Hähnin*

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Ein eigenartiges Jahresende ist das, in dem sich die Überraschungen häufen, die Weihnachtsbäume zurückkehren und Sexualwissenschaftlerinnen beginnen, die Sprache der Chauvinisten zu benutzen. Mariela Castro hat mich „Hähnin“ genannt und, in ihrer Fachsprache von Geschlecht und Sexualität, besitzt das Wort homophobe Konnotationen. Vielleicht gelingt es mir nicht, zu verstehen, was sie mir mit dem Anhängen einer männlichen Rolle in einem weiblichen Substantiv sagen will, weil ich eine Unkundige von Fachbegriffen ihres Spezialgebietes bin, wobei ich, bezogen auf das Grammatikalische, mich durchaus rühmen kann, etwas davon zu verstehen. Ob sie wohl glaubt, dass ich Männerarbeiten mache, weil ich Rechte einfordere und Respekt vor anderen politischen Positionen verlange? Ich sehe keine Federn an meinem Schwanz, aber wenn ich, um ein besonders wohlgeratenes Huhn zu sein, akzeptieren muss, dass eine Gruppe von Siebzigjährigen – alles Männer – über jeden Aspekt meines Lebens entscheiden, dann habe ich eine Neigung zum Transvestiten und mache „Kikerikie“ wie der Hahn mit den meisten Hormonen im Gehege.

Reinaldo lacht sich schlapp, während er in seiner geblümten Schürze steckt und bestätigt, dass ich sehr wohl eine Hähnin mit scharfen Spornen bin. Ich stimme mit der Spezialistin darin überein, dass ich „unbedeutend“ bin, eine anonyme junge Broilerin**, die es durch ihr put put geschafft hat, den edlen Streithähnen Unbehagen zu bereiten. Diese sind so ungeübt im Debattieren, dass sie bei der geringsten Meinungsverschiedenheit aufspringen und die Federn fliegen, indem sie nach allen Seiten hacken. Sie fühlen sich unwohl und beginnen schließlich zu sprechen, und da – tief drinnen – erkennen wir das hässliche Gedärm der Intoleranz, das heute soviel dafür tut, sich zu tarnen.

Anmerkung der ÜbersetzerInnen:

* Im Original: „Gallita“, ein Wortspiel, bei dem aus dem Wort „Gallito“ (Maskulinum) ein weibliches Wort gemacht wird, das so im Spanischen nicht existiert. „Gallito“ bedeutet auch Angeber, Aufschneider. „Gallito“ ist außerdem die Verkleinerungsform des Wortes „gallo“ (Hahn).
** Im Original: „Pollona“, ebenfalls ein Wortspiel, genau wie bei „Gallita“: Aus dem weiblich konnotierten, aber dennoch grammatikalisch männlichen „pollo“ wird ein weibliches Wort gemacht, das so im Spanischen nicht existiert.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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