Gute Zeiten für das „Paket“

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Ein Kubaner greift von seinem Laptop auf das „Paket“ zu

 

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YOANI SÁNCHEZ | GENERACIÓN Y | 27. Juni 2017 Seit Donald Trumps Ansprache im Manuel Artime Theater in Miami erlebt die offizielle Propaganda Tage der Euphorie. Der Diskurs der Regierung wallt mit solcher Intensität, wie man sie seit der Kampagne für die fünf Spione, die in den USA festgenommen wurden, nicht mehr erlebt hat. Angesichts dieser Übersättigung an Parolen, flüchten sich viele lieber in das „Paket“.

Die kubanische Regierung scheint bei der Verbreitung von Inhalten durch ihre schlimmsten Feinde beraten zu werden, angesichts der exzessiven Ideologie und der Gedenktage bei den nationalen Medien. Das Ergebnis ist ein galoppierender Verlust von Fernsehzuschauern, die lieber auf informelle Netzwerke zugreifen, die audiovisuelle Medien, Serien und Filmen verbreiten.

Jede Zeile einer zornigen politischen Schmährede, die in den Printmedien veröffentlicht wird, bedeutet einen verlorenen Leser, der so viel Rhetorik Leid ist. Es ist leicht, anhand von Kommentaren der Menschen auf der Straße herauszufinden, wie das „Rating“ der Medien, die von der kommunistischen Partei kontrolliert werden, in diesen Tagen einbricht – besonders bei den jüngeren Menschen.

Es ist leicht, anhand von Kommentaren der Menschen auf der Straße herauszufinden, wie das „Rating“ der Medien, die von der kommunistischen Partei kontrolliert werden, in diesen Tagen einbricht – besonders bei den jüngeren Menschen.

In der Vergangenheit hatte der vom vielen leeren Geschwätz ermüdete Zuschauer aufgrund fehlender Alternativen keine andere Möglichkeit, als dieses weiterhin zu ertragen. Heutzutage leben die Kubaner jedoch in Zeiten des USB-Sticks und der externen Festplatte.

Während heute die staatlichen Medien gegen die neue Kubapolitik des Präsidenten der Vereinigten Staaten wettern, wird der informelle Markt mit Unterhaltungsmaterialien überflutet, die rein gar nichts mit Politik zu tun haben.

Eine sehr schlechte Kopie des Filmes „Die Mumie“ mit Tom Cruise, „Wonder Woman“ von Patty Jenkins und die achte Folge von „The Fast and the Furious“ ziehen die Anhänger des „Pakets“ in ihren Bann, was den „Hauptdarstellern“ der Regierung Kopfschmerzen bereitet, da sie nicht wissen, wie diese verlorenen Zuschauer zurückgewonnen werden können.

Es ist bemerkenswert, dass Science-Fiction Filme, Phantasiefilme sowie Autorennen dort Erfolg haben, wo die Politik kontinuierlich an Bedeutung verliert. Die Kubaner flüchten durch Fiktionen aus der Realität und entkommen der Propaganda, indem sie Programme auswählen, die nichts mit der Ideologie zu tun haben.

Übersetzung: Berte Fleißig

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Zwei Sonnenwenden von dem Balkon unserer Redaktion aus

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Die Wintersonnenwende (oben) und die Sommersonnenwende (unten) von unserer Redaktion aus

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YOANI SÁNCHEZ | GENERACIÓN Y | 21. Juni 2017 Es sind sechs Monate vergangen seit am 21. Dezember letzten Jahres ein Foto, aufgenommen auf dem Balkon der Redaktion von 14ymedio, den Moment festhielt, in dem eine rötliche Sonne zum Vorschein kam, deren Untergang Stunden später die längste Nacht des Jahres einleiten sollte. Diesen Mittwoch spiegelt das Bild das gegenteilige Phänomen wider und auf unsere Reporter wartete nun der längste Tag des Jahres: die Sommersonnenwende.

Von dem Stadtbezirk Diez de Octubre bis nach Alt-Havanna zog das rastlose Gestirn über den Himmel vor unserem Balkon. Eine kurze Strecke für das Auge des Betrachters, aber unglaublich bedeutend für Natur und Lebewesen. Die Sonnenwende bedeutet das Ende des Frühlings auf der Nordhalbkugel und den Beginn des „offiziell“ 93 Tage dauernden Sommers, obwohl uns die Thermometer bereits glauben ließen, dass wir bereits mittendrin steckten.

Auf diesem Balkon ist es unmöglich, sich der Tatsache zu entziehen, dass die Sonne heute Mittag höher am Horizont stehen und einige Stunden länger scheinen wird als an den restlichen Tagen des Jahres. Auf der Südhalbkugel wird mit der längsten Nacht des Jahres der Winter eingeläutet. Währenddessen geht auf den Straßen das Leben unwissend darüber weiter, wie über uns die Sterne stehen.

 Innerhalb eines halben Jahres haben wir uns zudem häufig von Freunden verabschieden müssen, die von uns gegangen sind, die offizielle Presse hat sich mit Todesanzeigen gefüllt und der journalistische Elan ist gewachsen

Zugleich beginnt auch die Regenzeit, obwohl sich die Sonne, die auf Kuba auch als „El Indio“ bezeichnet wird, nur ungern von den Regenfällen in den Hintergrund drängen lässt und mit ihren Strahlen dem bereits in Mitleidenschaft gezogenen Boden schadet, der der schlimmsten Dürre des Jahrhunderts ausgesetzt ist.

Es ist wahr, dass wir zwischen heute und morgen kaum einen Unterschied bemerken werden, dass unser Frühling dem Sommer so sehr ähnelt wie man es sich nur vorstellen kann und die Sonne im Juni genauso auf uns herabbrennt wie im August, aber eine Flut von Ereignissen hat sich in den sechs Monaten seit der letzen  Sonnenwende zugetragen: Im Dezember befanden wir uns mitten in einer diplomatischen „Tauzeit“ mit den Vereinigten Staaten und heute klappern wir mit den Zähnen in dieser durch Präsident Donald Trump eingeleiteten politischen Eiszeit.

Innerhalb eines halben Jahres mussten wir uns von vielen Freunden verabschieden, die von uns gegangen sind, die offizielle Presse war voller Todesanzeigen und in unserer Redaktion kamen immer mehr graue Haare zum Vorschein und der journalistische Elan ist gewachsen. Ich wünsche mir nur, dass uns an diesem Tag, dem längsten des Jahres, das Licht in seinem wahrhaftigen und metaphorischen Sinne begleitet und uns Klarheit gibt, damit wir erkennen können, was eine Nachrichtenmeldung ist und was nicht; was uns untergehen lässt und was uns rettet.

Übersetzung: Lena Hartwig

 

 

 

Der Morast des Reichtums

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Es ist nur dann möglich den Reichtum zu beschränken, wenn man festlegt, welche Menge erlaubt ist und ab wann die Grenze überschritten wird.

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 YOANI SÁNCHEZ | GENERACIÓN Y | 2. Juni 2017 Vor beinahe 25 Jahren startete die kubanische Regierung einen Feldzug gegen die illegalen Einnahmen auf der Insel, der mit der Festnahme von dutzenden von Straftätern aber auch von erfolgreichen Unternehmern endete. Es reichte schon aus, wenn man eine frisch gestrichene Fassade hatte, neue Kleidung oder eine Kette aus Gold trug, um inmitten der gefürchteten „Operación Maceta“* angezeigt zu werden.

Im Volksmund begann man über die Verhaftung eines “Neureichen“ im Jahr 2030 zu spotten, der es sich erlaubt hatte drei Dosen Kondensmilch und zwei Besen zu besitzen. Scherze dieser Art zeigten die größte Schwachstelle dieser Razzia gegen die Wohlhabenden. Ab wann kann man sagen, dass jemand vermögend ist oder viel zu viel besitzt?

Der Relativismus, der solche Definitionen umgibt, kam während der letzten außerordentlichen Sitzung des Parlaments erneut zum Vorschein, in der das Verbot des Anhäufens von Besitz und Reichtum Rückhalt fand. Es fehlt nur noch, dass eine solche Beschränkung in das Gesetz aufgenommen wird und eine klare Grenze für den Besitz von Gütern festgelegt wird.

Die Abgeordneten der Nationalversammlung könnten sich der Frage gegenübergestellt sehen, wie viel Geld die Sparer auf ihren Bankkonten haben dürfen, wie viel Kleidung in ihren Schränken zu hängen hat, wie viele Schuhe sie besitzen können und sogar wie viel Shampoo sie benutzen, um sich die Haare zu waschen…

Die meisten derjenigen, die uns diese Verbote aufbrummen müssen nicht einmal in die eigene Tasche greifen, um sich etwas zu Essen zu kaufen.

Diese Aufzählung erscheint absurd, aber es ist nur dann möglich den Reichtum zu beschränken, wenn man festlegt, welche Menge erlaubt ist und ab wann die Grenze überschritten wird. Ohne diese Bestimmungen – in den meisten Fällen lächerlich und vermeidbar – bleibt alles weiterhin subjektiv und der Laune derer ausgeliefert, die bestrafen.

Um diesen legalen Morast noch zu vergrößern, müssen die meisten derjenigen, die uns diese Verbote aufbrummen nicht einmal in die eigene Tasche greifen, um sich etwas zu Essen zu kaufen. Sie leben von ihren Privilegien und einer Gratis-Versorgung, die sie vom Alltag und den Engpässen der meisten Kubaner trennt.

Sie, die so viele Reichtümer gehortet haben, fürchten, dass jemand, der keine Kaserne überfallen, zu den Waffen gegriffen oder Parolen geschrien hat, zu nah an ihren Villen wohnt oder ein Hotel betreibt, das erfolgreicher ist als eines, das von den Streitkräften geführt wird. Ihr größter Albtraum ist es aber, dass dieser jemand die finanzielle Unabhängigkeit erreicht um eine Karriere in der Politik zu beginnen.

Anmerkung d. Übers.:

*Die sogenannte Operación Maceta begann im Jahr 1993 und hatte zum Ziel, illegale Einnahmequellen aufzuspüren und zu unterbinden. Das spanische Wort „Maceta“ bezeichnet auf Kuba jemanden, der viel Geld besitzt.

Übersetzung: Anja Seelmann