Tierfutter, und dann….mehr Tierfutter

cerdos

Um 5 Uhr morgens fangen sie an, die wenigen Stücke Schweinefleisch auf den Stand abzuladen. Sie haben eine lange und beschwerliche Fahrt von einem privaten Bauernhof hinter sich, um diesen Markt in der Stadt zu erreichen. Lediglich während der Hälfte des Vormittags wird Fleisch angeboten, denn die Nachfrage übersteigt das, was die Verkäufer anbieten können. Ein großer Teil der heimischen Wirtschaft wird durch dieses Produkt bestimmt. Deren Vorankommen wird den Preis eines Steakbrötchens verteuern, das der Maurer bei der Arbeit isst, wie auch den der Chicharrones, die die Mutter ihren Kindern zum Mittag auftischt. So viele Dinge drehen sich um “Pfunde Schweinefett“, um Knochen und Muskelfasern, dass eine Unterversorgung bzw. ein Mangel stets das tägliche Überleben betrifft.

Doch hinter Koteletts und Chorizo verbirgt sich ein Produkt, das genauso wichtig wie schwer zu bekommen ist: Futtermittel für Schweine. Als schwächstes Glied in der Agrarkette bereitet das Schweinefutter vielen kubanischen Bauern großes Kopfzerbrechen. Der Staat bleibt weiterhin der wichtigste Fabrikant dieses Produkts, zum Teil wegen der Tatsache, dass der private Sektor weder über Rohstoffe verfügt, noch auf technische Kapazitäten zurückgreifen kann, um es zu erzeugen.

Nach jahrzehntelang angehäuften Klagen und untergewichtigen Tieren, hat man es in Kuba immer noch nicht geschafft, eine stabile und hochwertige Ernährung für Nutztiere zu sichern. Bei einer Fahrt über die fruchtbaren Ebenen im westlichen und zentralen Teil der Insel, wird man von großen Flächen von unbebautem Land überrascht. Hier könnten Getreide und Gemüse angebaut werden, die unter anderem helfen würden, die Menge an Schweinefleisch im Land zu erhöhen. Im Moment jedoch überlässt man die weitläufigen Gebiete dem Unkraut.

Viele Produzenten kaufen die Schweine – nach dem Absetzen vom Mutterschwein – von Staatsbetrieben, ebenso wie einen Teil des Futters, das diese fressen. Der Landwirt geht eine Schuldverpflichtung ein und begleicht seine Rechnung mit den Tieren selbst, wenn diese ihr Schlachtgewicht erreicht haben; etwas Gewinn bleibt für ihn übrig. So betrachtet scheint es ein fairer Deal zu sein. Dennoch wird der ganze Ablauf bestimmt durch Regelwidrigkeiten, dem Abzweigen von Ressourcen und von Korruption. Funktionäre des landwirtschaftlichen Sektors fälschen manchmal das Gewicht der an die Bauern gelieferten Schweine indem sie es künstlich nach oben erhöhen und wenn sie sie später wieder bei denen abholen, verringern sie es. Darüber hinaus ist die Verteilung der Futtermittel unvollständig, oder es kommt gar nicht erst dazu.

Um die Tiere dennoch mästen zu können, greift der private Produzent nun auf für Verbraucher gesundheitschädigende Verfahren zurück. Überdosen von Antibiotika, Lebensmittelreste von Mülldeponien, bis hin zu Eingeweiden und Überresten von Schweinen selbst. In einigen Fällen wird Fischmehl das Einzige sein, was die Schweine in ihrem kurzen Leben zu fressen bekommen; das gibt vielen kubanischen Gerichten den so charakteristischen Geschmack.

Wenn der Preis für Schweinefleisch in die Höhe geht, lässt sich das in den meisten Fällen auf Futtermittelknappheit zurückführen; eine enge Beziehung, die sowohl die heimische Wirtschaft als auch die Lebensqualität vieler Kubaner beeinträchtigt. Es beginnt bei einem Sack Futter, der nicht rechtzeitig am Futtertrog eines Bauernhofes ankommt, und endet bei der Frau, die mit einer leeren Tasche vom Markt nach Hause geht.

Übersetzung: Valentina Dudinov

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