Verschmutzung ohne Bestrafung

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Arsen, Erdöl und Plastikmüll überfluten die Bucht von Cienfuegos. (14ymedio)

14ymedio biggerYOANI SÁNCHEZ | La Habana | 7. Juni 2018  

Die Aktivisten kommen in den Regenwald, um mit ihren Händen in Erdöl zu versinken, das die Pflanzen des Waldes bedeckt, tausende Kilometer entfernt hängt ein Banner an einem Heißluftballon, dessen Aufschrift die CO2 Emissionen verurteilt, und vor einer großen Bohrplattform für Erdöl protestiert eine Gruppe von Menschen. Diese Art von Aktionen sieht man auf Kuba kaum und das nicht gerade, weil man die Umwelt dort respektiert.

 Vergangene Woche wachten die Bewohner von Cienfuegos mit der Nachricht eines Ölunfalls in ihrer Bucht auf. Die extremen Regenfälle des Sturms „Alberto“ ließen die Aufbereitungsbecken der nahegelegenen Raffinerie überlaufen und 12.000 Kubikmeter Flüssigkeit gemischt mit Erdöl gelangten ins Meer. Die offiziellen Nachrichtensprecher beeilten sich den Schaden zu minimieren und der Minister für Wissenschaft, Technologie und Umwelt (CITMA) schwieg komplizenhaft.

 Keine Umweltschutzorganisation postierte sich mit Schildern vor der Raffinerie, kein einziger Chemieingenieur erhob seine Stimme in den nationalen Medien, um vor der Gefahr für die menschliche Gesundheit zu warnen und man hörte auch keine Meeresbiologen, die auf die negativen Effekte für die dortige Fauna hinwiesen. Die offizielle Version setzte sich durch und im Fernsehen sah man eine Gruppe lächelnder Arbeiter, die die mit Flecken beschmutzten Touristenschiffe reinigten.

Keine Umweltschutzorganisation postierte sich mit Schildern vor der Raffinerie, kein einziger Chemieingenieur erhob seine Stimme in den nationalen Medien, um vor der Gefahr für die menschliche Gesundheit zu warnen.

Die von den Verantwortlichen der Raffinerie in Cienfuegos begangenen Fehler wurden nicht analysiert und kein offizieller Reporter hinterfragte bei dem Unternehmen den schlechten Umgang mit Abwässern, der zu einer Umweltkatastrophe führte. Wie in so vielen bekannten Fällen erlaubte es die mangelnde Unabhängigkeit der Justiz, der Presse und der sozialen Einrichtungen, dass eine Tat straffrei blieb, die große Schlagzeilen, Strafzahlungen und öffentliches Engagement verdient hätte, damit sich so etwas nicht wiederholen kann.

 Mit derselben Akzeptanz und dem „Schutz“ des Staates werden in Autowerkstätten Kohlenwasserstoffe in Abflüsse gekippt; Polikliniken werfen ihren medizinischen Abfall in die Müllcontainer der Nachbarschaft und mehrere Unternehmen entsorgen weiterhin ihre üblen Abwässer in den Flüssen, wie in dem traurigen Fall des Almendares, der durch Havanna fließt.

 Der Staat bestraft sich selbst nicht für dieses umweltschädigende Vorgehen und aufgrund mangelnder Freiheiten kann die Zivilbevölkerung nicht drastisch und öffentlich Stellung nehmen. Mit Ausnahme von kleinen Umweltschutzgruppen, die am Flussufer Müll einsammeln, oder von Webseiten, die eine umweltbewahrende Kultur unterstützen, mangelt es Kuba an Umweltbewegungen, mit der Möglichkeit Druck auszuüben, mit einem Sitz im Parlament, um anzuprangern und der Fähigkeit, in den Straßen zu demonstrieren, um das Naturerbe zu verteidigen.

 Ohne diese Stimmen ist das Ökosystem der Insel Nachlässigkeiten, Gräueltaten und Schweigen hilflos ausgeliefert.

         Übersetzung: Lena Hartwig


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