Die Geschichte von einem Pfusch

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Kluge Zeitgenossen forschen nach, warum derselbe Rohrabschnitt der Wasserleitung immer wieder bricht, obwohl er nicht in einer viel befahrenen Straße liegt. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 11. September 2018

Die Nachbarn, die an dem großen Loch vorübergehen, kratzen sich verwirrt am Kopf, da sie das Gefühl haben ein Déjà-vu zu erleben. An Gründen für diese Verwunderung mangelt es nicht, da der Wasserrohrbruch, der zur Sperrung der Conill Straße führte, in weniger als drei Jahren vier Mal repariert wurde.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist. Ein Großteil des Spotts und der üblichen Beschimpfungen richten sich an dieses Unternehmen, aufgrund der offensichtlichen Unfähigkeit das Loch qualitativ hochwertig und auf Dauer zu schließen.

Das jetzige Loch entstand durch das Unternehmen Aguas de La Habana, das für die Trinkwasserversorgung, die Instandhaltung der Kanalisation und für Arbeiten an Ab- oder Regenwasserrohren in der Hauptstadt zuständig ist

Mit einem Bagger und einer Langsamkeit, die einen verzweifeln lässt, haben die Arbeiter in der Conill Straße ein defektes Rohr hinterlassen, das aufgrund der anhaltenden Reparaturen inzwischen zum Stadtbild von Nuevo Vedado gehört, mit seinen vielen hohen Gebäuden aus der Zeit der sowjetischen Subventionen. Die kaputte Leitung ist zu einer bekannten „Persönlichkeit“ geworden, ein unerwünschter „Nachbar“, der uns immer wieder mit einem Leck an seine Präsenz erinnert.

„Das Rohr wurde beschädigt“, wiederholt der Bauleiter diese Woche wenig enthusiastisch, immer, wenn ein besorgter Anwohner ihn wegen der Reparaturen fragt, die die Wasserversorgung für mehrere Häuserblöcke in der Umgebung beeinträchtigt. Die Cleversten hinterfragen, weshalb immer wieder derselbe Abschnitt der Rohrleitung defekt ist, immerhin befinde man sich nicht einmal in einer von schweren Fahrzeugen befahrenen Straße, aber der Mann vermeidet es zu antworten.

Um die wiederkehrenden Reparaturarbeiten zu verstehen, muss man wissen, dass bei den meisten öffentlichen Bauarbeiten auf Kuba gepfuscht wird. „Jedes Mal, wenn sie es reparieren, verstärken sie nicht ausreichend den Bereich zwischen Rohr und Asphalt. Deshalb wird die Stelle letztendlich durch die darüberfahrenden Autos beschädigt“, versichert ein Nachbar, der weder Ingenieurwesen studiert noch je eine Reparaturbrigade geleitet hat, der aber sein Viertel gut kennt.

Andere waren indirekt Komplizen bei der mangelhaften Erneuerung des Rohrabschnitts. „Letztes Mal stahlen sie einen Teil der Materialien, und einer asphaltierte sogar die Einfahrt zu seiner Garage mit dem Diebesgut von der Baustelle“, erzählt ein anderer Anwohner. „Sie füllten das Loch mehr schlecht als recht auf und zwei Wochen später war ein neues da“, bemerkt er.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht.“

Das Schlagloch in der Straße war anfangs eine leichte Unebenheit, aber es verwandelte sich im Laufe der Monate in ein gefährliches Loch. Die Fahrzeuge des nahegelegenen Landwirtschaftsministeriums mussten einen Umweg fahren und nach Niederschlägen war es tagelang mit Wasser gefüllt. Letztendlich wiederholte sich die Geschichte und das Rohr darunter begann nachzugeben.

„Wir haben schon vier Mal für diese Reparatur bezahlt“, meint ein Nachbar, der als Selbstständiger wenige Meter entfernt Pizza verkauft. „Und ich sage euch, wir haben dafür bezahlt, weil es von unseren Steuern abgeht und die sind ziemlich hoch“. Der besorgte Steuerzahler geht jeden Morgen an dem Loch vorüber und fragt sich, ob es ein fünftes Mal geben wird. „Ist das ein Fluch?“, wundert er sich. Aber Aguas de La Habana hat keine Antwort darauf.

                     Übersetzung: Lena Hartwig


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