Was diskreditiert den kubanischen Peso mehr?

Die Regierung hat ein System geschaffen, in dem Kubaner getrennt voneinander leben, abhängig von der Währung, über die sie verfügen. (Screenshot)

Text im Bild: In diesem Geschäft werden Waren angeboten, deren Bezahlung ausschließlich mittels Magnetstreifenkarten erfolgt, die von einer frei konvertierbaren Währung gedeckt sind. Die Preise sind in US-Dollar angegeben.

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 2.Juli 2021

Schon ehe er festgenommen und in die Kaserne der Staatssicherheit gebracht wurde, haben offizielle Stimmen den Künstler Hamlet Lavastida beschuldigt, dass er das Beschriften von Banknoten des kubanischen Peso (CUP) unterstützt habe, die auf der Insel im Umlauf sind. Jetzt, eingesperrt in Villa Marista, versuchen die Ermittler die Beschuldigung in eine Straftat umzuwandeln, die Lavastida hinter Gitter bringen würde. Aber die Anschuldigung lahmt aus mehreren Gründen, die teils rechtlicher, teils ethischer, aber vor allem geldpolitischer Art sind.

Die nationale Währung, deren Geldscheine das Gesicht verschiedener Helden aus dem Unabhängigkeitskrieg zeigen, wurde systematisch von den Behörden selbst befleckt, die sie auch herausgegeben haben. Der Peso wurde entehrt, als man ihn − vor mehr als einem Vierteljahrhundert − zu einer Zweitwährung verurteilte, die nicht dazu taugte, in gutsortierten Geschäften einzukaufen − in den sogenannten shoppings, die mitten in der Krise öffneten. Eine Währung, herabgestuft von ihrem geringen Wert, verurteilte den zu Armut, der sie im Geldbeutel hatte.

Ich erinnere mich daran, Arbeiter in verschlissener Kleidung gesehen zu haben, die, als sie an die Kasse eines Marktes kamen, die mitgebrachte Ware nicht bezahlen konnten. „Das ist in Dollar“, sagte ihnen die Kassiererin in einem gewissen Unterton. Unser Geld war auch nicht geeignet, um einen Vertrag für ein Mobiltelefon abzuschließen, eine Nacht in einem Hotel zu bezahlen oder ein Ticket für eine Auslandsreise zu kaufen. Sie haben den Peso soweit herabgewürdigt, dass, zieht man einen solchen Schein aus der Tasche, dies immer noch mehr ein Zeichen von Scham ist, als eines von Stolz.

Unser Geld war nicht geeignet, um einen Vertrag für ein Mobiltelefon abzuschließen, eine Nacht in einem Hotel zu bezahlen oder ein Ticket für eine Auslandsreise zu kaufen.

Es reicht, dass man die drei Buchstaben CUP liest, um zu wissen, dass wir jetzt einen minderwertigen Service zu erwarten haben, eine viel schlechtere Behandlung als Kunde und eine Ware von geringer Qualität. Unseren Peso für jeden Tag hat die kubanische Zentralbank diskreditiert, weil sie einen Rivalen schuf, den CUC − den konvertierbaren Peso − der bunter und mächtiger ist, und seit mehr als 25 Jahren einen Schatten auf den kubanischen Peso wirft, wo der doch die wichtigste Währung des Landes sein sollte. Diese gemeinhin chavitos genannten Geldscheine sind eine größere Beleidigung für die nationale Währung, als irgendein ein Satz oder gar ein Schimpfwort, das ein empörter Bürger auf das Wasserzeichen druckt.

Die Idee von Lavastida neben das Gesicht von José Martí 27N*) zu schreiben, ist nicht das, was eine Banknote in Verruf bringt oder sie gar beleidigt. Es war das wirtschaftliche Missmanagement, die historische und offizielle Verachtung des kubanischen Peso und die Trennung von Bürgern, die in Geschäften mit frei konvertierbarer Währung einkaufen können, von jenen anderen, die nur über den CUP verfügen. Außerdem gibt es Aushänge an den Türen gewisser staatlicher Ämter „Bezahlung nur mit Master-oder Visa Card“, die jede CUP-Banknote mit Dreck und Blut besudeln. Das ist tatsächlich eine Beleidigung des Peso und eine enorm strafbare Handlung.

            Übersetzung: Dieter Schubert

Anmerkung des Übersetzers:

*) 27N ist eine Gruppe von Künstlern, Intellektuellen, Cineasten, Aktivisten und unabhängigen Journalisten, die Meinungsfreiheit und das Ende der Zensur fordert.

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