Bolsonaro und der Schatten von Lula

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In der Stichwahl hat Haddad für die Korruption bezahlt, die mit dem Namen Lula verbunden ist; Lula war sein Mentor. Davon profitierte Bolsonaro. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ |La Habana | 26. Oktober 2018

Alles ist so eigetreten, wie es die Umfragen vorhergesagt haben; der ultrarechte Jair Bolzonaro ist triumphal aus dem zweiten Wahlgang der brasilianischen Präsidentschaftswahlen hervorgegangen.

Dieser Sieg ist nicht nur auf den Überdruss von Teilen der brasilianischen Bevölkerung zurückzuführen, angesichts von Korruption und Ineffizienz der politischen Klasse, sondern auch wegen der Nähe des Kandidaten Fernando Haddad zu Luiz Inácio Lula da Silva, die zu einem Ballast für ihn wurde.

Während sich Bolsonaro über alle beschwerte, einen Feldzug gegen jedermann führte und dann bei seinen Reden ein paar Grad herunter drehte, fühlte sich Fernando Haddad in Treue mit Lula verbunden, der ihm wie ein Klotz am Bein hing. Die Irrtümer, für die der inhaftierte Ex-Präsident und auch Dilma Russeff verantwortlich waren, folgten dem Kandidaten der Arbeiterpartei (PT; Partido de los Trabajadores) wie sein Schatten.

Haddad, gefangen in der Nähe zu seinem Mentor, konnte die frühere Amtsführung der PT nicht kritisieren und somit auch keinen radikalen Wechsel versprechen. Ebenso wenig konnte er sich von der Person lossagen, die ihm den Weg zu den Präsidentschaftswahlen geebnet hatte.

Vor der Wahl hat Bolzonaro, der Sympathisant der Militärdiktatur, eine kleine Wendung in Richtung Mitte gemacht, um Ängste zu zerstreuen und um mehr Wähler aus jenen Bevölkerungsschichten für sich zu gewinnen, die es bis vor kurzem noch ablehnten, seinen Namen auf dem Stimmzettel anzukreuzen. Seine Reihen wuchsen jeden Tag mit Leuten, die die PT nicht mehr wollten und entschlossen waren, die Regierungsführung einer Gruppe an den Urnen abzustrafen, weil die anfangs eine neue Politik versprochen hatte und im Sumpf von Korruption, Vetternwirtschaft, Vorteilsgewährung und ideologischen Rowdytum endete.

Haddad, gefangen in der Nähe zu seinem Mentor, konnte die frühere Amtsführung der PT nicht kritisieren und somit auch keinen radikalen Wechsel versprechen. Ebenso wenig konnte er sich von der Person lossagen, die ihm den Weg zu den Präsidentschaftswahlen geebnet hatte. Die Strippen, an denen er hing, wurden zu offensichtlich im Gefängnis von Curitiba gezogen, und der Verdacht, dass ein Haddad auf dem Präsidentenstuhl per Dekret Lula da Silva amnestieren und in Freiheit setzen könnte, hat viele davon abgehalten ihn zu unterstützen.

Brasilien hat nicht nur einen neuen Präsidenten gewählt. Mit der Wahl von Bolsonaro versetzten die Bürger der zu autoritären Linken einen verheerenden Schlag, die in vielen Ländern Lateinamerikas vor zwei Jahrzehnten mit dem Aufstieg in höchste Regierungsämter begonnen hatte. Die Epoche, in der Lula auf einem Foto mit der Familie Cristina Fernández de Kirchner posierte, mit Hugo Chavez, Evo Morales Daniel Ortega, Rafael Correa und vielen anderen, diese Epoche erhielt an den Urnen des südamerikanischen Riesen den Todesstoß.

Bei einem so unkalkulierbaren und extremistischen Mann im Präsidentenamt, werden die Analysten nicht aufhören Alarmsignale zu senden.

Die große Frage ist, was jetzt kommt, wenn die „Abstrafung“ Geschichte ist und zum Untergang der PT geführt hat. Wird Bolsonaro sein Verhalten mäßigen können und ein Präsident für alle Brasilianer sein? Wird er Ablehnung und Dogmatismus aus seinen Reden verbannen, um zu vermeiden, dass sich die brasilianische Gesellschaft noch mehr polarisiert? Wird es ihm gelingen, die Arbeitslosigkeit zu verringern und das Land zu seiner früheren wirtschaftlichen Stärke zurückzuführen? Wird sein Mandat dazu beitragen, neue Bündnisse in Lateinamerika zu schließen, bei denen das Wohl der Bürger im Vordergrund steht und nicht Ideologien?

Die Antwort auf alle diese Fragen ist die große Unbekannte. Bei einem so unkalkulierbaren und extremistischen Mann im Präsidentenamt, werden die Analysten nicht aufhören Alarmsignale zu senden. Was immer auch passiert, ein Gutteil der Verantwortung fällt auf die Schultern von Lula.

              Übersetzung: Dieter Schubert

Dieser Text wurde ursprünglich auf der Seite für Lateinamerika der Deutschen Welle publiziert.

 


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