Muttertag oder „eine Mutter heutzutage“

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(Geschrieben am Sonntag, dem 11. Mai, beim Warten auf eine funktionierende Internetverbindung, die erst heute zustande kam)
Mein Sohn wird zum Mann und fordert bereits seinen eigenen Raum ein. Momentan ist sein Territorium eher begrenzt: Ein einzelnes Zimmer; das übliche Chaos desjenigen, der auf die langweilige Ordnung der Dinge nicht weiter Acht gibt und nach der anarchischen Losung „Ich mache, wonach mir gerade der Sinn steht“ lebt. Ich kann bereits jetzt die Zusammenstöße erahnen, wenn sich seine Bedürfnisse nach Autonomie auf seine Stadt und das gesamte Land ausweiten werden. Wenn das eroberte Zugeständnis, seine Ikonen an die Wände heften zu dürfen, dem unausweichlichen Drang Platz machen wird, irgendeine „unbequeme“ Vorliebe zum Ausdruck bringen zu müssen.
Der Tag wird kommen, an dem ihm die Frisur, die Mode oder die Musik nicht ausreichen werden, um sich „anders“ zu fühlen. Er wird also ein Querulant werden, ein Reaktionär oder Extremist, und dies mit der uneingeschränkten Komplizenschaft – und das meine ich sehr ernst! – seiner Erzeugerin. Ich denke gar nicht daran, ihn aus dem Haus zu werfen, ihn wegen seiner Taten zu denunzieren, seine Handlungen zu verurteilen oder etwa – um mich aus der Verantwortung zu stehlen – zu erklären, dass ich ihn „zu so etwas nicht erzogen hätte“.
Schließlich hat er sich auch mit mir abfinden und mich erdulden müssen. Was auch immer er werden wird: Sonderling, Pyromane, Rebell, oder gar gleichgültig, er wird immer auf mich zählen können. Eigentlich sollte ich ihn fragen, ob er für mich dasselbe tun würde. Ob nicht eines Tages dieser Blog, meine Geschichte, meine Exzesse zu schwer auf seinem Leben lasten werden.

Übersetzung: Bettina Hoyer, Heidrun Wessel, Sebastian Landsberger

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