zuzugreifen. Ihre Straßennachbildungen sind ziemlich wirklichkeitsgetreu, mit dem Zusatz, dass man Sehenswürdigkeiten und andere Orte von Interesse in der Umgebung ausfindig machen kann. Die Lokalisierung funktioniert in diesem Fall nicht via Satellit, sondern durch Triangulation der Telefonantennen. Dadurch ist sie zwar nicht ganz so präzise, aber man verliert sich zumindest nicht mehr in Städten und Dörfern, die man zum ersten Mal besucht.
  • Minipedia: Eine Offline-Version der berühmten interaktiven Enzyklopädie Wikipedia. Der Vorteil dieser Applikation ist, dass dazu kein Jailbreak nötig ist., Eine, wenn auch ohne Bilder, relativ aktuelle Version der spanischen Datenbank XL ist erhältlich. Weitere Apps unter anderem Wiki Spanisch und die Wikipedia-Funktion innerhalb des Navigators Safari, machen Minipedia Konkurrenz, obgleich Safari nur auf Mobiltelefonen funktioniert, die einem Jailbreak unterzogen wurden.
  • Messy SMS: Dies ist die perfekte Applikation für diejenigen, die Freunden eine SMS schicken wollen ohne von der Telefongesellschaft ausspioniert zu werden. Man muss nur ein Passwort mit dem Empfänger vereinbaren und schon können die zu versendenden Texte ver- und entschlüsselt werden. Lustig, einfach und notwendig in der heutigen Zeit, in der mehr als nur ein indiskreter Blick auf unseren Privatnachrichten ruht. 
  • WordLens: Eine praktische Funktion, die Fotolinse und Übersetzer für verschiedene Sprachen in einem ist. Sie ermöglicht die direkte Übersetzung von Plakaten und Texten, die sich in Reichweite der Linse unseres Telefons befinden. Obwohl das Ergebnis eine Wort-für-Wort-Übersetzung ohne jegliche literarische und metaphorische Kniffe ist, kann sie uns, wenn wir es mal eilig haben und einen Text nicht entziffern können, aus der Patsche helfen. 
  • PhotoStudio: Diese App ist dann nützlich, wenn man seine Bilder mit nur ein paar Handgriffen bearbeiten möchte. Sie enthält Filter, eine Zuschneidefunktion und man kann mit ihrer Hilfe die Bildgröße verändern und sogar Text hinzufügen. Nach der Bearbeitung kann das Bild gespeichert, exportiert oder bei Internetzugang auf eines der sozialen Netzwerke hochgeladen werden.

Ich hoffe diese Apfelspalten ebnen den Weg zu einer nahen Zukunft hin, in der Apple –ohne Einschränkungen- in unser Leben Einzug halten wird.

Übersetzung: Katrin Vallet

 

 

 

Verbringe den Tag mit gesundem Frohsinn

cumple_blog_7

Als ich sieben Jahre alt war, war mein Lächeln unvollständig. Ich verlor gerade meine Milchzähne und außerdem las ich jedes Plakat das meinen Weg kreuzte. Es waren Zeiten des Lernens und der vom Spielen aufgeschürften Knie. Heute blase ich wieder die gleiche Anzahl an Kerzen auf einer imaginären Torte aus. Dieses Mal nicht für mich, sondern für das virtuelle Wesen, das am 9. April 2007 das Licht der Welt erblickte und das in diesen Jahren auch das Zahnen, Fieberanfälle, Gelächter und Ausrutscher durchlebt hat.

Generación Y hat Geburtstag, mit fast 1000 veröffentlichten Posts, beinahe 1,5 Millionen Kommertaren und vielen verloren gegangenen, aber auch dazugewonnenen Freunden.

In dieser Zeit hatte ich kein einziges Mal mit einer Schreibblockade zu kämpfen. Ich habe viel eher das Gefühl, dass weder die Zeit noch die Zugänglichkeit zum Internet ausgereicht haben um all die Wirklichkeiten zu erzählen, die Kuba vor meinen Augen enthüllte. Der Blog führt längst ein Eigenleben. Er atmet durch seine Leser und existiert bereits auf einer parallelen Ebene, auf der ich ihn längst nicht mehr erreichen, verstecken oder schützen kann. Er hat die Hürden der anfänglichen Unsicherheit, der staatlichen Verteufelung, des Misstrauens so vieler, der technologischen Schwierigkeiten und selbst die meines Selbsterhaltungstriebs, der mich mehr als nur einmal zum Aufgeben bewegen wollte, überwunden. Und hier ist er nun mit seinen Schrammen und seiner Erfahrung die er in den letzten sieben Jahren gesammelt hat.

Schon bald wird ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Generación Y „bezieht” sein neues Heim innerhalb eines Mediums des digitalen, kollektiven und modernen Journalismus. Das nächste Mal wird es eine Torte mit neuen Gesichtern geben. Blasen wir die Kerzen jetzt schon einmal für sie mit aus!

 Übersetzung: Anja Seelmann