Hallo? Hallo?

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Öffentliche Telefone. (Silvia Corbelle)

Sie wählte die Nummer und wartete. Nichts, weder ein Freizeichen noch ein Besetztton. Sie versuchte es erneut und da meldete sich die Stimme einer Frau, die darum bat nicht aufzulegen und zu warten. Als ihr nach einigen Minuten klar wurde, dass es sich um eine betrügerische Abzocke durch Warteschleifen handeln musste, war das Guthaben ihrer Prepaid-Karte schon fast zur Hälfte aufgebraucht. Zu guter Letzt kam die Verbindung doch zustande, aber die Stimme ihrer Mutter klang so, als spräche sie unter Wasser. Sie schaffte es noch, ihr zu sagen, dass es ihr gut gehe, dass sie sie vermisse, dann brach die Verbindung ab und ihr Anruf nach Kuba war beendet.

Die Emigration bringt viele Dramen mit sich. Im Fall der Kubaner kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, mit der Heimatinsel zu kommunizieren. Wir haben in Kuba die teuersten Tarife weltweit, für alle, die uns anrufen wollen. Nur vergleichbar mit Ländern im Kriegszustand oder Nationen, die aufgrund eines Konflikts lahmliegen. Während der letzten 50 Jahre brachten die Exil-Kubaner Milliardenbeträge dafür auf, um mit der Verwandtschaft in der Heimat zu telefonieren. Geld, das sie dann abzweigen mussten, als sie sich den Weg in ein neues Leben hart erarbeiteten.

Deshalb wurde die Nachricht von einer direkten Telekommunikationsverbindung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten mit großer Hoffnung aufgenommen und als ein Zeichen dafür gewertet, dass Telefonieren vielleicht bald keine Absurdität mehr darstellen wird. Die unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem US-Unternehmen IDT Telecom und unserem Staatsmonopol Etecsa öffnet die Tür zu anderen möglichen Übereinkünften in diesem so wichtigen Bereich. Es ist ein erster Schritt, dessen Auswirkungen bisher kaum merkbar sind, doch zweifellos ist es eine gute Nachricht für all die Menschen, die damit leben, dass die Zuneigung zu ihren Liebsten durch die Floridastraße¹ fragmentiert wird.

Die Vereinbarung zwischen Etecsa und IDT ist eine gute Nachricht für alle, die damit leben, dass die Zuneigung zu ihren Liebsten durch die Floridastraße fragmentiert wird

In Kuba konzentrieren sich die Erwartungen nicht nur darauf, direkt und nicht über Drittländer in die Vereinigten Staaten anrufen zu können. Die Augen der Menschen glänzen noch mehr bei der Vorstellung, über diesen Weg auch irgendwann Zugang zum Internet bekommen zu können. Eine Datenverbindung, verwaltet von nordamerikanischen Unternehmen, aber von Kuba aus zugänglich, ist zum größten gemeinsamen Traum derer geworden, die nicht noch ein weiteres Jahr darauf warten wollen, den Cyberspace des Internets zu betreten.

Jedoch wurde diese Möglichkeit von Etecsa bisher nicht erwähnt, da das Unternehmen nicht wirtschaftliche sondern ideologische Interessen verfolgt und es so vorzieht, das Internet zu zenzieren anstatt Geld zu verdienen. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Trotzdem ist es eine Erleichterung, dass den Kubanern, die in den Vereinigten Staaten im Exil leben oder dorthin ausgewandert sind, bald erste Steine aus dem Weg geräumt werden, um mit ihren Familien in Kuba zu telefonieren. Zum Telefon greifen, eine kubanische Nummer wählen und auf die Verbindung warten, all das wird bald kein Abenteuer mit ungewissem Ausgang mehr sein.

Anm. d. Ü.:
¹Meerenge zwischen Kuba und Florida

Übersetzung: Nina Beyerlein

Maduro weiß nicht wie man regiert

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Nicolás Maduro (CC)

Nie hätte ich gedacht, dass ich dies jemals sagen würde, aber Venezuela ist schlimmer als Kuba. Es stimmt, dass das südamerikanische Land in Zahl und Ausmaß unsere Unterversorgung mit Basisprodukten nicht übertroffen hat, nicht den wirtschaftlichen Kollaps, nicht die Überwachung durch die Polizei an der wir leiden; aber Venezuela ist schlimmer als Kuba. Der Ernst der Lage rührt daher, dass Venezuela jene verfehlte Vergangenheit wiederholt, der wir Kubaner geradezu entkommen versuchen.

In beiden Nationen wurde das Fiasko maßgeblich von einer verfehlten Führung verursacht, die Schaden angerichtet hat. Kuba, mit einem Fidel Castro, der versuchte das Land “nach seinem Bilde” zu formen; er, der so geprägt ist vom Hang zu Autoritarismus, Intoleranz, Machtbesessenheit und der Unfähigkeit mit fremden Erfolgen umgehen zu können. Dem muss man noch eine schwere Paranoia hinzufügen, die ihn sogar gegen seinen eigenen Schatten misstrauisch werden ließ und die er anscheinend an seinen Gefolgsmann Nicolás Maduro weitergegeben hat.

Deswegen, als ich von der Verhaftung des oppositionellen Bürgermeisters Antonio Ledezma erfuhr, angeklagt einer vermuteten Verstrickung in Gewaltaktionen gegen die Regierung, musste mich dies daran erinnern, wie oft die Ängste unseres “Maximo Lider” das Berufsleben, das politische und physische Leben eines Kubaners beendet haben. Wie oft denn schon wurde eine politische Kehrtwende mit dem Vorwand eines Attentats auf den „Chefkommandanten“ gerechtfertigt? Wie viele dieser “Präsidentenmorde” erfand die eigene höchstoffizielle Propaganda, nur um die Aufmerksamkeit von anderen Themen abzulenken?

Das Schema “dort kommt der Wolf” erweist sich also so abgegriffen, dass man lachen könnte, wenn es nicht so verhängnisvolle Folgen für das Volk hätte. Vor laufenden Kameras spielt Maduro theatralisch das Opfer, das bereit ist, vor einer internationalen Verschwörung zu kapitulieren. Man sieht bei ihm die Strickweise der Farce, aber auch damit bleibt er gefährlich. Er glaubt die Nation zu verkörpern, weswegen er versucht – wenn er Komplotts und Intrigen mit der Absicht ihn zu töten ankündigt – sich einen Vorteil mit einem ebenso schäbigen wie vergänglichen Nationalismus zu verschaffen.

Seine Präsidentschaft ist eine Folge von vermuteten Staatsstreichen, von Verschwörungen, die außerhalb der Grenzen in Planung sind  – und von Feinden, die beabsichtigen, das Land zu destabilisieren.

Der Nachfolger von Chávez weiß nicht wie man mit Normalität umgeht; wie man mit Maß führt, er kann den Venezolanern keinen Entwurf für das Land bieten, der alle einschließt. Deshalb kann er nur mittels Angst regieren. Seine Präsidentschaft ist eine Folge von vermuteten Staatsstreichen, von Verschwörungen, die außerhalb der Grenzen in Planung sind – und von Feinden, die beabsichtigen, das Land zu destabilisieren. Er kennt keine andere Methode der politischen Führung, als die der ständigen politischen Verkrampfung.

Ledezma ist das letzte Opfer dieser politischen Paranoia. Leopoldo López1 hat gerade ein Jahr Gefängnis hinter sich; es ist sehr wahrscheinlich, dass im Verlauf der nächsten Monate sich noch andere Oppositionelle auf den Listen von Verhafteten und Angeklagten finden. Nicolás Maduro wird wieder Verschwörungen gegen ihn ankündigen, den vermuteten Schuldigen einen Putschversuch unterstellen und anklagend mit ausgestrecktem Finger auf das Weiße Haus zeigen.

Und all das nur um zu verbergen, dass er nicht weiß wie man regiert, dass er nur das ein miserables Modell nachahmen kann, das ihm sein Mentor vom Platz der Revolution vererbt hat. Das Resultat ist eine schlechte Kopie des kubanischen Modells, ein grober Abklatsch, bei dem die Ideologie das Feld komplett dem Wahn eines Mannes überlassen hat.

Anmerkung des Übersetzers:

1Leopoldo López (*29.4.1971) ist ein venezolanischer Politiker und Ökonom. Er führte die Proteste 2014 in Caracas an und wurde daraufhin wegen Brandstiftung, Terrorismus und Mord festgenommen.

Übersetzung: Dieter Schubert

Die Unabhängigen der Unabhängigen

ADSL-Kabel

ADSL-Kabel

„Weder über Politik noch Religion sprechen“, so lautet die erste Regel des größten kubanischen Datennetzwerks. Für Diejenigen, die sich in dieses Spinnennetz aus Routern und Antennen, aus denen SNet besteht, „einweben“ möchte, ist das Akzeptieren dieser Regeln eine Frage des Überlebens. Wer Teil dieses Netzwerks wird, wird Teil einer Brüderschaft, die von jedem Mitglied geschützt und bedeckt gehalten wird. Obwohl es starken Einschränkungen unterliegt, ist es dennoch eine Erfahrung wert, sich mithilfe des internen Chatservices mit Anderen in Verbindung zu setzen und dabei das schwindelerregende Gefühl online zu sein, zu genießen, obgleich uns traurigerweise bewusst ist, dass wir eigentlich offline sind. Eine Illusion von Internet der wir, solange der WLAN-Empfänger unseres Computers eingeschaltet ist, unterliegen.

Genauso ist es auch mit den audiovisuellen Paketen. Zwischen den Dutzenden von heruntergeladenen Ordnern von Serien und Filmen findet man auch einige Nachrichtensendungen und Zeitschriften. Mit einem Klick kann man feststellen, dass nur wenige es riskieren wollen für das Verbreiten von kritischem Material Schwierigkeiten mit der Regierung zu bekommen, so dass die Verteiler des sogenannten Combos die nötigen Mautgebühren zahlen, indem sie auch Kopien der Tageszeitung Granma, Nachrichten aus dem kubanischen Fernsehen und Kopien von digitalen Artikeln von Provinzzeitschriften hinzufügen. Doch… wie schon einmal ein Filmschauspieler sagte: „auch im trockenen Laub findet man Goldklümpchen“. In diesem Sammelsurium gibt es auch etwas von der Musik, der Comedy und dem privaten Sektor gewidmeten unabhängigen Veröffentlichungen, deren neue Ausgabe von den Zuschauern jedes Mal sehnsüchtig erwartet wird.

Diejenigen, die schon das Kuba der Zukunft vor sich sehen, würden gut daran tun in dieses Kuba der Gegenwart einzutauchen.

Achtung! Eine Möglichkeit einer großen Zahl Kubanern eine Idee zu vermitteln, liegt darin, sich in das Paket einzuschleichen, das Hochglanzmagazine – die Unabhängigsten der Unabhängigsten – enthält, und sich auf ein Publikum konzentriert, die sich beim bloßen Lesen schon ein ganz anderes Land vorstellen. Deshalb findet man dort viele lebhafte Farben, ein sorgfältiges Design, Bilder von köstlichen Gerichten, die in exklusiven Restaurants serviert werden oder Interviews mit bekannten Sängern. Es wird in keinem der Artikel über Politik gesprochen und doch verneint jeder einzelne veröffentlichte Artikel die Ideologie der Machthaber. Veröffentlichungen wie „Wie werde ich zu einem Unternehmer“, bis hin zu Leitfäden zum Unternehmenserfolg über einfache Anleitungen, um die besten Churros im Stadtviertel zu machen, vervollständigen die Auswahl an Veröffentlichungen, die immer mehr Platz in dem Paket einnehmen.

Diejenigen, die schon das Kuba der Zukunft vor sich sehen, würden gut daran tun in dieses Kuba der Gegenwart einzutauchen. Eine Wirklichkeit, die in mehr als einem Terabyte an Daten steckt und von Tür zu Tür gereicht wird. Und Rundgang durch das, was wir nicht vorgeben zu sein, sonder wirklich sind.

Übersetzung: Katrin Vallet

Was machen wir mit der Hoffnung?

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Eine Heuschrecke, die man in Kuba ‘Esperanza’ (Hoffnung) nennt. (Silvia Corbelle)

„Die Frustration entsteht immer aus einer übersteigerten Erwartungshaltung“, erklärte ich besorgt den US-Abgeordneten, die im Januar Kuba besuchten. Dieser Satz sollte ihnen aufzeigen welche großen Hoffnungen in der Bevölkerung seit dem 17. Dezember aufgekommen sind. Die Bekanntgabe der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten hatte zur Folge, dass ein Gefühl in unser Land zurückkehrte, das Jahrzehnte lang verschollen war: die Hoffnung.

Die Erwartungen sind dagegen so hoch und schwierig zu erfüllen, dass viele wohl in kürzester Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden könnten. In der Realität ist es unmöglich solch übersteigerte Fantasien der Veränderung umzusetzen. Um die derzeitige schlechte Situation Kubas zu überwinden, benötigt man gewaltige Mittel und dringende Veränderungen. Die Zeit drängt, aber die kubanische Regierung hat noch keinen wirklich politischen Willen gezeigt, damit die neue Situation einem großen Teil der Bevölkerung zu Gute kommt.

Nach dem 17. Dezember hat sich jeder Einzelne auf die Wünsche für seine Bedürfnisse und Interessensgebiete konzentriert. Ein alter Lokführer, der zusah wie die Eisenbahn, von der er einst mit so viel Stolz redete, auseinanderfiel, versichert nun: „Du wirst sehen…wir werden dann sogar einen Hochgeschwindigkeitszug bekommen. Wenn man ihn dann fragt, woher er so viel Überzeugung nimmt, versichert er: „Sobald die vielen Ausländer anfangen hierher zu kommen wird man die öffentlichen Transportmittel verbessern müssen und dann können wir uns vor den vielen Investitionen, um die Linien zu verbessern und die neusten Waggons zu kaufen, sicher nicht mehr retten“. Seine Hoffnungen haben die Form einer eisernen Schlange, die flink und funkelnd die ganze Insel durchschlängelt.

Die Erwartungen sind dagegen so hoch und schwierig zu erfüllen, dass viele wohl in kürzester Zeit wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden könnten.

Es gibt andere, bei denen nehmen die Hoffnungen die Form eines Kilobytes an. Eine junge Zwanzigjährige, die das Internet nur aus den wenigen Onlinestunden in den langsamen und teuren Internetcafés der Telekommunikationsfirma Nauta kennt, bestätigt, dass wir vor Ende des Jahres „mobile Daten auf unserem Handy haben werden“. Ihre Überzeugung basiert nicht etwa auf einer vertrauenswürdigen Information zu der sie Zugang hatte, sondern auf folgender Erklärung: „Obama hat das schon gesagt, Telekommunikationsfirmen könnten mit Kuba verhandeln, es fehlt also nichts… nichts mehr dazu, dass ich den ganzen Tag auf Facebook und in Skype bin.”

Eine große nationale Besessenheit, nämlich das Essen, hat natürlich auch seinen Platz in den Träumereien der letzten Wochen gefunden. Eine Hausfrau, die sich selbst als „müde davon, immer das Gleiche zu kochen, weil es nicht anderes gibt“ beschreibt, hat ihre Hoffnungen auf eine Lieferung von Waren aus dem Norden gerichtet. „Einige Produkte wird es wieder geben und die Gefriertruhen in den Geschäften werden nicht mehr leer sein.” Ihre klaren und direkten Vorstellungen haben diesen fast schon vergessenen Geschmack von Rindfleisch, die Form von Öl und den Geruch von einer Zwiebel, die in der Pfanne goldbraun wird.

Auch die Kleinunternehmer stehen in nichts nach. Für den Besitzer eines Luxusrestaurant im Stadtteil Vedado in Havanna hat die Hoffnung die Konturen einer Fähre, die Havanna mit Florida verbindet. „Es wird bald soweit sein und dann haben wir Autos, große Importe.und frische Zutaten für unser Menü“, erklärt er mit einer solchen Überzeugung, dass es schon fast weh tut das Gegenteil zu behaupten. Es wirkt so als ob ein komplett ausgestatteter Saal, mit Gläsern, Weinflaschen und Lampen mit gedämpften Licht das Wasser überqueren würde, um zu dem neuen Restaurant zu kommen, das er gerade neben dem Anderen baut.

Während die Erwartungen immer weiter wachsen, wie ein Ballon, der kurz vorm Platzen ist, beteiligen sich wieder Andere mit Projekten im künstlerischen und kreativen Bereich. Ein Freund, ein privater Filmproduzent, glaubt, dass „Hollywood bald hier filmen könnte und dass die talentierten kubanischen Filmemacher bald die Mittel für große Produktionen haben werden“. Für diesen Künstler des Celluloids ist „alles was fehlt ein Fingerschnippen, damit die unabhängigen  Produktionsfirmen autorisiert werden und wir Investitionen aus den USA erhalten können“.

Bei den Andersdenkenden und in der Zivilgesellschaft gibt es nicht Wenige, die sich darauf vorbereiten auch nur die kleinste Chance zu ergreifen, ihre Gruppen oder Parteien zu legalisieren. Unter all denen, die hoffen sind sie die vorsichtigste Gruppe, da sie wissen, dass die politischen Freiheiten immer die letzten sind, die ins Rollen kommen… wenn sie das überhaupt tun. Sie entwerfen ihren eigenen Übergang der „illegalen, heimlichen und heldenhaften“ Phase in eine neue Etappe einer „legalen, öffentlichen und intelligenten“ Opposition. Man darf auch nicht vergessen, dass die Hoffnungen wahrscheinlich bereits die kubanischen Akademien, Lernzentren und offizielle Institutionen erreicht haben, mit Menschen, die nun wieder ihre alte Idee, in die Politik zu gehen sobald das Einparteisystem nur noch eine böse Erinnerung ist, aus der staubigen Schublade hervorholen.

 Wenn diese Traumblase platzt

und die überschraubten Erwartungen zu einer kollektiven

 Frustration führen… Was passiert dann?

All diese Erwartungen, geboren am Tag des heiligen Lazarus und genährt von den Besuchen Abgeordneter und Vermittler aus den USA auf Kuba ,sind nun für die Regierung der Insel ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seiten verschaffen ihr diese Illusionen Zeit und die Möglichkeit, diese Ziele ans Ende eines langen Prozesses mit vielen Gesprächen zwischen den beiden Regierungen, der sich über Jahre hinziehen könnte, zu setzen. Auf der anderen Seite wird die Enttäuschung über die Nichterfüllung oder den Aufschub dieser Träume direkt auf dem Platz der Revolution in Havanna enden.

Nicht Obama wird die Wut über das Unerreichte treffen, sondern Raúl Castro. Er weiß das und in den letzten Wochen haben seine Sprecher immer wieder darauf gepocht die Hoffnungen, die durch die Straßen des ganzen Landes strömen, zurückzuschrauben. Sie versuchen vorwegzunehmen, dass alles mehr oder wieder gleich bleiben wird und man keine übersteigerten Erwartungen haben sollte. Aber nichts ist so schwer aufzuhalten wie die Träume. Der symbolische Wert, den die nun begonnene Annäherung zwischen David und Goliath hat, kann nicht in Aufrufe zur Ruhe und energische Reden, die auf eine Verlangsamung der Verhandlungen abzielen, münden.

Wenn die Monate vergehen und der Hochgeschwindigkeitszug nicht ankommt, das Internet weiterhin nicht im Bereich des Unmöglichen liegt, die Gefriertruhen in den Geschäften immer noch so leer sind, die Zölle die private Einfuhr von Produkten verbieten, das Kubanische Institut für Filmkunst und Filmindustrie (ICAIC) das Monopol der Filmproduktion behält und die Mitgliedschaft in einer Oppositionspartei noch immer Unterdrückung und ideologische Stigmatisierung zur Folge hat…wenn diese Traumblase platzt und die überschraubten Erwartungen zu einer kollektiven Frustration führen… was passiert dann? Vielleicht wird ja in diesem Moment die Kraft geboren, um die Veränderung voranzutreiben.

Übersetzung: Anja Seelmann

Von Tatlins Flüstern zu Tatlins Schrei

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Bilder der ersten Versanstalung von ‘El Sususrro de Tatlin’, Havanna

Wir Teilnehmer jener ersten Veranstaltung El Susurro de Tatlin* (Das Flüstern Tatlins) in Havanna, werden sie nie vergessen, jene Minute der Freiheit an einem Mikrofon, die uns Jahre öffentlicher Beleidigung kosten sollte. Der Vorschlag, die Performance-Aktion neu aufzulegen, diesmal jedoch auf dem Platz der Revolution, hat in uns unverändert die Erinnerung an jene Nacht im Wilfredo-Lam-Zentrum ins Gedächtnis gerufen und mit ihr kam die Hoffnung, dass diesmal die Mikrofone für eine größere Anzahl von Kubanern offen wären. Ich gebe zu, dass ich sogar darüber nachdachte, wo man das Podium wohl am besten aufstellen sollte, wo die in olivgrün gekleideten Darsteller stehen sollten, die die jeweiligen Redezeiten regulieren, und wie man die Taube sehen würde, wenn sie auf den Schultern jedes Redners mit den Flügeln schlägt.

Am Vorabend des 30. Dezembers konnte ich mit Tania Bruguera reden, die heiser und erschöpft klang und bereits spürte, wie sich der Käfig um sie schloss. Alles deutete darauf hin, dass sie ihr nicht erlauben würden, bis zu jenen Platz vor dem Regierungssitz zu gelangen, und dass die politische Polizei eine Unterdrückungswelle gegen diejenigen auslösen würde, die sie begleiten wollten. Ich wagte es, ihr drei mögliche Szenarien zu beschreiben, mit denen sie konfrontiert werden könnte: dass sie sie das Haus nicht verlassen ließen oder sie einsperrten; dass sie sie zwar auf den Platz lassen würden, aber dort dann plötzlich ein Volksfest mit günstigem Bier, Umzügen und lautstarker Musik stattfände; oder dass sie sie Susurro de Tatlin  zwar aufführen ließen, doch die Redezeit am Mikrofon mit Stimmen füllen würden, die offizielle Parolen schrien. Es war nicht möglich, diesen Variablen eine hinzuzufügen, die so endete, dass der Chor aus Pluralität und Toleranz vor der José-Martí-Statue zu Gehör gebracht werden würde.

“Das Flüstern aber verwandelte sich in den Schrei Tatlins…der Platz der Revolution ist heute in jedem von uns”

In jenem Gespräch sagte ich ihr, dass “die Performance bereits stattfand; die Absicht der künstlerischen Aktion erreicht wurde“, da Bruguera bereits mit ihrem Vorschlag das Flechtwerk der Zensur, die kulturelle Feigheit und die Repression enthüllt hat, die das tägliche Leben der Kubaner lähmt. Viele ihrer Künstlerfreunde haben es abgelehnt, sie zu begleiten, einige Bekannte riefen sie dazu auf einen Rückzug zu machen und Susurro de Tatlin ins Innere einer Einrichtung zu verlegen, und andere, die mehr involviert waren, warnten sie, dass es einen Plan gäbe, sie vom Platz „zu entfernen“. Ab den frühen Morgenstunden begann der makabere Tanz der Verhaftungen und der Einschüchterung.

“Damen in Weiß“ und andere Aktivisten, sowie Journalisten und Dissidenten wurden eingesperrt oder davon abgehalten, ihre Häuser zu verlassen. Die Handykommunikation vieler wurde unterbrochen, Textnachrichten ließen sich nicht verschicken, und der Zugriff auf den Emailanbieter Nauta eingeschränkt. Im Flüsterton verbreitete sich die Information über das was geschah. Das 14ymedio-Team erlitt einen schweren Schlag, als zwei Reporter und ein Mitarbeiter verhaftet wurden und unsere Redaktion stundenlang von einem Einsatzkommando besetzt war. Mit der Rückkehr der Kommunikation verlängerte sich dann auch die Liste der Verhafteten, und wir riefen uns gegenseitig an um uns auf den neuesten Stand zu bringen.

Das Flüstern aber verwandelte sich Tatlins Schrei. Jenen, den man nun über Telefonleitungen vernimmt, auf Twitter, draußen vor den Polizeistellen, wo Familienangehörigen einfordern, den letzten Tag des Jahres zusammen mit den ihren zu verbringen. Es gibt kein Mikrofon, keine weiße Taube und auch ist es keine Minute voller Freiheit, sondern lange Stunden aus Leid und Unbehagen.

Tania, unter allen Szenarien die wir je entworfen haben, fehlte genau dieses. Du, im Gefängnis, und von dort aus, im grauen Gefangenenanzug, hast die schlagkräftigste und unvergesslichste all deiner künstlerischen Aktionen hervorgebracht. Der Platz der Revolution ist heute in jedem von uns.

 

*Anm. d. Übersetzerin:

Tanja Bruguera ist eine kubanische Performance Künstlerin, die derzeit in New York lebt. Im Zuge ihrer ersten Performance von El Susurro de Tatlin im Jahr 2009, im Wifredo-Lam-Zentrum, stellte sie den Besuchern jeweils eine Minute Redefreiheit an einem offenen Mikrofon zur Verfügung; hierbei forderte Yoani Sánchez das Recht auf freie Meinungsäußerung.

Wladimir Tatlin (1885-1953) war ein russischer Maler und der Begründer der Maschinenkunst; er prägte die Epoche der russischen Avantgarde. In symbolischer Form nimmt Tania Bruguera mit El Susurro de Tatlin Bezug auf dessen Turmprojekt Monument der Dritten Internationale.

Übersetzung: Nina Beyerlein

 

Ist der D-Day gekommen?

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Telefongespräch zwischen Barack Obama und Raul Castro. (Weißes Haus)

Heute ist einer von diesen Tagen, wie wir ihn uns tausendfach vorgestellt haben, aber nicht so, wie er schließlich gekommen ist. Man trifft Vorbereitungen für den Festtag; wie man das “Ende” feiern könnte; Freunde umarmen, die nach Hause kommen; Fähnchen auf der Straße schwenken; aber der D-Day lässt auf sich warten. An seine Stelle treten bruchstückhaft Ereignisse, ein Fortschritt hier, ein Rückschritt dort. Keine Rufe “Es lebe das freie Kuba!”, keine entkorkten Flaschen. Im Alltag verschwindet dieser Wendepunkt, den wir für immer im Kalender anstreichen sollten.

Heute ist einer von diesen Tagen, wie wir ihn uns tausendfach vorgestellt haben, aber nicht so, wie er schließlich gekommen ist. Man trifft Vorbereitungen für den Festtag; wie man das “Ende” feiern könnte; Freunde umarmen, die nach Hause kommen; Fähnchen auf der Straße schwenken; aber der D-Day lässt auf sich warten. An seine Stelle treten bruchstückhaft Ereignisse, ein Fortschritt hier, ein Rückschritt dort. Keine Rufe “Es lebe das freie Kuba!”, keine entkorkten Flaschen. Im Alltag verschwindet dieser Wendepunkt, den wir für immer im Kalender anstreichen sollten.

Die Ankündigung von Seiten der Regierungen Kubas und der Vereinigten Staaten wieder diplomatische Beziehungen aufzunehmen, überrascht uns inmitten von Zeichen, die in die Gegenrichtung weisen, wie auch unsere verschlissenen Hoffnungen. Raúl Castro verschob gerade die dritte Gesprächsrunde mit der EU, die im nächsten Monat stattfinden sollte; noch am 10. Dezember hatte das repressive System seine Wut an Aktivisten ausgelassen, wie immer am Internationalen Tag der Menschenrechte.

Die erste Überraschung war, dass man inmitten der offiziellen Angeberei und einer eindeutigen ideologischen Rolle rückwärts Appelle an uns richtete, die dazu aufriefen, die Wachsamkeit gegen den “Feind” zu verdoppeln; seit 18 Monaten schon gab es zwischen dem “Platz der Revolution” und dem “Weißen Haus” Gespräche. Ein klarer Hinweis darauf, dass alles Gerede von Unnachsichtigkeit nur Show war. Während man die Bewohner der Insel glauben ließ, dass sie, wenn sie auch nur die Türschwelle der Interessenvertretung der Vereinigten Staaten in Havanna überschreiten würden, Vaterlandsverräter wären, handelten die Regierenden in olivgrün Abkommen mit “Uncle Sam” aus. Eine ausgemachte politische Falschheit!

Andererseits hatten sowohl die Erklärungen von Obama wie auch die von Castro einen Anflug von Kapitulation. Der Präsident der Vereinigten Staaten kündigte eine lange Liste von flexibilisierenden Maßnahmen an, um beide Nationen näher zu bringen, ehe sie gewünschte und geforderte Schritte zur Demokratisierung und zur politischen Öffnung unseres Landes auf den Weg bringen würden. Das Dilemma, was zunächst geschehen müsste, – eine Geste von Havanna oder die Flexi-Maßnahmen von Washington – ist somit gelöst worden, obwohl das Feigenblatt des amerikanischen Embargos weiterbesteht, damit niemand sagen kann, es handle sich um einen vollständigen Verzicht.

Die Tagesordnung auf der anderen Seite der Meerenge mit Florida ist uns auch im Detail bekannt, aber die Interna dort bleiben wie schon so oft geheim, und somit verborgen.

Raúl Castro seinerseits beschränkte sich darauf, die neuen Gesten von Seiten Obamas anzukündigen, sowie den Austausch von Alan Gross und weiteren Häftlingen, die für die amerikanische Regierung von Interesse sind. Trotzdem, in seiner kurzen Ansprache vor den Kameras des nationalen Fernsehens, erwähnte er weder Vereinbarungen noch Kompromisse von Seiten Kubas; ausgenommen die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen. Die Tagesordnung auf der entlegenen Seite der Meerenge mit Florida ist uns auch im Detail bekannt, aber die Interna dort bleiben – wie schon so oft – geheim, und somit verborgen.

Aber auch so, trotz fehlender offengelegter Vereinbarungen von der Seite Kubas, war “das von heute” eine politische Niederlage. Unter der Führung von Fidel Castro wäre man nie auf den Gedanken gekommen, eine Vereinbarung dieser Art auch nur in Erwägung zu ziehen. Denn das kubanische System stützt sich auf das ständige Vorhandensein eines Gegenspielers, was eine seiner wichtigsten Stützen ist. David kann nicht ohne Goliath leben, aber der ideologische Apparat ist durch die langen Streitigkeiten müde geworden.

Soll ich den Reden zuhören, oder gehe ich Fisch kaufen?

Auf dem Hauptmarkt im Viertel Carlos III entdeckten die Kunden überrascht, dass um die Mittagszeit auf den großen Bildschirme weder Fußball noch Videoclips zu sehen waren, sondern zunächst eine Rede von Raúl Castro und anschließend die von Obama, – übertragen von TeleSur. Die erste Ansprache löste eine gewisse Verblüffung aus, die zweite aber war begleitet von Küsschen in Richtung des amerikanischen Präsidenten, vor allem, als er die flexibilisierenden Maßnahmen für die Geldüberweisungen nach Kuba erwähnte, sowie das delikate Thema Telekommunikation. Den einen oder anderen Schrei “I love…” konnte man jetzt aus einer Straßenecke hören.

Dennoch muss man sagen, dass die Nachricht eine mächtige “Konkurrenz” hatte, weil es auf dem rationierten Markt wieder Fisch gab; nach Jahren, wo man ihn dort nicht mehr gesehen hatte. Nichts desto trotz, am späten Nachmittag wussten alle Bescheid und teilten miteinander Gefühle von Freiheit, Erleichterung und Hoffnung.

Es fehlt ein verbindlicher Zeitplan, mit dem man weitergehend erreichen kann, die kubanische Regierung zu einer Reihe von Maßnahmen zugunsten einer Demokratisierung zu verpflichten; verbunden mit dem Respekt vor Verschiedenheit.

Trotzdem hat alles erst begonnen. Es fehlt ein verbindlicher Zeitplan, mit dem man weitergehend erreichen kann, die kubanische Regierung zu einer Reihe von Maßnahmen zugunsten einer Demokratisierung zu verpflichten und zum Respekt vor Verschiedenheit. Man muss diese Synergie nützen, die die Ankündigungen erzeugt haben, um von Raúl Castro eine öffentliche Zusicherung zu erhalten, die wenigstens die vier Konsenspunkte enthält, die unsere Zivilgesellschaft in den letzten Monaten erarbeitet hat.

Die Freilassung aller politischer Gefangenen einschließlich derer, die aus Gewissensgründen im Gefängnis sind; das Ende der politischen Unterdrückung; die Ratifikation der UNO-Konventionen über zivile, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte zusammen mit der konsequenten Anpassung der kubanischen Rechtsprechung; sowie die Anerkennung einer kubanischen Zivilgesellschaft innerhalb und außerhalb der Insel. Raúl Castro diese Kompromisse zu entreißen, hieße, mit der Demontage eines totalitären Systems zu beginnen.

Solange man keine Schritte dieser Tragweite unternimmt, werden viele von uns denken, dass der erhoffte Tag noch nicht nah ist. Also heben wir die Fähnchen auf, wir sollten auch noch keine Flaschen entkorken; das Beste wird sein weiter Druck auszuüben, damit er endlich kommt, der D-Day!

Anmerkung des Übersetzers:

Alan Gross war im Dezember 2009 als angeblicher Spionin Kuba inhaftiert worden. Er wurde gegen drei seit 1998 in den USA einsitzende kubanische Spione ausgetauscht.

(Quelle: Nürnberger Nachrichten)

Übersetzung: Dieter Schubert

 

 

Von Karnevalstruppen und Menschenrechten

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Verhaftungen in Havanna am Tag der Menschenrechte. (14ymedio)

Seit Tagen, Monaten war der Karneval bereits geplant. Die Hintergrundmusik: Parolen und künstliche Begeisterung. Die Bühne: genau die Straßenecke, an der sich die Damen in Weiß* am Welttag der Menschenrechte versammelten. Währenddessen wurde das “Tanzensemble“ aufgestellt: Arbeiter und Schüler, die man von ihren Arbeitsplätzen und aus ihren Schulen geholt hatte, damit sie den Versammlungsort der Aktivistinnen besetzen. Auch die Essensstände durften nicht fehlen und in einigen Provinzdörfern kamen sogar noch riesige Lastwägen mit Freibier hinzu, denn in unserem Fall gibt es statt Brot und Spielen, Alkohol und Unterdrückung.

Und dann war es Zeit für Parade. Rund um die Eisdiele Coppelia gab es ein seltsames Getümmel von Menschen in Zivil, die die Aufmerksamkeit einiger ahnungslosen Passanten auf sich zogen, die nicht so recht wussten, ob man hier Schlange stand, um ein nicht länger vorrätiges Produkt zu kaufen, oder es sich um Filmliebhaber handelte, die auf die Öffnung des Kinos Yara warteten. Doch etwas verriet sie trotzdem. Sie schauten um sich, als hielten sie nach einer Beute Ausschau und sie trugen jene Kleidung, die jedermann sofort als den Aufzug ausmachen konnte, den die Staatssicherheit immer dann trägt, wenn sie unentdeckt bleiben möchte. Außerdem waren sie, verglichen mit dem Durchschnittskubaner, zu korpulent. Sie tanzten nicht wie im Karneval, sondern gingen auf die in Weiß gekleideten Frauen zu und versuchten mit ihren Körpern zu verdecken, wie diese mit Gewalt in den Polizeiwagen gedrängt wurden. Eine makabre “Tanztruppe“ bei der Aufführung ihrer Choreografie der Unterdrückung.

Wie oft hatte ich als Kind wohl an solch einem Karneval

der Unterdrückung teilgenommen ohne es zu merken?

Und dann ertönte die Tröte… ich meine natürlich die Hupe eines Autos. Eine zierliche Frau hatte es geschafft bis zum linken Teil des Herzens des Stadtviertels Vendado zu gelangen. Dutzende Gesichter wandten sich ihr zu und sprachen in ein winziges Kopfhörerkabel, das von ihrem Ohr herabhing. Ein Agent, der jahrelang in die unabhängige Presse eingeschleust und dann sang- und klanglos aufgeflogen war, dirigierte das Orchester. Aus den Lautsprechern tönten im Vorfeld aufgenommen Phrasen, damit es weder zu Überraschungen, noch Spontaneitäten kommen konnte. Die Frau verschwand innerhalb einer Sekunde. Die Kinder tranken ihre Erfrischungsgetränke und Havanna erlebte einen ihrer kältesten Tage in diesem Jahr. Das Spektakel dauert noch stundenlang.

Wie oft hatte ich als Kind wohl an solch einem Karneval der Unterdrückung teilgenommen ohne es zu merken? Wie viele der Feste, an denen ich teilnahm, dienten in Wirklichkeit nur dazu die Schrecken zu vertuschen? Waren all die Straßentänze und –feste ebenfalls nur polizeiliche Eingriffe? Nach diesem Erlebnis, wird es mir schwer fallen, mich je wieder an einem Karnevalsumzug zu erfreuen.

*Anmerkung der Übersetzerin:

Die Damen in Weiß (spanisch Movimiento Las Damas de Blanco “Laura Pollán”) sind eine Gruppe kubanischer Frauen, die sich für die Beachtung der Menschenrechte in ihrem Heimatland einsetzen.

Übersetzung: Katrin Vallet