Der Tag, an dem das kubanische Regime allein lief…und nicht gewann

Am vergangenen 14.November platzierten die kubanischen Behörden einen Omnibus so, dass er die Straße von Yunior García blockierte; anderntags wollte García in weißer Kleidung und mit einer Rose auf die Straße gehen. (EFE)

YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 19.November 2021

Sie sagen, dass das Pferd allein auf der Rennbahn lief und die Ziellinie als Erster erreichte. Eingesperrt in ihren Ställen und angebunden an Ketten waren bei diesem Rennen die möglichen Konkurrenten. Der Sieger konnte seine Arroganz nicht unterdrücken und lobte die Beine, als ob die ihn zum Sieg getragen hätten und nicht seine Tricks. Sie sagen, dass es ein 15.November war, ein Tag, an dem man dem Publikum verboten hatte beim Rennen dabei zu sein.

In einem Interview mit dem russischen Sender RT hat der Kanzler Bruno Rodríguez den Aufruf zum Bürgermarsch als gescheitert eingestuft. „Die Realität, die tatsächlich in Kuba existierende, zeigt, dass sich in diesem Land nichts ereignet hat“, brüstete sich der Minister, und um dies zu bekräftigen sagte er zu dem ihm wohlgesonnenen Journalisten: „Sie haben sich frei bewegen können, sie wissen genau was geschah, sie haben es zusammen mit den Kubanern erlebt, und sie wissen auch was sich nicht ereignet hat“.

Um Szenen auf den Straßen mit weiß gekleideten Menschen und einer Rose zu vermeiden, hat die Bürokratie Meter für Meter die größte Kontroll-Aktion in die Wege geleitet, wie es sie in der Erinnerung vieler Kubaner so noch nie gab. Die bitteren Überraschungen, die die Spontanität der Proteste am 11.Juli der Regierung bescherten, veranlasste sie sich vorzubereiten, damit es nicht wieder einen Strom von Menschen gäbe, der „Freiheit “ ruft und den Rücktritt von Miguel Díaz-Canel verlangt. Um dies zu gewährleisten, hat Díaz-Canel dieses Mal die ganze Insel lahmgelegt.

Polizeieinsätze, ein Aufgebot von Agenten der Staatssicherheit in Zivil, Schmähaktionen, Bedrohungen und selektive Sperren von Telefonverbindungen.

Polizeieinsätze, ein Aufgebot von Agenten der Staatssicherheit in Zivil, Schmähaktionen, Bedrohungen und selektive Sperren von Telefonverbindungen…, er verwendete eine feige Taktik aus dem Handbuch für Autoritäre und missbrauchte seine Macht. Was er selbst vom Castrismus geerbt hat, fügte er noch hinzu: Experte im Lügen und die Verwendung von Dekor. Genau so hat er jahrelang versucht, die Leistungsfähigkeit Kubas auf dem medizinischen Sektor glaubhaft zu vermitteln, ehe sie aufgrund der Pandemie zu Bruch ging. Für 15N wählte er die Inszenierung „Frieden und Ruhe“.

Das Ergebnis glich mehr dem Drehbuch für eine Bestattung: leere Straßen; gemurmelte Gespräche in den Warteschlangen, wo bis vor zwei Tagen noch pure Lebensfreude herrschte; zitternde Hände, die versuchten unter dem einschüchternden Blick der Polizei ein Smartphone aus der Tasche zu ziehen; weinende Mütter, die ihre Kinder anflehten, dass sie an diesem Montag das Haus nicht verlassen sollten. Ein weißes Betttuch über einem Wäscheständer konnte den Nachbarn im nächsten Haus aus Furcht lähmen; sogar die Blumenverkäufer versteckten sich oder boten nur gelbe Sonnenblumen und sehr rote Rosen an. An diesem Tag spielte der Terror die Hauptrolle.

Und dann fühlte sich das Regime stark, schüttelte die Mähne, stellte seine Kruppe zur Schau und zeigte die Zähne. Jetzt wollen sie der öffentlichen Meinung, national und international, glaubhaft machen, dass man ihnen eine Medaille für ihre Fähigkeiten umhängen sollte, auch für die Unterstützung aus ihrem Volk. Die Regierung weiß aber, dass alles eine Lüge ist. Wenn sie nicht die größte und kostspieligste Unterdrückungs-Aktion der letzten 25 Jahre durchgeführt hätte, dann hätten die Kubaner den Regierenden erneut ihren Überdruss am aktuellen System gezeigt.

Das Regime wird auch nicht verhindern können, dass man das Wiehern der eingesperrten Pferde hören wird, denn Regeln im politischen Spiel werden nicht respektiert. Wenn man Konkurrenten eliminiert, oder Dissidenten daran hindert ihre Fähigkeiten zu zeigen, dann entwertet man damit das Rennen, die Schiedsrichter und die zu vergebenden Medaillen. Man zwingt ein Volk dazu, andere Wege zu finden um aufs Podium zu kommen.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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