Der andere Papst

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Foto: Johannes Paul II. 1998 in Kuba

Es sind noch Monate, bis der Papst Joseph Ratzinger nach Kuba kommt und doch lässt sich von fern schon etwas Weihrauchgeruch erahnen. In einem Land, wo viele tagsüber in der Kirche beten und nachts eine Kerze vor einer afrikanischen Gottheit anzünden, entfacht der Besuch seiner Heiligkeit Begeisterung, aber auch Neugier. Während die Katholiken ihre Liturgien und einen prunkvollen Empfang von Benedikt dem XVI. vorbereiten, fragen sich viele andere, ob seine Ankunft irgendeine bedeutsame Veränderung in der politischen und sozialen Situation der Nation bringen könnte. Die Leute möchten glauben, der Heilige Vater werde mit seinem Kommen dem Reformprozess von Raul Castro einen Impuls geben und ihm zu größerer Schnelligkeit und Gründlichkeit verhelfen. Die größten Illusionisten träumen sogar davon, dass der bedeutendste Würdenträger aus dem Vatikan das erreichen wird, was eigentlich ein Volksaufstand erreichen sollte: eine wahrhafte Veränderung.

Es gibt zu viele Unterschiede zwischen diesem Monat März, in dem seine Heiligkeit auf dem Flughafen von La Habana landen wird und jenem Januar 1998, als es Juan Pablo II. tat. Er war bekannt unter dem Namen „Reise- Papst“ und ihm eilten Geschichten voraus, die ihn mit dem Fall der Regierungen in Osteuropa in Verbindung brachten. Ratzinger jedoch wird zu einem Zeitpunkt ankommen, in dem es bereits eine ganz Generation von Kubanern gibt, die nach dem Fall der Berliner Mauer geboren wurde und die nicht einmal mehr weiß, was die Abkürzung UDSSR bedeutet. Ende der neunziger Jahre ließ Karol Wojtyla unsere Herzen entflammen, – sogar Agnostikern wie mir- als er mehr als ein Dutzend Mal das Wort „Freiheit“ auf dem Platz der Revolution aussprach. Doch jetzt werden Apathie und Mutlosigkeit es schwer machen, dass die Sätze von Ratzinger die gleichen Gefühle hervorrufen. Sein Besuch wird nur ein schwacher Abglanz von jenem anderen sein, denn wir sind nicht mehr dieselben und es ist auch nicht derselbe Papst.

Übersetzung: Iris Wißmüller
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3 Gedanken zu „Der andere Papst

  1. Ricardo, in China wird ein Sack Reis umfallen und keiner wirds beachten.
    Aber, die katholische Kirche ist für ihre Geduld berüchtigt und gefürchtet.
    Und sie soll schon BETRÄCHTLICH zum Sturz von ganzen Systemen verantwortlich sein;
    Nicht umsonst weht Coca-Cola über dem Kreml. Kuba ist im weltpolitischen Poker so unwichtig,
    dass selbst der imperiale Klassenfeind gelassen darauf wartet, dass die Diktatur von sich aus…
    implodiert. Die Hunde bellen, die Karawane zieht weiter – so einfach ist das mit Kuba.
    Schade nur um die verlorene Zeit für die jungen Leute. Jammerschade um jedes verlorene Jahr!

  2. Nicht so pesimistisch, Yoani

    Die Heilige Messe am Plaza wird sich in einen Volksaufstand verwandeln. Das Fresk vom Che auf dem MININT Gebäude wird einfach zu Boden fallen – so laut werden die Kubaner betten. Es wird symbolich! Nur mit Rosenkränzen bewaffnete Massen weden das nahstehende Zentralkommitte der Partei stürmen. Die Polizei wird aus Angst in amerikanischer Botschaft um Asyl nachsuchen. Die Armee wird sich selbst auflösen.

    Die Grenze wird fallen. Miami-Kubaner werden die Immobilien zurückholen, Yoani wird Miniserpräsidentin, die USA werden Internet für alle Schulen spendieren und auch Deutschland wird dabei: 10 000 Sozialbeamten werden die Kubaner aufklären: was ist Harz IV?

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