Die Geschichte von einem Pfusch

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Kluge Zeitgenossen forschen nach, warum derselbe Rohrabschnitt der Wasserleitung immer wieder bricht, obwohl er nicht in einer viel befahrenen Straße liegt. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 11. September 2018

Die Nachbarn, die an dem großen Loch vorübergehen, kratzen sich verwirrt am Kopf, da sie das Gefühl haben ein Déjà-vu zu erleben. An Gründen für diese Verwunderung mangelt es nicht, da der Wasserrohrbruch, der zur Sperrung der Conill Straße führte, in weniger als drei Jahren vier Mal repariert wurde.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist. Ein Großteil des Spotts und der üblichen Beschimpfungen richten sich an dieses Unternehmen, aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit das Loch qualitativ hochwertig und auf Dauer zu schließen.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist

Mit einem Bagger und einer Langsamkeit, die einen verzweifeln lässt, haben die Arbeiter in der Conill Straße ein defektes Rohr hinterlassen, das aufgrund der anhaltenden Reparaturen inzwischen zum Stadtbild von Nuevo Vedado gehört, mit seinen vielen hohen Gebäuden aus der Zeit der sowjetischen Subventionen. Die kaputte Leitung ist zu einer bekannten „Persönlichkeit“ geworden, ein unerwünschter „Nachbar“, der uns immer wieder mit einem Leck an seine Präsenz erinnert.

„Das Rohr wurde beschädigt“, wiederholt der Bauleiter diese Woche wenig enthusiastisch, immer, wenn ein besorgter Anwohner ihn wegen der Reparaturen fragt, die die Wasserversorgung für mehrere Häuserblöcke in der Umgebung beeinträchtigt. Die Cleversten hinterfragen, weshalb immer wieder derselbe Abschnitt der Rohrleitung defekt ist, immerhin befinde man sich nicht einmal in einer von schweren Fahrzeugen befahrenen Straße, aber der Mann vermeidet es zu antworten.

Um die wiederkehrenden Reparaturarbeiten zu verstehen, muss man wissen, dass bei den meisten öffentlichen Bauarbeiten auf Kuba gepfuscht wird. „Jedes Mal, wenn sie es reparieren, verstärken sie nicht ausreichend den Bereich zwischen Rohr und Asphalt. Deshalb wird die Stelle letztendlich durch die darüberfahrenden Autos beschädigt“, versichert ein Nachbar, der weder Ingenieurwesen studiert noch je eine Reparaturbrigade geleitet hat, der aber sein Viertel gut kennt.

Andere waren indirekt Komplizen bei der mangelhaften Erneuerung des Rohrabschnitts. „Letztes Mal stahlen sie einen Teil der Materialien, und einer asphaltierte sogar die Einfahrt zu seiner Garage mit dem Diebesgut von der Baustelle“, erzählt ein anderer Anwohner. „Sie füllten das Loch mehr schlecht als recht auf und zwei Wochen später war ein neues da“, bemerkt er.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht.“

Das Schlagloch in der Straße war anfangs eine leichte Unebenheit, aber es verwandelte sich im Laufe der Monate in ein gefährliches Loch. Die Fahrzeuge des nahegelegenen Landwirtschaftsministeriums mussten einen Umweg fahren und nach Niederschlägen war es tagelang mit Wasser gefüllt. Letztendlich wiederholte sich die Geschichte und das Rohr darunter begann nachzugeben.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht und die sind ziemlich hoch“. Der besorgte Steuerzahler geht jeden Morgen an dem Loch vorüber und fragt sich, ob es ein fünftes Mal geben wird. „Ist das ein Fluch?“, wundert er sich. Aber Aguas de La Habana hat keine Antwort darauf.

                     Übersetzung: Lena Hartwig


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Der Ansturm der Venezolaner setzt Lateinamerika schachmatt

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In den Straßen von Cucuta verdienen sich hunderte von Venezolanern den Lebensunterhalt mit dem Transport von Koffern anderer Emigranten, die wie sie geflohen sind. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | Bogota / La Habana / 6.September 2018

Neben mir schluchzt eine Frau mit zwei kleinen Kindern, wobei sie an ihr Caracas denkt. In Bogotá, im Büro für Immigration und Einbürgerung, hört man überall den venezolanischen Akzent; viele Flüchtlinge sind aus dem Nachbarland gekommen, fast nur mit dem was sie am Leib tragen, und was sie durchgemacht haben sieht man an ihren Gesichtern.

An einer anderen Stelle der kolumbianischen Hauptstadt, nahe am Platz Bolívar, verkauft ein junger Mann billige Maisfladen; sein Wägelchen hat er mit den acht Sternen der kolumbianischen Fahne geschmückt. Er erzählt mir, dass er seine zwei Kinder auf der anderen Seite der Grenze zurückgelassen habe, und dass er hofft etwas Geld zu verdienen, um seine Familie „in einem sicheren Land“ wieder vereinen zu können.

Ein paar Meter weiter steht ein anderer Mann als lebende Statue von Simón Bolívar, mit seiner streng zugeknöpften Uniformjacke, dem traurigen Blick und einem Degen in der Hand. Die Skulptur atmet unter dem Nieselregen der Stadt und sie scheint den tiefen Fall einer Nation zu symbolisieren. Es fing mit den anarchistischen Gipfeltreffen*) an, es folgten populistische Irrwege und jetzt steht die Nation am Abgrund der Diaspora.

Fast überall in Kolumbien findet man jetzt Flüchtlinge, die vor Nicolás Maduros Regime geflohen sind. Es ist ähnlich dem, was sich auch in Ecuador, Brasilien oder Peru ereignet, obwohl es Flüchtlinge auch bis nach Chile oder Uruguay schaffen. Und dann gibt es die, die mit einem Sprung über den Atlantik nach Europa geflohen sind, oder jene, denen es gelungen ist, das Territorium der Vereinigten Staaten zu erreichen.

Zurück ließen sie ihr Haus, ihr Stadtviertel und ihre Freunde. Sie bilden das jüngste Kapitel im lateinamerikanischen Exodus, aber dieses Mal sind es vor allem Bürger eines Landes, denen die Exekutive vor kaum ein paar Jahren eine Zukunft mit Chancen für alle versprochen hat. Sie fliehen vor dem Zusammenbruch eines Systems und legen eine Distanz zwischen ihren Körpern und ihren zerronnenen Träumen.

Nur ganz allmählich werden Zahlen zu diesem Exodus bekannt. Offiziellen Daten zufolge lebten Ende August etwa 900 000 Venezolaner in Kolumbien, aber ihre genaue Zahl ist vermutlich wesentlich höher. Man sieht sie an Straßenecken, an Verkehrsampeln**), in der Nähe von Märkten. Sie haben den verlorenen Blick von Menschen, die sich in der neuen Umgebung zurechtfinden wollen, aber man sieht ihnen auch die Erleichterung an, dass sie fliehen konnten.

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Venezolaner in einem Autobus auf der Fahrt durch Ecuador in Richtung peruanische Grenze. (EFE)

Die Behörden der aufnehmenden Länder sind oft ratlos. In den meisten hat Auswanderung eine lange Tradition, jetzt werden sie mit der Herausforderung konfrontiert ihre Nachbarn aufzunehmen. Die offizielle Antwort der Institutionen ist oft dumm und zudem wenig gastfreundlich. Der Exodus hat in einigen Gemeinden bereits fremdenfeindliche Züge angenommen.

Eine so sehr miteinander verwandte Region auf unserem Planeten, in der die Mehrzahl der Länder eine gemeinsame Sprache und ähnliche Gewohnheiten haben, schafft es nicht, sich politisch zusammenzuraufen, um das Flüchtlingsdrama zu lindern. Die Erteilung einer Arbeitserlaubnis, eine Krankenversicherung, der Zugang zu Schulbildung für venezolanische Kinder und die gegenseitige Anerkennung von Berufsabschlüssen erfolgt in jedem Gastgeberland unterschiedlich und eine gemeinsame Linie ist nicht erkennbar.

Der Kontinent , in dem sich vor wenigen Jahren die Vorkämpfern für den Sozialismus des 21.Jahrhunderts die Hände schüttelten und ein gemeinsames Lateinamerika für alle verkündeten…, diesem Kontinent gelingt es jetzt nicht, dieser humanitären Krise mit richtigen und menschenfreundlichen Maßnahmen zu begegnen. Territoriale Konflikte und die Unfähigkeit zusammenzuarbeiten machen den venezolanischen Exodus noch schwieriger.

Kurios ist, dass die Flüchtenden Kuba außen vor lassen. Auf ihren Landkarten ist die Insel keine Destination. Einerseits, weil es nicht empfehlenswert ist, vor einem Übel in ein Land zu fliehen, das die Einführung eines politischen System befördert hat, vor dem man gerade flieht. Anderseits, weil es ein falsches Bilds von Kuba als solidarisches Land gibt, denn die kubanische Gesetzgebung ist eine der restriktivsten, wenn es darum geht Flüchtlinge aufzunehmen oder eine Aufenthaltsgenehmigung zu erteilen.

Aber ein Drama erleben nicht nur die, die ihr Land verlassen haben, sondern auch die, die geblieben sind. Für das südamerikanische Land bedeutet die massive Auswanderung von Bürgern eine beschleunigte Abwanderung von Kapital, was wirtschaftlich einen  sehr  negativen  Saldo als Folge hat, der nur schwer wieder auszugleichen sein wird. Eine kaputte Infrastruktur kann man reparieren, das Kapital kann zurückkommen, aber der Effekt einer Massenauswanderung ist irreversibel.

Es gehen nämlich die Mutigsten, die gut Ausgebildeten und vermutlich die am wenigsten Angepassten. Genauso, wie es sich auf Kuba ereignet, lässt die ständige Flucht von Bürgern eine träge Bevölkerung und ein leicht zu regierendes Land zurück. Wir, die wir bleiben, müssen uns an Abschied und Abwesenheit gewöhnen. Wenige von denen, die fortgegangen sind, werden wieder zurückkehren.

„Wenn’s dir nicht passt, geh weg!“, haben treue Anhänger der kubanischen Regierung jahrzehntelang wiederholt; jetzt übernimmt auch Nicolás Maduro diese menschenverachtenden Haltung und schmäht die Flüchtlinge, dass sie gerade „Kloschüsseln in Miami putzen“. Für beide Regime ist Exil eine Sache für Schwächlinge und Egoisten.

In beiden Ländern sind offizielle Verlautbarungen dazu übergegangen, die Fluchtbewegung zu bestreiten. Sie beschimpfen die Fliehenden mit verunglimpfenden Adjektiven, oder sie machen Dritte für die anhaltende Flucht von Bürgern verantwortlich. Beide, Caracas wie Havanna, lehnen es ab sich um ihre im Exil lebenden Bürger zu kümmern; sie betrachten sie nur als potentielle Absender von Überweisungen, nicht aber als Bürger mit Rechten.

Eine massive Auswanderung ist ein Aderlass, der jedes davon betroffene Land schwächt. Jeder Venezolaner, der jetzt durch die Straßen von Bogotá, Quito oder Rio de Janeiro läuft, sucht eine Perspektive für sein Leben, die ihm in seinem Heimatland abhanden gekommen ist.

                  Übersetzung: Dieter Schubert

 

Anmerkungen des Übersetzers:
*) Die Anarchistische Bewegung in Venezuela (Movimiento Libertario de Venezuela) wurde im August 2015 von jungen Leuten ins Leben gerufen, die dem hegemonialen öffentlichen Kulturbetrieb im Land die Stirn bieten wollten.
**) Der Übersetzer erinnert sich: Ein Auto stoppt vor einer roten Ampel; mehrere junge Leute springen vor den Wagen und säubern die Frontscheibe; sie hoffen auf ein paar Münzen als Belohnung.


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Diskrete Internet-Tests auf mobilen Geräten lösen Frustrationen aus

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Ein junger Mann in Havanna hat sich ins wifi-Netz eingeloggt. (EFE)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 15.August 2018

Eine junge Frau telefonierte in einer Cafeteria und am Nebentisch bekam jemand das Gespräch mit. Innerhalb weniger Minuten waren die Blicke aller Anwesenden starr auf deren Handys gerichtet, um diese auf Internetzugang hin zu testen – so wie sie es in dem Gespräch der jungen Frau vernommen hatten. Kubas Telekommunikationsunternehmen nahm zwar in keiner Weise Stellung zu dem Thema, aber am vergangenen Dienstag um 11 Uhr wussten Tausende von Kunden im ganzen Land, dass endlich der Moment gekommen war, auf den sie seit Jahren gewartet hatten.

Weder die offizielle Website von Etecsa, dem Monopol im Bereich Telekommunikation, noch der öffentliche Kundendienst gaben im Vorfeld bekannt, dass Tests zur Internetverbindung durchgeführt wurden; nur unabhängige Journalismus-Websites und private Nutzerkonten in sozialen Netzwerken enthüllten die Angelegenheit. So kamen die Kubaner mit zwei Jahrzehnten Verspätung und umgeben von institutioneller Geheimhaltung über ihre Handys nun endlich mit dem World Wide Web in Verbindung. Obwohl die Erfahrung überwältigend war, verursachten die technischen Probleme mehr Frustration als Hoffnung.

Überlastung, die das Öffnen von Websites verhinderte, ständige Unterbrechung des Ladevorgangs, was zum Verlust des Datensignals führte und so den Download von Bildern in Anwendungen mit Multimedia-Inhalten unmöglich machte – dies waren die Schwierigkeiten, die den begierigen Internetnutzern, die sich erhoffte, in der virtuellen Welt Segel zu setzen, am meisten zu schaffen machten. So konnten sie gerade mal am Ufer des WWW plantschen.

Weder die offizielle Website von Etecsa, dem Monopol im Bereich Telekommunikation, noch der öffentliche Kundendienst gaben im Vorfeld bekannt, dass Tests zur Internetverbindung durchgeführt wurden

„Ich versuche es schon seit 20 Minuten und konnte nicht eine Website zu öffnen“, beschwerte sich ein junger Mann, der von dem „Pilotversuch“ durch einen Freund gehört hatte, der bei Etecsa arbeitet. „Den Mitarbeitern wurde gesagt, sie sollten nichts sagen, aber jeder hat bei seinen Freunden etwas durchsickern lassen“, erzählt er. Am Ende des Tages gelang es ihm, „vom Facebook-Messenger aus ein paar Nachrichten zu verschicken, sowie einen halben Artikel aus einer Zeitung in Florida zu lesen, weil dieser nicht vollständig geladen wurde“.

Der enttäuschte junge Mann war erst neun Jahre alt, als im Februar 2011 das Tiefseekabel Alba-1 Kuba mit Venezuela verband. Damals dachten die meisten Etecsa-Nutzer, dass es auch mit dem Internet nicht mehr weit hin wäre, aber die fehlerhafte Bedienung und die Angst von offizieller Seite aus, dass die Bürger aktiv in das Netz der Netze eindringen würden, verzögerten den Anschluss.

Danach folgte eine lange Phase der Verheimlichung und der Ausflüchte. Beamte behaupteten, dass die Regierung sich für die „soziale Nutzung“ neuer Technologien einsetzend würde, behielten aber Tarife für die Internetnutzung bei, die in keinem Verhältnis zu den nationalen Gehältern standen. Auch die so genannten wifi-Zonen wurden eingerichtet – ein letzter Versuch, die Ankunft des Internets im privaten Bereich zu verzögern, aber zumindest befriedigten sie das Verlangen von Millionen von Menschen nach Telekommunikation.

Der politische Fahrplan zur Vernetzung hat sich darauf konzentriert, den Moment zu verzögern, in dem der Kunde allein ist, in der Privatsphäre seines Hauses oder an einem abgelegenen Ort außerhalb von drahtlosen Zugangsbereichen, vor einem Bildschirm, mit dem er interagieren, veröffentlichen oder sich Gehör verschaffen kann. Aber Etecsa gingen die Argumente aus, der alte Vorwand des US-Embargos überzeugte die Kunden nicht mehr, und die Forderungen nach Internet auf Mobiltelefonen wurden unüberhörbar.

„Wir wurden gebeten, die Revolution in sozialen Netzwerken zu verteidigen, aber bei dieser Geschwindigkeit ist es sehr schwierig.“

Am Ende kündigte das schwerfällige Staatsunternehmen – eines der ineffizientesten der Welt – an, dass es noch vor Ende des Jahres den Zugang zum Internet über Prepaid-Handys ermöglichen wird. Postpaid-Nutzer und einige privilegierte Beamte oder offizielle Journalisten genießen diese Möglichkeit bereits seit Monaten, aber ihre Bewertung der Qualität der Navigation fällt sehr negativ aus.

„Es ist hoffnungslos langsam“, sagt eine junge Journalismus-Absolventin, die bei den lokalen Medien arbeitet und von einem Mobiltelefon profitiert, das mit dem Internet verbunden ist. „Wir wurden gebeten, die Revolution in sozialen Netzwerken zu verteidigen, aber bei dieser Geschwindigkeit ist es sehr schwierig“, versichert sie. Der Nutzen, den diese Verbindung für die junge Journalistin bisher hatte, reduzierte sich auf den „Austausch von Nachrichten bei WhatsApp und auf zwei klaglos gescheiterte Videokonferenzen via IMO.

Nach der gestrigen Erfahrung, verdorben durch Langsamkeit und technische Probleme, warten die Kunden nun darauf, dass Etecsa sich direkt zum Implementierungsplan dieses Services und den Tarifen der Datenpakete äußert. Sie wollen auch Betriebsgarantien, denn „für so etwas werde ich nicht so viel bezahlen, als wäre es wirklich ein Internetzugang“, sagte eine Frau diesen Dienstag im Büro von Etecsa.

Das staatliche Kommunikationsmonopol ist in Schwierigkeiten. Millionen von Kunden haben es satt zu warten, und viele von ihnen sind am 14. August dieses Jahres über ihr Handy ins Netz gegangen. Sie wollen die Erfahrung effizienter und mit völliger Freiheit wiederholen.

                             Übersetzung: Berte Fleißig


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Athleten und Klimageräte

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Kisten und Kartons mit Klimageräten stapeln sich im Flughafen von Havanna. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | Bogotá / La Habana | 3. August 2018

Die Maschine mit der Flugnummer 254 erhebt sich an einem grauen und kalten Morgen in die Luft über Bogotá. Im Inneren befindet sich ein Teil der kubanischen Delegation auf der Heimreise nach Havanna, nach der Teilnahme an den Zentralamerika-und Karibikspielen*) in Barranquilla, Kolumbien. Mehr als drei Stunden lang füllen die ruhelosen Athleten einen Teil des Flugzeugs mit ihren Gesprächen, die von einer Seite des Durchgangs zur anderen wandern, und die sich nur um ein Thema drehen: Die Einkäufe , die sie in Kolumbien getätigt haben , um sie mit auf die Insel zu nehmen.

Die Passagiere, die an diesem Dienstag mit der Fluggesellschaft Avianca unterwegs sind, treffen auf mehr als zwanzig Sportler in blauen Uniformen mit dem weißen Stern der kubanischen Flagge. Es ist eine heterogene Gruppenkonstellation: Junge Menschen in perfekter körperlicher Verfassung, die offensichtlich an den Wettkämpfen teilgenommen haben; andere mit grauem Haar und dem Auftreten eines Trainers, und wiederum eine dritte Gruppe, die weder das eine noch das andere ist und die Rolle der Aufpasser übernommen hat.

„Der wichtigste Part war das Zeitfahren, um aus der Gemeinschaftsunterkunft heraus und bis zu den nahen Märkten zu kommen“, sagte ein Sportler, „um den Ort zu finden, an dem am günstigsten verkauft wird, um das Geld zu strecken“

Das Flugzeug durchdringt die dichte Schicht aus Wolken, die die kolumbianische Hauptstadt bedeckt, und eine Frage beendet das hypnotische Schweigen während des Aufstiegs. „Sag mal, hast du dir den „Split“ (ein Klimagerät) kaufen können?“, fragt ein Athlet in Reihe 11 mit erhobener Stimme einen anderen, drei Sitze weiter vorn. Die Antwort lässt ebenfalls alle anderen aufhorchen. „Ja, ich habe ihn problemlos kaufen können, und auch ein Fahrrad, und Teile, die ich für mein Motorrad brauche.“ Der kurze Dialog tritt eine Lawine von ähnlichen Kommentaren los.

* * *

Die ganze Zeit, in der das Flugzeug durch die Lüfte zog, tauschte die Gruppe kein einziges Wort über den sportlichen Wettkampf, die errungenen Medaillen oder den harten Kampf Kubas aus, um den zweiten Platz unter den Ländern noch zu erreichen, nachdem man zum ersten Mal nach fast fünfzig Jahren den ersten Platz verloren hatte. Der Wettkampf über den man sprach, war ein anderer. Es war das Zeitfahren, mit dem man „aus der Gemeinschaftsunterkunft heraus und bis zu den nahen Märkten kommen konnte“, sagte ein Sportler, „um den Ort zu finden, an dem am günstigsten verkauft wird, um das Geld zu strecken“.

Der größte Gewinn, der sie wirklich begeisterte und zum Lächeln brachte, war für viele dieser jungen Talente nicht eine goldene, silberne oder bronzene Medaille, sondern der, mit Produkten und Geräten nach Hause zurückzukehren, die ihre Lebensqualität verbessern würden. Einer prahlte damit, dass er „den Koffer ein wenig mit der Hand anheben konnte“, damit am Schalter nicht das gesamte Gewicht angezeigt würde.

Ein Mann mit militärischem Haarschnitt und der gleichen sportlichen Aufmachung wie der Rest der Delegation hörte wortlos zu, aber sein Rucksack im Gepäckfach ließ sich kaum noch schließen.

„Zu der Angestellten sagte ich, es seien Teile eines Fahrrads und nicht eines Motorrads, weil sie so einfacher durchgewinkt werden“, meinte ein anderer stolz. „Sie haben mir erlaubt drei Koffer mitzunehmen, und was sie mir dafür berechnet haben, nehme ich schnell wieder ein, weil alles was ich mitgenommen habe in Havanna viel mehr wert ist“, fügte ein älterer Herr hinzu, der der Manager eines Teams zu sein schien. An seiner Seite hörte ihm ein Mann mit militärischem Haarschnitt und der gleichen sportlichen Aufmachung wie der Rest der Delegation zu, ohne einen Laut zu sagen, aber sein Rucksack im Gepäckfach ließ sich kaum noch schließen.

Das Flugzeug begann Kreise über Havanna zu drehen. „Man hat uns darüber informiert, dass wir warten müssen, weil der Flughafen wegen dringender Arbeiten geschlossen ist“, erklärte der Kapitän. Während die Passagiere aus den Fenstern blickten und immer wieder dieselbe Landschaft vorbeiziehen sahen, tauschten sie die letzten Ratschläge für ihr Gepäck aus. „Ich werde die Kontrolle für den Flachbildschirm überstehen, weil ich in diesem Jahr noch keinen Import hatte, aber ich brauche dich, um die beiden mitgebrachten Telefone für mich durchzubringen“, bat einer seinen Sitznachbarn.

Schließlich setzte das Flugzeug am Boden auf und nach einer langen Schlange am Einreiseschalter kam für die ungeduldigen Sportler der lang ersehnte Moment: die Koffer vom Gepäckband zu nehmen. An einer Seite des Transportbands rief ein Zollbeamter lauthals, dass die „Splits“ und die Fernsehgeräte durch eine kleine Tür in eine Halle befördert werden, wo jedes Transportstück gescannt würde, um den Inhalt zu überprüfen. Die Delegation von Sportlern versammelte sich vollständig um diese Ausgabestelle.

Touristen, die mit demselben Flug angekommen sind, verstehen immer weniger. „Und warum müssen sie diese Dinge mitbringen?“

Schließlich erschien ein Klimagerät, gefolgt von einem weiteren und danach noch einige mehr. Kisten stapelten sich, man lachte, einige machten ein Selfie vor dem wachsenden Berg an Haushaltsgeräten, niemand sprach von Medaillen.

Es kam der Moment die belebte Wartehalle des Internationalen Flughafens José Martí zu verlassen. Viele Familien warteten mit Babys auf dem Arm oder Senioren in Rollstühlen. Schreie, Emotionen,… und dann war da eine Frau, die zu einem Athleten − vermutlich ihrem Sohn − unter Tränen sagte: „Ich wusste, du würdest ihn mitbringen“, wobei sie erleichtert die „Split“-Kiste berührte, in Vorfreude auf schweißfreie Nächte in einem Zimmer unter 25 Grad Celsius.

* * *

Die Szene wiederholt sich. Die Mitglieder der Delegation umarmen nach und nach ihre Verwandten und verteilen die ersten Geschenke. Touristen, die mit demselben Flug angekommen sind, verstehen immer weniger. „Und warum müssen sie diese Dinge mitbringen?“, fragt ein verwunderter Chilene, der für den Junggesellinnenabschied einer Cousine angereist ist. Niemand antwortet ihm.

              Übersetzung: Lena Hartwig

 

Anmerkung der Übersetzerin:

*) Ein alle vier Jahre stattfindendes Sportgroßereignis mit Teilnehmern aus Zentralamerika und der Karibik. Dieses Jahr fanden die 23.Spiele vom 19.Juli bis zum 3.August in Barranquilla, Kolumbien, statt.


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Ein Land im ‚wifi‘-Stress

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Kubaner loggen sich in staatliche ‚wifi‘-Netze ein. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 21. Juli 2018

Ein kleines Insekt fällt auf die Tastatur meines Laptops, einige Minuten später noch eines und das dritte landet auf meinem Hals. Ein paar Meter weiter schirmt ein bekannter Filmemacher den Bildschirm vor Sonnenlicht ab, eine Frau spricht laut von privaten Dingen, während sie in einer Videokonferenz mit einem emigrierten Familienangehörigen redet. Ein Straßenkater nähert sich meiner Tasche und verlangt Futter, aber ich habe nichts dabei, schließlich bin ich nur in eine ‚wifi‘-Zone gegangen, wenige Meter entfernt von meinem Haus.

Mit Glück habe ich eine Bank gefunden, auch wenn sie keine Lehne hat. Nach einer Stunde Surfen im Internet verlangt mein Rücken nach einer Unterstützung. Deshalb gehe ich in eine nahe Zone an der Treppe eines Gebäudes, schaue nach oben und bemerke, dass es keinen Balkon über meinem Kopf gibt, der verhindert, dass ein Bewohner Essensreste oder Abwasser geradewegs auf meinen Computer schüttet. Auf der Treppe habe ich einen guten Platz gefunden und meine Wirbelsäule freut sich über die Mauer, gegen die ich mich lehne.

Ein paar Minuten später bemerke ich einen unangenehmen Geruch. Offensichtlich benutzt jemand das nahe Gebüsch als Toilette; mit diesem Gestank verliert mein ideales „Büro“ seinen Charme. Ich gehe woanders hin. Ein paar Kinder spielen Baseball mit einem Schläger der Marke „Eigenbau“, deshalb lasse ich mich dort nieder, wo mein Laptop nicht in Gefahr gerät. Aber die Sonne nähert sich immer mehr diesem Platz und ich schätze, dass mir noch eine halbe Stunde bleibt, bis mich „der Indio“ (die Sonne) erreicht.

Es kommt Bewölkung auf; jetzt signalisiert der Akku, dass er nur noch über höchstens 15% Ladekapazität verfügt. Es gibt keine Ladestation in der Nähe, niemand „verkauft“ mir etwas Energie – was ein lukratives Geschäft in den ‚wifi‘-Zonen wäre. Also spare ich Energie und reduziere die Helligkeit des Bildschirms, aber bei der Helligkeit meiner Umgebung sehe ich fast nichts mehr. Es gelingt mir ein paar Mitteilungen via Twitter zu posten, meinen Posteingang zu checken und eine Anfrage betreffs Mitarbeit zu überfliegen, die unsere Zeitung 14ymedio erreicht hat.

Ein Regentropfen fällt zwischen die Tasten „D“ und „F“. Ich habe Glück; das bisschen Wasser ist nicht zwischen den beiden Tasten verschwunden und nicht bis zu Stromkreisen, zu elektrischen Kontakten oder bis zur Hauptplatine vorgedrungen. Mit Schweiß auf der Stirn wische ich die Feuchtigkeit ab und schließe den Laptop. Ich schaue mich um. Weil ich mich auf Web-Seiten und soziale Netze konzentriert habe, habe ich nicht bemerkt, wie sich ein zwielichtiges Subjekt nebenan hinsetzte und sich auf der Bank übergab.

Ich bringe alles in Sicherheit, erreiche einen guten Unterstand und warte darauf, dass der Platzregen aufhört. Unter dem kleinen Dach reden andere Internetbenutzer von Nachrichten, die sie gelesen haben, von Mitteilungen, die noch vor dem Regen eingegangen sind und von einem Formular für ein Visum, das sie wenigsten noch halb ausfüllen konnten; dass sie damit aber weitermachen würden, wenn die Sonne wieder hervor käme.

Trotz aller der Schwierigkeiten mit einem Zugang ins Netz, „pressen“ die Leute so viel Information wie nur möglich aus dem drahtlosen Signal heraus, das ihre Telefone, Tabletts und Computer noch erreicht. Tag für Tag sind diese improvisierten „Chatrooms“ voller Leben, obwohl die User für jede Stunde den exorbitanten Preis von einem CUC *) bezahlen. Jeder intelligente Mensch würde sagen, dass sich Arbeiten unter solchen Bedingung nicht mehr lohnt. Eigentlich sollte man nur noch mit Freunden chatten und miteinander lachen. Trotzdem nutzen Profis aller Art die ‚wifi‘-Zonen so gut wie möglich – unter einer tropischen Sonne, bei Regen, und sie erwehren sich sogar der Insekten und der hungrigen Katzen.

              Übersetzung: Dieter Schubert

Anmerkung des Übersetzers:
*) Der CUC ist der mit dem Dollar konvertible Peso. 1CUC entspricht in etwa dem halben Tagesverdienst eines staatlichen Arbeiters.


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Das Kuba von Humboldt und Ruiz Urquiola

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Dem zweiten Entdecker von Kuba / Die Universität von Havanna 1939

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 5. Juli 2018

Vor dem Eingang der Humboldt-Universität in Berlin erinnert die spanische Inschrift an der Statue von Alexander von Humboldt daran, dass sie ein Geschenk der Universität von Havanna ist, eine Hommage an den deutschen Wissenschaftler, den man auch „den zweiten Entdecker Kubas“ nennt. An seinem Standbild, mit dem gelassenen Gesichtsausdruck, ist der Biologe Ariel Ruiz Urquiola wahrscheinlich oft vorbeigegangen, als er Mitarbeiter an dieser Hochschule war.

In den letzten Tagen füllte der Fall des jungen Forschers, er ist erst 42 Jahre alt, die Titelseiten zahlreicher internationaler Medien, weil er für mehr als zwei Wochen im Hungerstreik war. Mit dem strengen Fasten forderte er seine Freilassung, nachdem er zu einem Jahr Gefängnis wegen angeblicher „Verleumdung“ verurteilt worden war –  in einem „verzerrten“ Rechtsfall voller Unregelmäßigkeiten. Damit setzte der Wissenschaftler sein Leben aufs Spiel, indem er seinen Körper nutzte, um die Revision eines Urteils zu erzwingen, das er für eine Ungerechtigkeit hielt.

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Ariel Ruiz Urquiola und seine Familie sind davon überzeugt, dass es die Absicht des Staates ist, ihre Finca in Pinar del Rio zu übernehmen und ihn so für seinen Widerstand gegen die Regierung zu bestrafen. (Facebook)

Diesen Mittwoch gaben die kubanischen Behörden nach und setzten Ruiz Urquiola auf freien Fuß. Sie erteilten ihm die Genehmigung, das Gefängnis aus gesundheitlichen Gründen zu verlassen, was allerdings keine völlige Aufhebung seiner Strafe bedeutet. Man erlaubt ihm in sein Haus zurückzukehren und das agro-ökologisches Projekt wieder aufzunehmen, das er in Viñales leitet. Obwohl es ihm mit seiner Hartnäckigkeit gelungen ist, diese Schlacht zu gewinnen, weiß er, dass ihn die Augen der Regierung auf Schritt und Tritt verfolgen werden. Man hofft so, dass man ihn doch noch zur Rechenschaft ziehen kann, weil er öffentlich protestiert und die Regierung angegriffen hat; vor allem aber dafür, dass er die ökologischen Schäden in einem Naturschutzgebiet im Westen Kubas angeprangert hat, für die die Regierung verantwortlich ist.

Obwohl es ihm mit seiner Hartnäckigkeit gelungen ist diese Schlacht zu gewinnen, weiß er, dass ihn die Augen der Regierung auf Schritt und Tritt folgen werden. Man hofft so, dass man ich doch noch zur Rechenschaft ziehen kann.

Wenn Humboldt in einer Zeit der Entdeckungen und Forschungsreisen lebte, dann erlebt Ruiz Urquiola heute eine harte Zeit der Komplizenschaft. Der deutsche Wissenschaftler verhalf mit seinen Arbeiten zu Geographie, Flora, Fauna und sogar Topographie die Kenntnisse über ein Land zu mehren, das seine Bewohner selbst noch kaum kannten. Zwei Jahrhunderte später lebt die Gemeinschaft kubanischer Wissenschaftler in einer Zwickmühle von fehlenden finanziellen Mitteln und exzessiven Kontrollen durch den Staat. Unsere Forscher werden heute nicht mehr nach ihren wissenschaftlichen Fähigkeiten bewertet, oder nach den Resultaten ihrer Projekte, sondern vorzugsweise aufgrund ihrer ideologischen Treue.

Daher überrascht es nicht, dass während der Tage des Hungerstreiks  keiner der Beamten, Funktionäre oder Mitarbeiter des Ministeriums für Naturwissenschaft, Technologie und Umwelt sich mit ihm solidarisierte, oder wenigsten einen Aufruf an die Regierung richtete, man möge seinen Fall noch einmal überprüfen. Keine Körperschaft, die mit der landwirtschaftlichen Produktion, dem Schutz des Ökosystems oder mit Studien zu Flora und Fauna verbunden ist, hat ihre Stimme erhoben um zu fordern, man möge bei Ruiz Urquiola Gerechtigkeit walten lassen.

Im Gegensatz zum Schweigen der Gemeinschaft kubanischer Wissenschaftler, fanden sich Kollegen aus anderen Teilen der Welt unter #FreeAriel zusammen.

Auch die offiziellen Medien erwähnten den Fall nicht, obwohl die sozialen Medien wegen der Fülle von Mitteilungen schier „überliefen“, in denen man seine sofortige Freilassung forderte und sein Gesicht aus den alternativen Netzwerken kaum mehr wegzudenken war. Im Gegensatz zum Schweigen der Gemeinschaft kubanischer Wissenschaftler, fanden sich Kollegen aus anderen Teilen der Welt unter #FreeAriel zusammen.

Mehr als 200 Jahre nach Humboldt, der auf ein Land stieß um von ihm zu berichten, lebt Urquiola heute in einem Land, in dem die Forscher ihre Worte sehr sorgsam wählen und es vorziehen zu schweigen.

                 Übersetzung: Dieter Schubert


Dieser Text erschien ursprünglich auf der Seite für Lateinamerika der Deutschen Welle.

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Erneuerung der Gelübde: Das rote Halstuch

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Kubanische Kinder bei der Zeremonie der Vergabe des Halstuchs (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 14. Juni 2018 

Drei Jahrzehnte später steht die Frau vor einer vertrauten Szene. Eine Reihe von Kindern in Grundschuluniform erhält das neue rote Halstuch, das das blaue Halstuch ersetzt, das sie vorher um den Hals trugen. Wie in einem déjà-vu hört sie ihre Tochter die gleiche Parole rufen, die auch sie in ihrer Kindheit schrie. Das auf dem Boden kniende Mädchen schwört, dem Beispiel von Ernesto Che Guevara zu folgen, so wie es ihre Mutter vor langer Zeit versprochen hat.

 Der Schultag begann sehr früh am Donnerstag den 14. Juni − der Tag, der für die Einführung der Schüler gewählt wurde, die die dritte Klasse abschließen. Jetzt sind sie Teil der Organisation José-Martí-Pioneros und haben einen Weg eingeschlagen, auf dem ideologische Exzesse und politische Manipulation sie für immer begleiten werden. Die Zeremonie gleicht einer religiösen Weihe, fast mystisch, obwohl es sich um einen atheistischen Guerillakämpfer handelt, der genau an diesem Tag 90 Jahre alt geworden wäre.

 Zum Abschluss dröhnt aus den Lautsprechern in voller Lautstärke ein Song, der Fidel Castro gewidmet ist. „Lauter, noch lauter!“, ruft der Schulleiter den Schülern zu, die das langweilige Lied Vers für Vers singen müssen. „Lauter, noch lauter, damit man es da oben hören kann!“, wiederholt er und zeigt dabei zum Himmel, wo er glaubt, dass sein Chefkommandant angekommen sein muss.

 Die Musik endet, die Kinder rufen die Parole, die sie in den nächsten Jahren wieder und wieder aufsagen werden: „Pioniere für den Kommunismus, wir werden wie der Che sein“. Sie verlassen die Reihen und kehren zu den üblichen ungestümen Spielen von Kindern zurück. “Die Erneuerung der politischen Gelübde” ist zu Ende.

            Übersetzung: Berte Fleißig

 


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