Die Solidarität der Bürger nach dem Tornado ist ein Zeichen für eine lebendige Zivilgesellschaft.

ciudadana-damnificados-esperanzas-naturaleza-organizacion_CYMIMA20190205_0005_13

Das Engagement der Bürger, denjenigen zu helfen, die durch den Tornado geschädigt wurden, gibt Hoffnung auf die Art und Organisationsfähigkeit der kubanischen Zivilgesellschaft. (14ymedio)

14ymedio bigger

YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 5. Februar 2019

In diesen Tagen haben wir bewegende Zeichen der Solidarität mit den Opfern des Wirbelsturms gesehen, der Havanna getroffen hat. Taxifahrer, die ihre Taxis kostenlos zur Verfügung stellen um Spenden zu transportieren; private Restaurants, die Essen unter denen verteilen, die alles verloren haben; Künstler, die Wasser in die am stärksten betroffenen Gebiete transportieren und Ausgewanderte, die mit Kampagnen zum Spenden von Lebensmitteln aufrufen, die dann auf die Insel geschickt werden. Oftmals sind die Protagonisten dieser Hilfe Menschen, die selbst sehr wenig oder fast nichts haben.

Das Entstehen dieser spontanen und uneigennützigen Bürgerreaktion verspricht Hoffnung, was die Natur und die organisatorischen Fähigkeiten der kubanischen Zivilgesellschaft angeht. Obwohl die Initiativen nicht auf die Koordination von Massenmedien zählen konnten und nicht selten mit dem Unverständnis der lokalen Behörden kämpfen mussten, sowie mit dem Versuch der Plaza de la Revolución (Regierung) die Lieferung von Spenden zu monopolisieren, sind Effizienz und Volumen der gesammelten Spenden beeindruckend.

Nach Jahrzehnten, in denen das Recht auf Versammlungsfreiheit nicht gewährleistet war, gibt es auf dieser Insel noch die Bereitschaft und das Engagement, eine humanitäre Spendenkampagne zu organisieren, die autonom und effektiv arbeitet.

Ebenso gibt die Tatsache Hoffnung, − nach Jahrzehnten, in denen die Versammlungsfreiheit nicht gewährleistet war und nur offizielle Organisationen erlaubt waren − dass es auf dieser Insel noch die Bereitschaft und das Engagement gibt, eine humanitäre Spendenaktion zu organisieren, die autonom und erfolgreich arbeitet. Hervorzuheben sind die selbstständigen Einzelhändler, nach jahrelang unter den Anschuldigungen litten, sich zu bereichern oder „besser leben zu wollen“ als das Volk. Ganz besonders sie haben ihren Teil zur humanitären Hilfe beigetragen.

Die Solidaritätsbekundungen stammen von Restaurants wie „D´ la abuela“, die ein wirksames System etabliert haben, mit dem jeder Interessierte online ein Tagesgericht kaufen kann, um dieses dann in die am stärksten betroffenen Viertel Luyanó, Regla, Santo Suárez und Guanabacoa zu bringen. Auch Musiker tragen ihren Teil zur Hilfe bei, sie geben Konzerte in privaten Räumlichkeiten und sammeln Geld. Zu erwähnen ist auch das Verhalten unabhängiger Reporter, die nicht nur direkt von den Opfern berichten, sondern auch helfen, Informationen zusammenzustellen, sodass die Hilfe die Betroffenen direkt erreicht.

Sie alle sind die Helden dieser Tage, vor allem, weil sie für ihr Tun weder entlohnt werden noch „von oben“ dazu aufgerufen wurden, Trümmer wegzuräumen oder zu trösten. Hinter ihrem Engagement steckt der Wunsch helfen zu wollen, sowie das Gefühl, dass das Individuum in einer Zivilgesellschaft wichtig ist. Wie in einem großen Ameisenstaat tragen die kleinsten Gesten un die einfachsten Mittel dazu bei, das gemeinsame Bauwerk einer Bürgerschaft zu errichten und zu erhalten.

Ein Riesen Applaus für Alle.

Übersetzung: Berte Fleißig


Das Team von 14ymedio setzt sich für einen seriösen Journalismus ein, der die Realität Kubas in all seinen Facetten widerspiegelt. Danke, dass Sie uns auf diesem langen Weg begleiten. Wir laden Sie ein, uns weiterhin zu unterstützen, diesmal aber durch die Mitgliedschaft bei 14ymedio. Gemeinsam können wir den Journalismus auf Kuba weiter voranbringen.