Abwesenheit bedeutet Vergessen

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Selbst wenn Castro heute nach Esmeralda, Punta Alegre oder Corralillo aufbrechen würde, könnte er sich nicht von dem Zweifel abschütteln, dass sein Besuch ehere das Ergebnis von Druck als aus eigenem Willen geschah. (EFE)

14ymedio biggerYOANI SÁNCHEZ | GENERACIÓN Y | 25.September 2017   

Den meisten Politikern im Amt gefällt es sich fotografieren zu lassen, während sie Kinder grüßen, mit den Arbeitern einer Fabrik reden oder ein Katastrophengebiet besuchen. Diese Bilder, von denen es unzählige gibt, bedeuten keine bessere Amtsführung der Regierung, ja nicht einmal ehrliche Sorge, aber sie folgen zumindest dem üblichen Prozedere.

Vor nun mehr als zwei Wochen verwüstete Wirbelsturm Irma zahlreiche Dörfer im Zentrum Kubas, fegte durch Gebiete an der Nordküste und überschwemmte das Küstengebiet Havannas. Raúl Castro hat keinen einzigen der betroffenen Orte besucht. Man sah ihn nicht einmal in der Nähe von Häusern ohne Dächer, von Gehsteigen, auf denen die Möbel in der Sonne trocknen, oder von Unterkünften, in denen sich diejenigen aufhalten, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können.

In den ersten Tagen seiner Abwesenheit spekulierte man noch über den Gesundheitszustand des über Achtzigjährigen und eine mögliche Verhinderung an einer Reise in die betroffenen Regionen. Dennoch hatte Castro genug Energie, um Nicolás Maduro am Flughafen zu empfangen und zu verabschieden. Er entschied sich für ein Foto mit dem venezolanischen Präsidenten, statt mit der vom Sturm betroffen Bevölkerung.

Nachdem Wirbelsturm Irma über Kuba gezogen ist, hat Raúl Castro keinen der betroffen Orte besucht.

Die Gefühle, die durch diese Distanzierung hervorgerufen werden, sind widersprüchlich. Seine treusten Anhänger spekulieren darüber, dass er keine zusätzlichen staatlichen Gelder für einen Besuch, der eher symbolisch als hilfreich wäre, verschwenden möchte. Andere versichern, dass er bevorzugt junge Beamte vor die Kamera treten und an Präsenz gewinnen lässt, da er am kommenden 24.Februar das Amt des Präsidenten niederlegen wird.

Seine Kritiker dagegen sprechen von dem Verdruss, der den General nach einer Reihe von Niederlagen in Beschlag genommen hat. Dazu zählen unter anderem der gescheiterte Versuch eine einheitliche Währung zu schaffen, ausländische Investitionen anzulocken, die Korruption zu verringern, sowie einen gerechten Lohn für Arbeiter einzuführen, der ihnen ein Leben in Würde ermöglicht. Der Anführer der Kommunistischen Partei ist nur wenige Wochen bevor er sein Amt niederlegt von Müdigkeit befallen worden.

Nun ist es längst zu spät für ein Bild mit den Betroffenen. Selbst wenn Castro heute noch nach Esmeralda, Punta Alegre oder Corralillo aufbrechen würde, den Verdacht, dass der Besuch eher das Ergebnis des öffentlichen Drucks wäre und nicht sein eigener Wunsch, würde er nicht loswerden. Eine Momentaufnahme mit einer alten Frau, von deren Haus nur noch die Grundmauern übrig sind, wäre ein populistischer Akt. Aber das Fehlen dieses Fotos lässt ihn distanziert und gleichgültig wirken.

Wenn er dorthin geht, wo Irma eine Spur der Verwüstung zurück gelassen hat, verliert er, wenn er in seinem Palast bleibt verliert er aber ebenso.

        Übersetzung: Anja Seelmann

 

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