Auf Kuba wird Zucker aus Frankreich importiert

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Der Zucker, den man im Monat September im „Basiskorb“ verteilt hat, stammt aus Frankreich. (14ymedio))

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 M. HERNÁNDEZ | GENERACIÓN Y | 23. September 2018

Der Zucker, der im Monat September über die staatliche Nahrungsmittelversorgung verteilt wurde, kommt nicht von kubanischen Feldern sondern wurde aus dem fernen Frankreich importiert. Das schlechte Ergebnis der letzten Zuckerrohrernte zwang die Regierung dazu ein Produkt zu importieren, das bis vor kurzem noch symbolisch für unser Land stand.

Eingepackt in makellosen weißen Säcken sorgt der Zucker, der nun in die kubanischen Lebensmittelgeschäfte gekommen ist, durch seine Qualität und Reinheit für Zufriedenheit unter den Verbrauchern. “Er ist feinkörnig, trocken und weist keinerlei Unreinheiten auf”, so beschreibt Norberto, ein Ladenbesitzer des Stadtviertels „La Timba“ in der Nähe der Plaza de la Revolución das Produkt.

“Wir hatten bereits Zucker aus Brasilien, aber es ist das erste Mal, dass wir ihn aus Frankreich erhalten haben”, fügt der Staatsangestellte hinzu. Diese Information wurde unserer Tageszeitung auch von einem Mitarbeiter der Azcuba, der Dachorganisation der Zuckerindustrie bestätigt, der es vorzieht anonym zu bleiben. “Wir mussten französischen Zucker kaufen, da der Großteil der heimischen Ernte bereits internationalen Käufern zugesagt wurde”, hebt er hervor.

Kuba weist einen erhöhten Zuckerkonsum auf und es werden jährlich 700.000 Tonnen benötigt, um die Nachfrage des staatlichen Versorgungsnetzes, der lokalen Industrie und der selbstständigen Wirtschaft zu decken. Die Insel hat ein Handelsabkommen mit China, das 400.000 Tonnen jährlich umfasst, aber dieses Jahr konnte die Produktion nicht den Eigenbedarf und den Export abdecken.

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Zuckerrohrernte auf Kuba

Bei der Zuckerrohrernte 2017−2018 produzierte die Insel etwas mehr als eine Million Tonnen Rohzucker, weit entfernt von den 1,6 Millionen Tonnen, die sich die Leitung dieses Sektors vorgenommen hatte. “Dies machte es unmöglich das Planziel einzuhalten“, erklärt Julio García, Präsident der Azcuba.

Die kubanische Zuckerindustrie war jahrzehntelang das Flaggschiff der kubanischen Wirtschaft und stand auch im Export an erster Stelle. Im Jahr 1991, kurz bevor der Zusammenbruch der Sowjetunion die kubanische Wirtschaft ruinierte und insbesondere diesem Sektor schadete, wurden noch 8 Millionen Tonnen Zucker produziert.

Aktuell ist das einstige Zugpferd der Insel ein Nachzügler, weit abgeschlagen hinter dem Tourismus, den Überweisungen aus dem Ausland und dem Verkauf von Dienstleistungen, besonders im Gesundheitsbereich.

Auf Befehl von Fidel Castro hin begann man im Jahr 2002 mit dem Abbau von dutzenden von Standorten, mit der Erklärung, dass die stark sinkenden Weltmarktpreise des Produktes diese Industrie untragbar machten. Im Jahr 2011 wurde das Zuckerministerium aufgelöst und seine Aufgaben von der Azcuba übernommen.

15 Jahre nach diesem radikalen Umbau sind 64% der Standorte weiterhin geschlossen; den Arbeitnehmern wurden andere Stellen zugeteilt und auf dem Großteil der Zuckerrohrfelder werden andere Produkte angebaut.

In der vorangegangen Ernte wurde nur noch an 54 Standorten Zuckerrohr gemahlen und auch der Regen beeinträchtigte die Ernte. Diese musste aufgrund der starken Niederschläge im Frühjahr eher als geplant beendet werden, da das schlechte Wetter den Schnitt des Zuckerrohrs erschwerte und das Produkt auch schneller verdarb.

             Übersetzung: Anja Seelmann

 


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