Die Zeitung ’14ymedio‘ hat Geburtstag

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Zwei plumeria rubra, Franchipani genannt, wachsen auf der Dachterrasse der Redaktion.

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 21.Mai 2022

Ich habe in meinem Leben einige wichtige Entscheidungen getroffen, auf die ich stolz bin. Die Liste wäre sehr lang; hier stehen einige der wichtigsten, um an sie an diesem Tag zu erinnern.

  • Mit 16 Jahren: sich für ein Studium der Humanwissenschaften entscheiden, trotz eines starken Hangs zu Physik.
  • Mit 17 Jahren: einen „verrückten und langhaarigen“ Journalisten kennenlernen, mit Namen Reinaldo Escobar, und mit ihm zusammenleben.
  • Mit 19 Jahren: Teo auf die Welt bringen, obwohl die meisten meiner Freunde und Bekannten sagen, dass es noch zu früh wäre Mutter zu sein.
  • Mit 26 Jahren: emigrieren und die köstliche Freiheit genießen.
  • Mit 28 Jahren: in mein Land zurückkehren, und entgegen aller Prognosen meine kritische Stimme innerhalb der Inselgrenzen erheben.
  • Mit 31 Jahren: den ersten Artikel für meinen Blog ‚Generación Y’schreiben.
  • Mit 38 Jahren: die Tageszeitung ’14ymedio‘ gründen.
  • Mit 43 Jahren: den Podcasts ‚Cafecito informativo‘ starten.

Heute, am 21.Mai 2022, feiern unsere “Vierlinge“ ihren den achten Geburtstag. So nennen wir in der Redaktion ’14ymedio‘, denn seit unsere Zeitung am 21.Mai 2014 das Licht der Welt erblickte, gab es – wie bei 4 kleinen Kindern im trauten Heim – keine ruhige Morgenstunde mehr. Wenn die Nachrichten “schreien“, ist es mit der Ruhe vorbei. In den vergangenen Jahren war unser Leben den “informativen Notfällen“ ausgeliefert, dem Auf und Ab der Realität und dem Schwindelgefühl in den Räumen der Redaktion.

Kein Grund zu jammern; ich kann mir kein besseres Leben vorstellen.

Im Monat Mai habe ich schon acht Mal die Geburtstags-Kerzen für ’14ymedio’ausgeblasen; ich bin dankbar, dass ich von so vielen fähigen Reportern umgeben bin, von unentbehrlichen Journalisten und klugen Herausgebern.

Ihr seid meine Familie, bei euch sein zu können gehört zu den besten Entscheidungen in meinem Leben; ohne jeden Zweifel.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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Ein Strafgesetzbuch, um uns Fesseln anzulegen

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Die schlimmsten Teile des neues Strafgesetzbuchs betreffen den Journalismus, der nicht von der Kommunistischen Partei Kubas (PCC) kontrolliert wird. (14ymedio)

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 17.Mai 2022

Das neue Strafgesetzbuch, das die kubanische Nationalversammlung verabschiedet hat und das in den kommenden Tagen in Kraft treten wird, ist ein detailliertes Kompendium der wesentlichsten Ängste der Partei. Wie jedes autoritäre Modell, sieht sich das Regime der Insel dazu gezwungen, jedes Verbot aufzulisten und alle Strafen aufzuzählen. So versucht man neuen Formen von Konfrontation und Ablehnung durch die Bürgerschaft schon im Vorfeld zu begegnen.

Wenn man zwischen den Zeilen der neuen gesetzlichen Regelungen liest und das abtrennt, was vom vorigen Gesetzbuch bezüglich Bestrafung von häufigen Delikten übernommen wurde, dann erkennt man die Panik, die den Führenden den Schlaf raubt. Die unabhängige Presse, der Aktivismus, die öffentlichen Proteste gegen das Regime, wie die vom vergangenen 11.Juli, und die Möglichkeit, dass Personen in Initiativen zusammenfinden, um ihren Widerspruch zum politischen und wirtschaftlichen System zu artikulieren…dies steht im Zentrum der Ängste, die den Platz der Revolution erbeben lassen.

Die schlimmsten Teile im neuen Gesetzbuch betreffen den nicht von der PCC kontrollierten Journalismus, weil für diese Presse damit der Zugang zu Geldern, Ressourcen und Fonds internationaler Organisationen noch mehr verteufelt wird. In einem Land, in dem eine Gruppe von Männern öffentliche Mittel nach Gutdünken einsetzt, um ihre ideologischen Propaganda-Medien zu unterstützen, versuchen dieselben Personen den unabhängigen Zeitungen und Zeitschriften die finanzielle Luft abzuschneiden, die diese zum Überleben brauchen. Nur der PCC soll die Verbreitung von informativen Inhalten erlaubt sein, mit Überwachung und der Schere der Zensur, die bereit ist alles herauszuschneiden, was der Partei nicht nützt.

Das neue Gesetz kann man eher als eine Aktualisierung betrachten, mit Blick auf eine andere Realität, als den Beginn einer beispiellosen Razzia gegen den freien Fluss von Nachrichten.

Trotzdem, die aktuelle Drehung an der Schraube hatte im ‚Knebelgesetz‘ einen Vorläufer: im sogenannten ‚Schwarzen Frühling‘ 2003 gingen deswegen 75 Dissidenten ins Gefängnis; das Gesetz wurde nie außer Kraft gesetzt. So gesehen kann man das neue Gesetz eher als eine Aktualisierung betrachten, mit Blick auf eine andere Realität, als den Beginn einer beispiellosen Razzia gegen den freien Fluss von Nachrichten. Die wachsende Popularität von informativen Portalen, um die sich unabhängige Journalisten kümmern, hält eine Diktatur in Schach, die seit Jahrzehnten mithilfe Geheimniskrämerei und der absoluten Kontrolle über die Berichterstattung regiert.

Etwas Ähnliches bewirkt im neuen Gesetzbuch der Artikels 12o.1, der jeden bestraft, „der eigenmächtig ein in der Verfassung verankertes Recht oder eine dort gewährte Freiheit für sich in Anspruch nimmt und die konstitutionelle Ordnung in Gefahr bringt“. Da die PCC in der Verfassung als die höchste Macht im Staat und als gesellschaftsführend betrachtet wird, gilt der Versuch, dies zu ändern oder eine Alternative zu etablieren, als ein schweres Vergehen, ein sehr schweres. Ungeachtet dessen, eine ähnliche Zwangsjacke gab es schon mit der volkstümlich so genannten „konstitutionellen Mumifizierung“. Ohne auf die Forderungen nach einem Referendum einzugehen, in dem die Wähler sich für oder gegen den Vorschlag hätten entscheiden können, setzte man das Gesetz 2002 in Kraft.

Schlussendlich, wenn ein Gutteil dessen, was mit dieser Gesetzgebung bestraft wird, schon verboten ist, auf die eine oder andere Weise, mit Dekreten, Vorschriften und Beschlüssen, dann fragt man sich nach den Gründen, warum das neue Gesetz das Veto verstärkt und das Strafmaß erhöht. Alles weist darauf hin, dass es sich um einen Sieg der Ewiggestrigen handelt; wir stehen vor einem Bild mit jenen Brücken, die die Fortschrittsfeindlichsten sprengen, um zu verhindern, dass sich der demokratische Wandel von innen nach außen vollzieht, also bei den gewöhnlichen Leuten seinen Anfang nimmt. Das ist der eigentliche Terror des Castrismus und seiner verzweifelten Versuche, das zu bremsen, was auf jeden Fall kommen wird.

Das neue Strafgesetzbuch ist gedacht dazu uns zu fesseln; das beweist, dass es von einem System konzipiert wurde, das im Misstrauen der Gesellschaft untergegangen ist und Angst vor der Zukunft hat.

            Übersetzung: Dieter Schubert

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde ursprünglich von der Deutschen Welle im spanischen Original publiziert.

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Presse und Verantwortung angesichts der Tragödie

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Die Rauchwolke der Explosion beim Hotel ‚Saratoga‘ konnte man vom Platz der Revolution aus sehen. (14ymedio)

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 7.Mai 2022

Es klang wie ein Donnerschlag, aber als ich auf dem Balkon Ausschau hielt, war der Himmel wolkenlos. Ich schaute über die Stadt und sah einen Berg aus Rauch, der sich über den Bereich Alt-Havanna erhob. Instinktiv schaute ich auf die Uhr, es war am Morgen, 10:53 Uhr, Freitag der 6.Mai. Wir wussten nicht was geschehen war, aber es war ernst. In der Redaktion von 14ymedio verfassten wir in aller Eile eine Pressenotiz, die der Welt mitteilte, dass Havanna von einer Explosion erschüttert wurde; zunächst glaubten wir, dass der Bereich der Bucht davon betroffen wäre.

Wenig später erreichten uns die ersten Bilder, unsere Reporter näherten sich dem Ort und das Ereignis nahm Form an: Das Hotel ‚Saratoga‘ war eingehüllt von einer Staubwolke und die nähere Umgebung bedeckt mit Schutt. Die Leute machten Fotos mit ihren Mobiltelefonen; sie waren in der Nähe des Bauwerks und berichteten, dass von dem, was bis vor kurzem noch ein architektonisches Schmuckstück der Stadt war, nur eine große Ruine aus Eisenteilen und Steinen übrig geblieben war. Fast eine Stunde lang hat die offizielle Presse nicht reagiert.

Die Journalisten der Stadt und die unabhängigen Medien gingen sehr verantwortungsvoll mit diesen langen Minuten um. Trotz der Gerüchte, die in den Straßen zirkulierten und eine Bombe oder Sabotage mutmaßten, bewahrten meine professionellen Kollegen die Ruhe und versuchten, jeden publizierten Hinweis zu überprüfen. Das war schwierig, denn als die offiziellen Zeitungen begannen von dem Vorfall zu berichten, vermischten sie oft Tatsachen mit Spekulation und Wahrheiten mit Lüge. Die schlimmsten Falschmeldungen gingen zu Lasten der Titelseiten, die von der Kommunistischen Partei kontrolliert worden waren.

Die Journalisten der Stadt und die unabhängigen Medien gingen sehr verantwortungsvoll mit diesen langen Minuten um.

Die Berichterstattung im Fernsehen war katastrophal. Die schlecht vorbereiteten Sprecher improvisierten, verwechselten das Hotel ‚Saratoga‘ mit dem Kapitol und erklärten jemand für tot, weil sie nur auf ihre Bildschirme starrten und sahen, wie ein Körper auf einer Bahre herausgetragen wurde, als ob sie Ärzte wären und entscheiden könnten, wer lebt und wer nicht. Die überall waltende Ideologie versuchte, die menschliche Solidarität für sich in Anspruch zu nehmen, indem sie die Hilfe, die Anwesende für die am meisten Betroffenen leisteten, als parteiisch motiviert bezeichnete.

Dazu kam noch, dass Miguel Díaz-Canel nicht auf die Gelegenheit verzichtete, sich vor den Mikrofonen mit den unabhängigen Medien anzulegen, die er beschuldigte, Gerüchte in die Welt zu setzen und Lügen über das Geschehen zu verbreiten. Anstatt angesichts der Tragödie an Eintracht und Solidarität zu appellieren, zog er es vor, diesen schmerzlichen Moment für seinen alten Kampf gegen ‚Abtrünnige‘ zu nutzen. Der mittelmäßige Mann, der er ist, zeigte wieder einmal, dass ihm jedwede Größe eines Staatsmanns fehlt.

Ohne unsere Arbeit und die von vielen Bürgern, die vor Ort informierten, hätte es viel länger gedauert, bis die Nachricht bekannt geworden wäre, und die solidarische Hilfe hätte sich um eine Zeitspanne verzögert, die entscheidend für die Opfer war. Die Presse zu beschuldigen, ist mitten in einer Tragödie ein hässlicher Akt von Parteipolitik, und der Versuch, Emotionen zu benutzen, um Journalisten herabzuwürdigen.

Der mittelmäßige Mann, der er ist, zeigte wieder einmal, dass ihm jedwede Größe eines Staatsmanns fehlt.

An diesem Freitagvormittag erreichte uns eine Nachricht, die uns erschütterte und uns zwang 24 Stunden ununterbrochen zu arbeiten. Keine Frage, auch wir hätten es vorgezogen, wenn die Nachricht froh und verheißungsvoll gewesen wäre. Aber angesichts einer Katastrophe bestimmen Transparenz, Professionalität und Respekt im Umgang mit Leidenden unsere Informationspolitik, ohne dass wir uns einbilden, ein Vorrecht darauf zu haben.

Machen Sie keinen Fehler, Díaz-Canel, in den ersten Stunden dieses bedauernswerten Ereignisses, war die unabhängige Presse unverzichtbar. Ohne es zuzugeben lest ihr uns, kopiert uns, und übernehmt sogar ganze Sätze aus unseren Artikeln. Während ihr uns von oben bis unten beleidigt, in euren klimatisierten Büros ergänzt ihr Berichte über das Drama mit vielen Details, die wir zusammengetragen haben.

Unsere Anteilnahme und unser Mitgefühl soll denen gehören, die einen geliebten Menschen verloren haben, auch denen, die einen Angehörigen haben, der jetzt in einem Hospital um sein Leben kämpft, oder dem, der noch unter den Trümmern eingeschlossen ist. Ihr sollt wissen, dass wir unseren informativen Auftrag nicht eher für beendet erklären werden, bis wir alle Details zu diesem Geschehen publiziert haben; wir bestehen auf einer transparenten Untersuchung ohne politische Manipulationen. Wir werden immer auf Seiten der Opfer sein.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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Für das blaue Vögelchen beginnt eine neue Epoche; Flug oder Fall?

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Das Logo von Twitter; Archivbild. (EFE/EPA/JUSTIN LANE)

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 30.April 2022

Wird es höher fliegen oder abstürzen? Diese Frage über die Zukunft von Twitter beschäftigt uns seit einiger Zeit, aber nach der Mitteilung von Elon Musk, dass er das soziale Netzwerk für etwa 44 Milliarden Dollar gekauft hat, hat die Frage an Bedeutung gewonnen. Es handelt sich nicht nur um einen virtuellen Raum für Prominente und Politiker; das Netzwerk ist auch ein Sprachrohr und ein Schutzschild für viele Tausend Aktivisten und Journalisten, weltweit.

Seit 14 Jahren habe ich ein Konto bei dem blauen Vögelchen; ich eröffnete es im Sommer 2008, als der mittlerweile legendäre Tweet von Jack Dorsey, in dem er schrieb „Just setting up my twttr“, als der erste Zweig für ein Nest gewürdigt wurde, das uns alle aufnehmen konnte. Seit damals, zunächst mit 140 Zeichen und heute mit den aktuellen 280, hat mich sein Zwitschern vor manchem Schrecken bewahrt, und hat mir geholfen, von meinem Land zu berichten.

Als die offizielle kubanische Presse zum ersten Mal Twitter erwähnte, erklärte sie den Kurznachrichtendienst als eine von der CIA, dem Auslandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten, kreierte Technologie. Wie bei jedem neuen Phänomen eröffneten die Propagandisten des Castrismus das Feuer auf etwas, was sie zwar nicht verstanden, aber für kurzlebig hielten. Ihre Ablehnung von Twitter einerseits, und, auf der anderen Seite, die Notwendigkeit eines Tools für Aktivisten und unabhängige Journalisten, um unmittelbar publizieren können,…beides war kennzeichnend für den Flug des Vögelchens über diese Insel.

Twitter hat ein rebellisches und aufsässiges Naturell, von dem Tag an, als die Kubaner begannen die Plattform zu nutzen. Als der Platz der Revolution ihre wahre Bedeutung erkannte, hatten oppositionelle Gruppen, alternative Medien und eher kritische Bürger schon Monate oder Jahre Tweets verbreitet. Dann landete auch die Kommunistische Partei Kubas in dem Netz, das sie bis vor kurzem abgelehnt hatte.

Wie bei jedem neuen Phänomen eröffneten die Propagandisten des Castrismus das Feuer auf etwas, was sie zwar nicht verstanden, aber für kurzlebig hielten.

Die Ankunft von regierungstreuen Anhängern im Netz war markiert von förmlich wiederholten Losungen mit null Spontanität, der Schaffung von „bots“, die sich der Drangsalierung von Dissidenten widmeten, und der Bereitstellung einer ganzen Armee von Cyber-Polizisten, die den überwachten, der mit Kritik an der Regierung übertrieb. Solche Praktiken blieben bei dem „Riesen in San Francisco“ nicht unbemerkt; der häufig mit der Sperrung von Accounts zweifelhaften Ursprungs antwortete, sowie mit Verwarnungen aufgrund von offiziellen Bedrohungen wehrloser Bürger.

Die Geschichte, die ich gerade erzähle, wiederholt sich in fast allen Ländern mit autoritären Regimen, mit extremen Beispielen wie das von China, wo Twitter kaum „piep“ sagen kann, wegen der dort herrschenden eisernen Zensur. Andererseits sind manche Diktaturen von ihrer anfänglichen Ablehnung dazu übergegangen, den Dienst zum Zweck der Propaganda und Einschüchterung zu nutzen. Im Zusammenhang mit dem Besitzerwechsel im Unternehmen, bleibt die große Frage, ob es für tyrannische Staatsmodelle einfacher wird, ihr Ziel zu erreichen, oder ob sie, im anderen Fall, mit ihren schmutzigen digitalen Tricks nicht mehr weitermachen können.

Der reichste Mann der Welt steht vor einer Herausforderung. Er hat versprochen aus Twitter einen Raum für die Meinungsfreiheit zu machen, „besser als je“, aber er hat auch eine virtuelle Welt erworben, in der es mehr als 300 Millionen Identitäten gibt, viele davon real, ein Gutteil mit unsicherer Herkunft oder ersichtlich fiktiv. Jenseits von Prominenten, Multimillionären und Präsidenten − der Zweifel, der bei uns Nutzern als die verletzlichste Gruppe aufkeimt, ist, ob das blaue Vögelchen unsere Stimme weiterhin in „Höhen“ tragen wird, wo ein kurzer Tweet einen Staatsstreich aufhalten, die Riegel einer Gefängniszelle öffnen, oder einen Gnadenschuss verhindern kann.

            Übersetzung: Dieter Schubert

Diese Kolumne wurde ursprünglich von der Deutschen Welle für Lateinamerika“ publiziert.

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Die Staatssicherheit glaubt, dass sie die Presse mit plumpen Fußtritten mundtot machen kann

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Wir handeln hier nicht mit Bargeld, sondern mit Geschichten, Nachrichten und alltäglichen Dramen. (14ymedio)

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 26. April 2022

Die „ruhelosen Burschen“ der politischen Polizei wissen nicht mehr, was sie erfinden sollen, um unsere journalistische Arbeit zu boykottieren. Heute kamen sie auf die Idee (und nicht zum ersten Mal), meine Mobiltelefonnummer und die meines Mannes in Kleinanzeigen auf mehreren Webseiten bekannt zu machen, zusammen mit dem falschen Hinweis, dass man unter diesen Nummern Dollars, Euros und andere Devisen kaufen kann.

Seitdem klingelt mein Telefon ununterbrochen, jeder eingehende Anruf kappt die Verbindung ins Internet und unterbricht meine Arbeit im Verlag; sogar Interviews  und Zeugenaussagen, die ich für meine Serie Die Mütter des 11.Juli sammle (#madresdel11j), bleiben bei dem Dauerklingeln von verzweifelten Anrufern auf der Strecke, die jeden Cent in Fremdwährung suchen, um dieser Insel entkommen zu können (#islaenfuga).

Das hier ist nur ein „Kinderspiel“ im Vergleich zu dem, was wir seit fast zwei Jahrzehnten bei unserer informativen Arbeit erleben mussten.

Wenn die Agenten der Staatssicherheit glauben, dass sie mit diesen groben Aktionen die Presse knebeln…dann verstehen sie nichts. Das hier ist nur ein „Kinderspiel“ im Vergleich zu dem, was wir seit fast zwei Jahrzehnten bei unserer informativen Arbeit erleben mussten. Ja, ich bedauere all jene, die mich unter der achtstelligen Nummer meines Mobiltelefons anrufen und damit hoffen, Banknoten zu bekommen, um in den infamen Geschäften einkaufen zu können, die nur konvertible Währungen akzeptieren, oder um ein Ticket zu kaufen, das sie an einen anderen Punkt der Weltgeographie bringt.

Sie alle tun mir leid, aber nein. Dieses Telefon ist nicht das einer öffentlichen Wechselstube, sondern das einer Zeitungsredaktion. Wir handeln hier nicht mit Bargeld, sondern mit Geschichten, Nachrichten und alltäglichen Dramen. Was von Wert ist wird hier nicht auf ein Stück Papier reduziert; es ist vielmehr unsere Fähigkeit, die wir als Team haben, über das wahre Kuba zu berichten.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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