Wo ist die FEU, während die Polizei die Kongolesen schlägt?

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Am Montag drang die Polizei in den Campus der Medizinischen Fakultät Salvador Allende in Havana ein. (Facebook)

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YOANI SÁNCHEZ | GENERACIÓN Y | 9.April 2019

Seit Jahrzehnten zeigt die offizielle kubanische Presse ausführlich die polizeiliche Gewalt gegen Studentendemonstrationen auf der ganzen Welt. So haben wir gesehen, wie die Bereitschaftspolizei mit Tränengas, Schlagstöcken und Gummigeschossen auf Studenten in zahlreichen Ländern losgegangen ist. Aber an dem Tag, als dieses Ereignis in Kuba geschah, haben die nationalen Medien nichts ausgestrahlt.

An diesem Montag griff ein beeindruckendes, repressives Einsatzkommando Dutzende kongolesischer Studenten der medizinischen Fakultät Salvador Allende in Havanna an. Die Jugendlichen protestierten seit Tagen gegen die Nichtzahlung ihrer Stipendien und die schlechten Bedingungen in den Unterkünften. Die Situation erreichte ihren Höhepunkt, als sie den Protest vor der Botschaft ihres Landes auf den Universitätscampus verlagerten.

Die Bilder sind überwältigend. Eine große Anzahl von Militär- und Polizeifahrzeugen kommt an die Hochschule. Die Uniformierten fallen – von Hunden begleitet – über die unbewaffneten Jugendlichen her.

Die Bilder sind überwältigend. Eine große Anzahl von Militär- und Polizeifahrzeugen kommt an die Hochschule. Die Uniformierten fallen – von Hunden begleitet – über die unbewaffneten Jugendlichen her. Ein Polizist zieht seine Waffe und richtet sie auf einen Studenten, während spezielle Truppen andere Studenten bewegungsunfähig machen und auf den Boden werfen. All dies, inmitten von Schreien der Entrüstung und der Forderungen nach Gewaltlosigkeit, die von mehreren Studenten, die die Ereignisse filmen, erhoben werden.

Die Anwohner berichten auch über die Grausamkeit der offiziellen Aktion und einige, die ihre Handys benutzten, um die Ereignisse festzuhalten, wurden sogar verhaftet und auf die Wache gebracht. Dort wurden alle Bilder gelöscht, die sie auf ihren Handys gespeichert hatten.

Trotz der Absicht, Beweise zu beseitigen, waren die Videos der Repression innerhalb weniger Stunden in sozialen Netzwerken verfügbar und die Nachricht erschien auf der Titelseite vieler internationaler Zeitungen.

Neue Bilder der gewaltsamen Unterdrückung von Studenten aus dem Kongo durch die kubanische Polizei kommen ans Licht. Stipendiaten protestieren gegen zweijährige Verzögerung ihrer Gelder.

Die unverhältnismäßige Operation hat zwar bei vielen Empörung hervorgerufen, aber sie hat nicht zu einer einzigen Verurteilung durch die gefügige Föderation der Universitätsstudenten (FEU), durch den kommunistischen Jugendverbandes (UJC) oder durch die Kontinentalorganisation Lateinamerikanischer und Kubanischer Studenten (OCLAE) ohne Stimme und Stimmrecht geführt. In keiner einzigen Fakultät im Land protestierten die Studenten am Dienstag aus Solidarität mit den kongolesischen Kommilitonen.

Es mag den Anschein haben, dass alles in einem anderen Land, in einer fernen und fremden Galaxie passiert sei, aber die nationale Geschichte konfrontiert uns mit der Realität, dass der Schauplatz der Ereignisse tatsächlich Kuba ist und alles schon einmal geschehen ist.

Während der Diktatur von Fulgencio Batista fielen der Polizeichef Rafael Salas Cañizares und seine Truppen in die Universität von Havanna ein, um dort Schläge zu verteilen und Angst zu verbreiten.

Während der Diktatur von Fulgencio Batista drangen der Polizeichef Rafael Salas Cañizares und seine Truppen in die Universität ein, um dort Schläge zu verteilen und Angst zu verbreiten. Jener Tag im April 1956 galt als Affront gegen die Autonomie der Universitäten und brannte sich in das historische Gedächtnis dieser Insel als eine Tatsache ein, die sich nie mehr so wiederholen sollte. Dieses Ereignis wird in den Lehrbüchern, die nach 1959 geschrieben wurden, als deutlicher Beweis für den repressiven Charakter des Batista-Regimes und die schwache Demokratie der republikanischen Zeit erwähnt.

An diesem Montag betraten bewaffnete Männer wieder einen Universitätscampus. Zahlreiche Studenten wurden gefesselt, geschlagen und verhaftet, aber die Bilder werden nicht in den nationalen Medien zu sehen sein, noch werden Studentenorganisationen diese Tatsache verurteilen.

Übersetzung: Berte Fleißig


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López Obrador und die historische Schuld

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López Obrador hat zwei gleichlautende Briefe an den Papst und die spanische Regierung geschickt. (Captura)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana| 28. März 2019

Bis jetzt schien Andrés Manuel López Obrador jemand zu sein, der bei Millionen von Mexikanern im Focus von Sorge oder Hoffnung stand. Ausgenommen sein zögerliches Handeln im Umgang mit dem Regime von Nicolás Maduro, hat der Präsident Mexikos Kritik und Zustimmung nur innerhalb der Grenzen seines Landes erfahren, wo er Tag für Tag zahllose politische und wirtschaftliche Kämpfe ausficht. So war es, bis er auf die Idee kam, das Phantom „Historische Schuld“ auf zwei Kontinenten wiederzubeleben.

In einem Brief hat AMLO − wie man ihn volkstümlich in Mexiko nennt − sowohl Papst Franziskus wie auch den spanischen König ersucht, eine gemeinsame Kommission ins Leben zu rufen, um die Eroberung Amerikas zu untersuchen, und um für die begangenen Exzesse um Verzeihung zu bitten. Dieses Schreiben hat einige zustimmende Reaktionen ausgelöst, auch verärgerte, viele gleichgültige und wohlklingende Scherze; alles nährte die festgelegten Meinungen in den sozialen Medien. In kurzer Zeit stand der mexikanische Politiker im Zentrum eines Schwalls von Kommentaren, die den Atlantik in beiden Richtungen überquerten.

Die beiden spanischen Nachnamen vom AMLO werden ihm bei seiner Forderung nach einer Entschuldigung nicht viel helfen, weil sie ihn als das Ergebnis eines langen kulturellen Prozesses ausweisen, bei dem der  unterschiedliche Status von Eroberten und Eroberern tonangebend war. AMLOs pure Existenz zeigt ihn als das Ergebnis eines langen kulturellen Prozesses mit Konfrontation, Integration, Symbiose, Rassenmischung und Anpassung, in dem sich die Grenzen verwischen. Schuldige zu suchen ist ein Unterfangen, das eher in den Bereich der Neurosen gehört, als in den von Objektivität. Aber Demagogen müssen von etwas leben und die bequemste Vorgehensweise besteht darin, die Last der Verantwortung auf andere zu übertragen.

AMLOs pure Existenz zeigt ihn als das Ergebnis eines langen kulturellen Prozesses mit Konfrontation, Integration, Symbiose, Rassenmischung und Anpassung, in dem sich die Grenzen verwischen. Schuldige zu suchen ist ein Unterfangen, das eher in den Bereich der Neurosen gehört, als in den von Objektivität.

López Obrador weiß nicht was er tut. Solange er glaubte, dass er auf diesem Weg bis zu einer offiziellen Entschuldigung weitergehen sollte − den er mit Beginn seines Mandats beschritt, in dem es schon mehrere blutige Vorkommnisse gab − bemerkte er nicht, dass er sich damit auf ein Gebiet wagte, für das er nicht zuständig ist: die ferne mexikanische Vergangenheit. Weil er versucht hat, Rendite aus einer vermutlich politisch motovierten Demutsgeste zu ziehen, wenn er als Mächtiger vor dem wehrlosen Opfer einen Kniefall macht, ist er dem spanischen Stier auf den Schwanz getreten und hat Millionen Bürger in diesem Teil der Welt verärgert, in deren Adern spanisches und amerikanisches Blut fließt.

Man muss sich fragen, was AMLO dazu brachte diese Briefe zu schreiben, die er an den Vatikan und den Zarzuela-Palast schickte, in denen er eine historisch gesehen unmögliche Wiedergutmachung verlangte. War es die Suche nach Wahrheit, war es Ignoranz, oder der Wunsch, die Aufmerksamkeit von mexikanischen Problemen abzulenken, oder war es sein Ego, das ihn „höhere Gipfel“ besteigen und universelle Herausforderungen angehen ließ? Wie auch immer; er verliert gerade eine Schlacht, weil er mit seinem „wir sind so, weil man uns Schaden zugefügt hat“ auf der Straße der Verlierer ist. Er lehnt den anderen Weg ab, den des „wir leben von der Vielfalt, denn in unserer Kultur kommen viele Strömungen zusammen: das macht uns stark“.

Wenn AMLO den Weg „Schuld“ weiter verfolgen will, sollte er anfangen ein Plädoyer vorzubereiten und mehr Verantwortung einfordern: von den Azteken für die Herrschaft und Kontrolle über ausgedehnte Gebiete in Mittelamerika, von den Römern, die mit dem Vordringen ihrer unerbittlichen Legionen das Gesicht Europas prägten und von den Hunnen, die Angst und Schrecken verbreiteten, unter den Hufen ihrer Pferde. Aber das wird López Obrador sicher nicht tun, weil Verantwortung verteilen nicht der eigentliche Zweck seines Handelns ist, sondern die Förderung populistischer Strömungen. López Obrador sucht keine Schuldigen; stattdessen geht es ihm um die Verdienste eines Retters.

         Übersetzung: Dieter Schubert


Diese Kolumne wurde ursprünglich in der lateinamerikanischen Ausgabe der Deutschen Welle publiziert.
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Warum der Schulstreik zum Klimawandel nicht nach Kuba gelangt ist

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Eine junge Frau schreit ihre Parolen durch ein Megaphon während eine Marsches für die Umwelt in Santiago de Chile. (EFE)

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YOANI SÁNCHEZ |La Habana | 16. März 2019

Greta Thunberg, 16 Jahre alt, ist schweigsam und schüchtern. Die schwedische Jugendliche gleicht jeder kubanischen dieses Alters, die verstanden hat, dass die Welt kein gepflegter und sauberer Ort ist, wie ihn Kindergeschichten beschreiben. Ihre Sorge um den Klimawandel brachte sie dazu, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um von den Politikern wirksame Maßnahmen zu fordern, die die Umwelt schützen. Ihre Einstellung hat sich auf die Schüler verschiedener europäischer Städte ausgeweitet, den Atlantik überquert und sogar Tausende von Lateinamerikanern angesteckt. Dennoch hat sich bis jetzt in Kuba kein Schüler der Grundschule, des Gymnasiums, kein Kollegiat oder Student dieser Initiative angeschlossen.

Die Tatsache, dass sich vergangenen Freitag die Straßen von Havanna oder anderer Städte der Insel nicht mit jungen Gesichtern füllten, die forderten, die Emissionen von Kohlendioxid zu reduzieren oder politische Sofortmaßnahmen zur Rettung des Planeten einzuführen, bedeutet absolut nicht, dass die kubanischen Kinder und Jugendlichen nicht über diese Themen nachdenken. Es zeigt vielmehr, dass es ihnen an Autonomie und an Rechten fehlt, um ihre Nichtübereinstimmung zu äußern. Die Mehrheit ist auch nicht apathisch und unsensibel gegenüber umweltpolitischen Fragen, wie oft die Erwachsenen glauben machen wollen, mit dem unheilvollen Satz: “Die Jungend ist verloren“. Schweden ist auch nicht so weit entfernt, dass man die Welle des Aktivismus nicht kennen würde, die Thunberg ins Rollen gebracht hat.

Warum sind die kubanischen Jugendlichen nicht denen aus Ecuador gefolgt, aus Brasilien, Mexiko und Chile? Die Antwort ist nicht Gleichgültigkeit, sondern Furcht.

Mithilfe der sozialen Netzwerke, des Zugangs zum Internet übers Handy und durch Gespräche unter Freunden ist es einfach, die Geschichte des Mädchens zu finden, die sich über Wochen allein auf einen Platz von Stockholm stellte, bis sie es schließlich erreichte, Tausende von Menschen auf der ganzen Welt zu inspirieren. In diesem Fall kann mangelnde Information und Unkenntnis als Rechtfertigungsgrund nicht dienen. Ebenso wenig nutzt hier das Argument, dass wir in Kuba nicht die schwerwiegenden Umweltprobleme der Industriestaaten hätten, wie es die offizielle Presse immer wieder gerne behauptet. Es genügt, die hohe Rauchsäule zu sehen, die jeden Morgen von der Raffinerie Nico Lopez in Havanna aufsteigt, um den Ernst der Lage zu begreifen. Jenseits der riesigen lokalen Emissionen oder der lokal beschränkten Verschmutzung eines Gebietes versuchen die von Thunberg initiierten Proteste auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass es sich um ein globales Problem handelt, das uns alle herausfordert. Warum also sind die kubanischen Jugendlichen nicht denen aus Ecuador, Brasilien, Mexiko, Chile und Argentinien gefolgt, die sich ihrem Aufruf anschlossen? Die Antwort ist nicht Gleichgültigkeit, sondern Furcht.

Keine der Strukturen, die die Schüler und Jugendlichen auf dieser Insel umgeben, ist darauf zugeschnitten, auf eigene Verantwortung zu handeln. Die Organisation der Pioniere José Martí, die Schülervereinigung der Gymnasien und die Studentenvereinigung der Universitäten sind Treibriemen der Macht zur Einbindung der neuen Generationen und nicht Plattformen für Interessenvertretungen, Beanstandungen und Ausüben von Druck auf die Autoritäten. Wenn der Platz der Revolution es nicht befiehlt auf die Straße zu gehen, dann tun sie es nicht. Traurigerweise gilt diese „Ausrichtung“ nur für Ziele des ideologischen Umfeldes, wie gegen das Weiße Haus zu protestieren, die Freilassung eines Spions zu verlangen oder an der Verunglimpfung von Dissidenten teilzunehmen.

Solche Unternehmungen sind dafür gedacht, die Stimme von jungen Leuten zum Schweigen zu bringen, statt sie zu verstärken. Das erklärt, warum das Beispiel von Greta Thunberg in Kuba auf Schweigen gestoßen ist.

        Übersetzung: Iris Wißmüller


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Maria und der Mangel an Speiseöl

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Die Warteschlange vor einem Laden in Camagüey, um Speiseöl zu kaufen. (Inalkis Rodríguez)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 6. März 2019

Heute, wo uns so viele Situationen an die schwierigen neunziger Jahre erinnern, kehren auch Geschichten über die Ersatzstoffe zurück, die damals Eingang in die Küche und in die Mahlzeiten fanden. Leute auf der Straße erinnern sich, wie sie es schafften, ein kleines Brot in unzählige Scheiben zu schneiden, um es im Tagesverlauf zu essen; wie sie Reis mit Pillen eines Nahrungsergänzungsmittels gelb färbten und Bananenschalen in ein falsches Haschee verwandelten.

Maria ist 43 Jahre alt; sie erinnert sich noch gut an die Zeit, als die kubanische Wirtschaft am Boden lag. Zunächst war es Treibstoff, dann Autobusse und schließlich fehlte Speiseöl. „Meine Schwester arbeitete in einem pharmazeutischen Labor“, sagt Maria, „und deshalb durfte sie Paraffinöl mit nach Hause nehmen; das Produkt wurde bei der Herstellung von bestimmten Arzneimitteln verwendet und hatte weder Geruch noch Geschmack“.

„Meine Schwester arbeitete in einem pharmazeutischen Labor“, erinnert sich Maria,“und deshalb durfte sie Paraffinöl mit nach Hause nehmen“.

Das Problem von Paraffinöl, das man in jenen Jahren auf Kuba als Speiseöl-Ersatz in der Küche verwendete, war, dass es wie ein starkes Abführmittel wirkte. „Wenn man Nahrungsmittel in einen Tiegel mit kochendem Öl tat, entstand weißer Schaum, und später musste man mit einer Baumwoll-Einlage in der Unterwäsche das Haus verlassen, weil man wie ein defektes Auto tropfte“.

„Alle meine Kleider hatten Fettflecken, und weil ich keine Waschmittel und kaum Seife hatte, war das ein Problem“, erinnert sich Maria. “ Mir passierten schreckliche Dinge, wie bei meinem ersten Rendezvous, als ich einen Ölfleck auf meinem Stuhl hinterließ“. Aber jetzt schaut Maria nicht mehr zurück in die Vergangenheit, sondern sie sorgt sich um die Gegenwart. „Ich will nicht, dass mein Sohn durch so etwas durch muss; es reicht schon, dass es mir passiert ist“.

Maria ist anpassungsfähig; in diesen Tagen zieht sie es vor zu kochen, zu dünsten oder zu poschieren, statt zu braten.

Maria ist anpassungsfähig; in diesen Tagen zieht sie es vor zu kochen, zu dünsten oder zu poschieren, statt zu braten − übliche Verfahren in der kubanischen Küche, die in den letzten Jahrzehnten mangels Zutaten ärmer geworden ist. „Leute, die es wissen müssen, sagen, dass es ohne Öl gesünder ist und vielleicht haben sie damit sogar Recht, aber eine gute Ernährung drängt sich nicht mit einem Mangel auf, sondern man lernt sie mit der Möglichkeit auswählen zu können“, fügt Maria noch hinzu.

Übersetzung: Dieter Schubert


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Gestohlene Erinnerungen

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Kata Mojena Hernandez (Facebook)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 18. Februar 2019

Bei Razzien in den Häusern von Aktivisten, Oppositionellen und unabhängigen Journalisten kommt es immer wieder vor, dass die Staatssicherheit ausgerechnet persönliche Fotos und Videos beschlagnahmt. Sie entwenden das einzige Bild der Oma, das im Regal stand, den Schnappschuss vom Geburtstag des Enkelkinds und die Videoaufnahme der ersten Schritte, die das Baby im Wohnzimmer machte. Als hätten sie die Absicht, dass die Person durch den Verlust ihrer Erinnerungen den emotionalen Halt verlieren würde.

Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich vor einigen Jahren mit einer Dame in Weiß*) führte. Sie erzählte mir, dass unter den persönlichen Gegenständen, die man im März 2003 während der Polizeidurchsuchung in ihrem Haus beschlagnahmte, ihre Hochzeitsfotos waren und dass sie dieser Verlust besonders schmerzte. In jener Morgendämmerung des Schwarzen Frühlings, in der sie ihren Ehemann verhafteten, verlor sie die einzigen Bilder von diesem so besonderen Moment, in dem sie sich die Trauringe ansteckten, die Hochzeitstorte anschnitten und sich vor der Kamera küssten. Man gab ihr die Fotos nie zurück, obwohl diese nichts zu der Anklage der Staatsanwaltschaft gegen ihren Mann beitrugen, die ihn für mehr als sieben Jahre ins Gefängnis brachte.

Nun lese ich diesen Text von Kata Mojena und stelle fest, dass sich bei den Razzien in mehreren Wohnungen von Aktivisten der oppositionellen Unión Patriótica de Cuba vergangenen Montag dasselbe repressive Vorgehen wiederholt hat, sowie dieselbe absurde Beschlagnahmung privater Gegenstände und Familienerinnerungen, die keinen politischen Wert haben. Jedoch besitzen sie einen unschätzbaren Wert für den Menschen. Die Strategie bleibt gleich: der Person das wegzunehmen, was sie zu der Person macht; sie auf die Gegenwart zu reduzieren; ihr alle emotionalen Elemente zu entziehen, die sie vervollkommnen; ihr das Zeugnis dessen zu entreißen, was ihr in Form von Lebenserfahrung nicht genommen werden kann. Letztendlich bedeutet das auch von ihrer Geschichte Besitz zu ergreifen.

Zum Glück gibt es mittlerweile soziale Netzwerke, um all das unmittelbar an die Öffentlichkeit zu bringen. Man muss nicht jahrelang darauf warten, dass die Welt davon erfährt, dass die ablehnenden Reaktionen gehört werden und der Spott der Menschen diese „Diebe der Erinnerungen“ trifft, die – aufgrund von so häufigem Amtsmissbrauch in der Vergangenheit und der Gegenwart – in panische Angst vor der Zukunft geraten.

 

Kata Mojena Hernandez schreibt auf Facebook

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Übersetzung: Lena Hartwig

Anmerkung der Übersetzerin:
*) Die Damen in Weiß (Damas de Blanco) sind eine kubanische Menschenrechtsgruppe, die 2003 als Zusammenschluss von Angehörigen und Lebenspartnern regierungskritischer Journalisten, Oppositionspolitiker und Menschenrecht-Aktivisten entstand, welche im Rahmen des Schwarzen Frühlings verhaftet und verurteilt worden waren.


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Die Solidarität der Bürger nach dem Tornado ist ein Zeichen für eine lebendige Zivilgesellschaft.

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Das Engagement der Bürger, denjenigen zu helfen, die durch den Tornado geschädigt wurden, gibt Hoffnung auf die Art und Organisationsfähigkeit der kubanischen Zivilgesellschaft. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 5. Februar 2019

In diesen Tagen haben wir bewegende Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Wirbelsturms gesehen, der Havanna getroffen hat. Taxifahrer, die ihre Taxis kostenlos zur Verfügung stellen um Spenden zu transportieren; private Restaurants, die Essen unter denen verteilen, die alles verloren haben; Künstler, die Wasser in die am stärksten betroffenen Gebiete transportieren und Ausgewanderte, die mit Kampagnen zum Spenden von Lebensmitteln aufrufen, die dann auf die Insel geschickt werden. Oftmals sind die Protagonisten dieser Hilfe Menschen, die selbst sehr wenig oder fast nichts haben.

Das Entstehen dieser spontanen und uneigennützigen Bürgerreaktion verspricht Hoffnung, was die Natur und die organisatorischen Fähigkeiten der kubanischen Zivilgesellschaft angeht. Obwohl die Initiativen nicht auf die Koordination von Massenmedien zählen konnten und nicht selten mit dem Unverständnis der lokalen Behörden kämpfen mussten, sowie mit dem Versuch der Plaza de la Revolución (Regierung) die Lieferung von Spenden zu monopolisieren, sind Effizienz und Volumen der gesammelten Spenden beeindruckend.

Nach Jahrzehnten, in denen das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht gewährleistet war, gibt es auf dieser Insel noch die Bereitschaft und das Engagement, eine humanitäre Spendenkampagne zu organisieren, die autonom und effektiv arbeitet.

Ebenso gibt die Tatsache Hoffnung, − nach Jahrzehnten, in denen die Versammlungsfreiheit nicht gewährleistet war und nur offizielle Organisationen erlaubt waren − dass es auf dieser Insel noch die Bereitschaft und das Engagement gibt, eine humanitäre Spendenaktion zu organisieren, die autonom und erfolgreich arbeitet. Hervorzuheben sind die selbstständigen Einzelhändler, nach jahrelang unter den Anschuldigungen litten, sich zu bereichern oder „besser leben zu wollen“ als das Volk. Ganz besonders sie haben ihren Teil zur humanitären Hilfe beigetragen.

Die Solidaritätsbekundungen stammen von Restaurants wie „D´ la abuela“, die ein wirksames System etabliert haben, mit dem jeder Interessierte online ein Tagesgericht kaufen kann, um dieses dann in die am stärksten betroffenen Viertel Luyanó, Regla, Santo Suárez und Guanabacoa zu bringen. Auch Musiker tragen ihren Teil zur Hilfe bei, sie geben Konzerte in privaten Räumlichkeiten und sammeln Geld. Zu erwähnen ist auch das Verhalten unabhängiger Reporter, die nicht nur direkt von den Opfern berichten, sondern auch helfen, Informationen zusammenzustellen, sodass die Hilfe die Betroffenen direkt erreicht.

Sie alle sind die Helden dieser Tage, vor allem, weil sie für ihr Tun weder entlohnt werden noch „von oben“ dazu aufgerufen wurden, Trümmer wegzuräumen oder zu trösten. Hinter ihrem Engagement steckt der Wunsch helfen zu wollen, sowie das Gefühl, dass das Individuum in einer Zivilgesellschaft wichtig ist. Wie in einem großen Ameisenstaat tragen die kleinsten Gesten un die einfachsten Mittel dazu bei, das gemeinsame Bauwerk einer Bürgerschaft zu errichten und zu erhalten.

Ein Riesen Applaus für Alle.

Übersetzung: Berte Fleißig


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Was wird Kuba tun?

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Maduro leistet den Amtseid, begleitet von den Protesten einer starken Opposition, die sein Mandat nicht anerkennt. (EFE/Cristian Hernandez)

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 CARLOS ALBERTO MONTANER |Miami | 3. Februar 2019

Das Regime von Maduro geht unter. Was wird Kuba tun? Letzten Umfragen zufolge wollen 83,7% der Venezolaner händeringend diesen übergewichtigen und einfältigen Señor loswerden. Man setzt dabei auf den Ingenieur Juan Guaidó. Nur 4,6% unterstützen Maduro. Der Rest enthält sich der Stimme oder hat dazu keine Meinung.

Guaidó hat die Bevölkerung klar auf seiner Seite und er erhält die Unterstützung von mehr als 50 demokratischen Ländern und von den am höchsten anerkannten internationalen Organisationen: OEA (Organisation Amerikanischer Staaten), BID (Interamerikanische Entwicklungsbank), das Parlament der EU, die Lima-Gruppe. Maduro, dagegen, erhält Rückhalt vom Iran, von Russland, der Türkei, Bolivien, Kuba, Nicaragua, El Salvador, und von der lautstarken kolumbianischen Drogen-Guerilla, die ihre Camps in Venezuela hat: die FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) und die ELN (Nationale Befreiungsarmee Kolumbiens).

Ich wiederhole: Was wird Kuba tun? Die kubanischen politischen Akteure sind in der Analyse einer Meinung; aber das zeigt sich nur in (nicht ganz so) geheimen Dokumenten, die sie fast täglich im Diplomatengepäck nach Havanna schicken. Sie trauen weder dem Telefon noch dem Internet und auch nicht den verschlüsselten Botschaften. Mittlerweile hat Rogelio Polanco, der kubanische Botschafter in Venezuela, die Chavisten dazu aufgerufen Widerstand zu leisten. Vor kurzem tat er dies bei der Eröffnung des Lehrstuhls „José Martí-Fidel Castro“ an der Nationalen Experimentellen Universität „Simón Rodriguez“ in Petare. Kuba, sagte er, konnte die jahrzehntelange Belagerung durch die Vereinigten Staaten überstehen. Venezuela kann dasselbe erreichen, wenn es „Schützengräben aushebt und in Stellung geht. Der Befehl lautet: Widerstand leisten! Kuba, heldenmütig, ist bereit bis zum letzten Venezolaner zu kämpfen“.

Polanco weiß, dass das, was er sagt, nicht stimmt; aber er kam nicht in dieses Amt um die Wahrheit zu sagen, sondern um die venezolanische Unterstützung und die Subventionen für die Insel zu retten. Das ist seine Mission. Er ist ein Journalist, mit Beziehungen zum Geheimdienst, aus dem ein Diplomat wurde, kein Professor für Ethik. Man sieht aber, dass die Diskrepanz zwischen dem was er sagt und dem was er sagen muss ihm Unbehagen bereitet. Denn Polanco weiß sehr wohl, dass das Chaos in Venezuela noch wesentlich größer ist, als auf Kuba.

Polanco hält Maduro − wie fast der gesamte kubanische Machtapparat − für einen Schwachkopf, muss ihn aber anlächeln.

Polanco hält Maduro − wie fast der gesamte kubanische Machtapparat − für einen Schwachkopf, muss ihn aber anlächeln. In Venezuela beträgt die jährliche Inflation mehrere Millionen. Die Unterversorgung ist absolut. Der Mangel an Medikamenten grenzt an Kriminalität. Die Mordrate ist extrem hoch. In Caracas gewaltsam zu sterben ist wahrscheinlicher, als in Kabul. Hinzu kommt der Entschluss der Vereinigten Staaten, die Diktatur Maduros zu beerdigen, ehe der Zusammenbruch Venezuelas und der nicht mehr kontrollierbare Exodus die gesamte Region noch mehr in Mitleidenschaft ziehen.
Seit dem Tod von Kennedy wurde die kubanische Diktatur von Washington toleriert.

Zunächst, wegen der Unterstützung durch die Sowjetunion, dann wegen der Überzeugung, dass sie ohnehin zum Untergang verurteilt ist und dass der Versuch, sie zu liquidieren, das Risiko nicht wert ist. Dies habe ich oft in den Vereinigten Staaten gehört. Im Hinblick auf die Ungewissheit bei einem krachenden Zusammenbruchs des Landes, favorisierte man die Idee nichts zu tun, aus Angst vor einem ausuferndem Exodus und vor den enormen Kosten ein Land wieder aufzubauen, das jahrzehntelang von einer kommunistischen Führung vernachlässigt wurde.

Warum mit Kanonen auf einen Moskito schießen, wenn der ohnedies bald stirbt?

Sogar Clinton billigte Castro zwanzigtausend Visa im Jahr zu, um ihn zu beschwichtigen. Das diente ihm als Ventil. Es bestand kein Grund zur Eile. Insgeheim existierte die Vorstellung, dass es Sache einer anderen Administration wäre, sich mit dem unvermeidlichen Ende des Castrismus auseinanderzusetzen.

Warum mit Kanonen auf einen Moskito schießen, wenn der ohnedies bald stirbt?
Diese Haltung hat nichts mit dem aggressiven Verhalten der Trump-Regierung zu tun, die entschlossen ist, Maduro mit Sanktionen solange unter Druck zu setzen, bis er aufgibt. Auf dem Finanzsektor sind die Vereinigten Staaten der Hausherr der Welt. Die USA halten 22% des weltweiten BIP, und 80% der wirtschaftlichen Transaktionen werden über das amerikanische Bankensystem in Dollar abgewickelt. Das würde es beispielweise den USA ermöglichen, Geldüberweisungen nach Kuba zu verbieten und Länder, die das Embargo verletzen, wie Feinde zu behandeln. Binnen 60 Tagen würde sich die große kubanische Armut in ein absolutes Elend verwandeln, was das Fass zum Überlaufen brächte.

Ich komme auf meine Anfangsfrage zurück: Was wird Kuba tun? Es deutet alles darauf hin, dass man die Venezolaner auffordert Widerstand zu leisten und dann heimlich die kubanischen Truppen abzieht, die Inspektoren zurückholt und kompromittierende Inhalte auf Festplatten löscht. Die kubanische Regierung ist völlig unproduktiv, aber ein wesentlicher Charakterzug von Raúl Castro ist seine Besonnenheit. Fidel hätte anders gehandelt, wesentlich verrückter, wie damals, als er die UdSSR dazu aufforderte, sie sollten mit ihren Raketen „präventiv“ die Vereinigten Staaten vernichten. Aber zum Glück für alle Kubaner, Fidel liegt begraben auf dem Friedhof ‚Santa Ifigenia‘ in Santiago de Cuba − sagt man zumindest.

            Übersetzung: Dieter Schubert


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