Was wird Kuba tun?

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Maduro leistet den Amtseid, begleitet von den Protesten einer starken Opposition, die sein Mandat nicht anerkennt. (EFE/Cristian Hernandez)

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 CARLOS ALBERTO MONTANER |Miami | 3. Februar 2019

Das Regime von Maduro geht unter. Was wird Kuba tun? Letzten Umfragen zufolge wollen 83,7% der Venezolaner händeringend diesen übergewichtigen und einfältigen Señor loswerden. Man setzt dabei auf den Ingenieur Juan Guaidó. Nur 4,6% unterstützen Maduro. Der Rest enthält sich der Stimme oder hat dazu keine Meinung.

Guaidó hat die Bevölkerung klar auf seiner Seite und er erhält die Unterstützung von mehr als 50 demokratischen Ländern und von den am höchsten anerkannten internationalen Organisationen: OEA (Organisation Amerikanischer Staaten), BID (Interamerikanische Entwicklungsbank), das Parlament der EU, die Lima-Gruppe. Maduro, dagegen, erhält Rückhalt vom Iran, von Russland, der Türkei, Bolivien, Kuba, Nicaragua, El Salvador, und von der lautstarken kolumbianischen Drogen-Guerilla, die ihre Camps in Venezuela hat: die FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) und die ELN (Nationale Befreiungsarmee Kolumbiens).

Ich wiederhole: Was wird Kuba tun? Die kubanischen politischen Akteure sind in der Analyse einer Meinung; aber das zeigt sich nur in (nicht ganz so) geheimen Dokumenten, die sie fast täglich im Diplomatengepäck nach Havanna schicken. Sie trauen weder dem Telefon noch dem Internet und auch nicht den verschlüsselten Botschaften. Mittlerweile hat Rogelio Polanco, der kubanische Botschafter in Venezuela, die Chavisten dazu aufgerufen Widerstand zu leisten. Vor kurzem tat er dies bei der Eröffnung des Lehrstuhls „José Martí-Fidel Castro“ an der Nationalen Experimentellen Universität „Simón Rodriguez“ in Petare. Kuba, sagte er, konnte die jahrzehntelange Belagerung durch die Vereinigten Staaten überstehen. Venezuela kann dasselbe erreichen, wenn es „Schützengräben aushebt und in Stellung geht. Der Befehl lautet: Widerstand leisten! Kuba, heldenmütig, ist bereit bis zum letzten Venezolaner zu kämpfen“.

Polanco weiß, dass das, was er sagt, nicht stimmt; aber er kam nicht in dieses Amt um die Wahrheit zu sagen, sondern um die venezolanische Unterstützung und die Subventionen für die Insel zu retten. Das ist seine Mission. Er ist ein Journalist, mit Beziehungen zum Geheimdienst, aus dem ein Diplomat wurde, kein Professor für Ethik. Man sieht aber, dass die Diskrepanz zwischen dem was er sagt und dem was er sagen muss ihm Unbehagen bereitet. Denn Polanco weiß sehr wohl, dass das Chaos in Venezuela noch wesentlich größer ist, als auf Kuba.

Polanco hält Maduro − wie fast der gesamte kubanische Machtapparat − für einen Schwachkopf, muss ihn aber anlächeln.

Polanco hält Maduro − wie fast der gesamte kubanische Machtapparat − für einen Schwachkopf, muss ihn aber anlächeln. In Venezuela beträgt die jährliche Inflation mehrere Millionen. Die Unterversorgung ist absolut. Der Mangel an Medikamenten grenzt an Kriminalität. Die Mordrate ist extrem hoch. In Caracas gewaltsam zu sterben ist wahrscheinlicher, als in Kabul. Hinzu kommt der Entschluss der Vereinigten Staaten, die Diktatur Maduros zu beerdigen, ehe der Zusammenbruch Venezuelas und der nicht mehr kontrollierbare Exodus die gesamte Region noch mehr in Mitleidenschaft ziehen.
Seit dem Tod von Kennedy wurde die kubanische Diktatur von Washington toleriert.

Zunächst, wegen der Unterstützung durch die Sowjetunion, dann wegen der Überzeugung, dass sie ohnehin zum Untergang verurteilt ist und dass der Versuch, sie zu liquidieren, das Risiko nicht wert ist. Dies habe ich oft in den Vereinigten Staaten gehört. Im Hinblick auf die Ungewissheit bei einem krachenden Zusammenbruchs des Landes, favorisierte man die Idee nichts zu tun, aus Angst vor einem ausuferndem Exodus und vor den enormen Kosten ein Land wieder aufzubauen, das jahrzehntelang von einer kommunistischen Führung vernachlässigt wurde.

Warum mit Kanonen auf einen Moskito schießen, wenn der ohnedies bald stirbt?

Sogar Clinton billigte Castro zwanzigtausend Visa im Jahr zu, um ihn zu beschwichtigen. Das diente ihm als Ventil. Es bestand kein Grund zur Eile. Insgeheim existierte die Vorstellung, dass es Sache einer anderen Administration wäre, sich mit dem unvermeidlichen Ende des Castrismus auseinanderzusetzen.

Warum mit Kanonen auf einen Moskito schießen, wenn der ohnedies bald stirbt?
Diese Haltung hat nichts mit dem aggressiven Verhalten der Trump-Regierung zu tun, die entschlossen ist, Maduro mit Sanktionen solange unter Druck zu setzen, bis er aufgibt. Auf dem Finanzsektor sind die Vereinigten Staaten der Hausherr der Welt. Die USA halten 22% des weltweiten BIP, und 80% der wirtschaftlichen Transaktionen werden über das amerikanische Bankensystem in Dollar abgewickelt. Das würde es beispielweise den USA ermöglichen, Geldüberweisungen nach Kuba zu verbieten und Länder, die das Embargo verletzen, wie Feinde zu behandeln. Binnen 60 Tagen würde sich die große kubanische Armut in ein absolutes Elend verwandeln, was das Fass zum Überlaufen brächte.

Ich komme auf meine Anfangsfrage zurück: Was wird Kuba tun? Es deutet alles darauf hin, dass man die Venezolaner auffordert Widerstand zu leisten und dann heimlich die kubanischen Truppen abzieht, die Inspektoren zurückholt und kompromittierende Inhalte auf Festplatten löscht. Die kubanische Regierung ist völlig unproduktiv, aber ein wesentlicher Charakterzug von Raúl Castro ist seine Besonnenheit. Fidel hätte anders gehandelt, wesentlich verrückter, wie damals, als er die UdSSR dazu aufforderte, sie sollten mit ihren Raketen „präventiv“ die Vereinigten Staaten vernichten. Aber zum Glück für alle Kubaner, Fidel liegt begraben auf dem Friedhof ‚Santa Ifigenia‘ in Santiago de Cuba − sagt man zumindest.

            Übersetzung: Dieter Schubert


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