Bluetooth: Es ohne Worte mitteilen

Sie waren drei Meter von einander entfernt und richteten ihre Mobiltelefone aus – wie zwei Cowboys bei einem Duell – um den Videoclip „Decadencia“ und die neusten Fotos von Carlos Lage zu übertragen. Die Information flog durch die Luft und wurde im Speicher jedes Telefonapparats abgelegt. Sie hinterließen keine Spur der Übertragung, noch nicht einmal diejenigen, die in der Nähe standen, bemerkten, dass fast fünfzig Megabytes den Park in einigen kurzen Minuten durchquert hatten. Bei Fortschreiten der Nacht gaben sie das „Material“ an ein Dutzend Freunde weiter, welche es am nächsten Tag an weitere fünfzig übertrugen.

Die Bluetooth-Technologie ist der Albtraum der Zensoren. Verbotene Bücher im pdf-Format, Lieder, die man nie im Radio hört, auf der Insel blockierte Blogs, und alle Arten von Nachrichten, die in den offiziellen Medien fehlen, werden mit Hilfe dieser Radiofrequenzen übertragen. In der Hauptstadt ist es ein wachsendes Phänomen, besonders unter den Jüngeren. Es gibt sogar Leute, die ein Mobiltelefon nur deshalb bei sich tragen, um es als Mittel zum Speichern und Tauschen von Fotos, Musik und Videos zu nutzen, da sie die hohen Preise des Mobiltelefonierens nicht bezahlen können.

Dinge, die man nicht berühren kann, bahnen sich einen Weg in dieser Gesellschaft, wo das Drucken und Verteilen einer Bekanntmachung uns wegen des Delikts der „feindlichen Propaganda“ ins Gefängnis bringen kann. Zahlreiche, ausschließlich virtuelle Zeitungen erblicken das Licht der Welt, während eine Kultur des Digitalen diejenigen ins Abseits stellt, welche denken, dass Revolutionen nur mit Waffen und Reden gemacht werden. Für sie sind diese „omnidirektionalen“ Wellen reines Kinderspielzeug. Es ist besser, dass sie dies glauben. Wenn sie deren Wichtigkeit endlich erkannt haben, dann wird das Drahtlose schon längst all jene Fäden wieder verbunden haben, welche zwischen uns Bürgern systematisch abgeschnitten worden sind.

Übersetzung: Werner Jäckle

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2 Gedanken zu „Bluetooth: Es ohne Worte mitteilen

  1. Den Fortschritt in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf! Wie weise und zeitgemäß dieser Spruch ist, zeigt sich heutzutage in Kuba. (auch wenn das Wort Sozialismus bzw. Kommunismus durch Fortschritt ersetzt wurde)
    Die Informationstechnik ist schon immer schneller als ihre Gegner gewesen.Elektronikersatzteile gehören deshalb zu meinem nächsten Reisegepäck!

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