Die Straßen in Kuba haben laut und deutlich gesprochen

Demonstranten in Santiago de Cuba, an diesem 11.Juli. (14ymedio)

YOANI SÁNCHEZ / 14ymedio.com / 12.Juli 2021

Es war nur eine Frage der Zeit. Frustration und Hoffnungslosigkeit hatten sich angehäuft und an diesem Sonntag explodierten die Straßen. Tausende Kubaner verließen ihre Häuser, um ihr Recht auf bürgerlichen Protest auszuüben; ein Recht, das man ihnen für mehr als ein halbes Jahrhundert genommen hatte. Mit ihren Rufen „Nieder mit der Diktatur“ ließen sie keinen Zweifel daran, dass auf dieser Insel weder die Indoktrinierung noch die Furcht es vermocht haben, den Wunsch nach Freiheit  einzudämmen.

Auf die Straße gingen junge Leute, die mit dem dualen Währungssystem aufwuchsen, mit einem Mangel an Träumen, mit Stromausfällen und der ständigen Gehirnwäsche in den Schulen. Auf die Straße gingen Hausfrauen, mit Pfannen in der Hand, um damit wenigstens die Kochtöpfe erklingen zu lassen, für die es kaum noch etwas zu kochen gibt. Auf die Straße gingen Familienväter mit ihren Enkeln; die ersten als Teil einer Generation, die half, das aktuelle autoritäre System zu konsolidieren; die zweiten als potentielle Bootflüchtlinge über die Meeresenge in Richtung Florida. Die Menschen gingen auf die Straße.

Am 11.Juli haben wir der Welt und uns selbst gezeigt, dass wir viel zahlreicher sind als jene, die uns zerdrücken wollen.

Neuartige und wunderbare Szenen überall im Land, als ob der Funke von San Antonio de los Baños das trockenen Gras der sozialen Unzufriedenheit in Brand gesetzt hätte. Das Kapitol von Havanna erzitterte unter den Rufen „Libertad“; in den Straßen von Cárdenas war ein menschlicher Sperrgürtel eine Herausforderung für den Stoßtrupp der Regierung; Palma Soriano schwankte unter den Demonstrationen; Alquízar stürzte sich in die nicht asphaltierten Gassen, und in Camagüey strömten Menschen durch die Straßen zu den öffentlichen Plätzen.

Am 11.Juli haben wir der Welt und uns selbst gezeigt, dass wir viel zahlreicher sind als jene, die uns zerdrücken wollen, dass, wenn wir uns vereinen und handeln, sie uns drohen oder ins Gefängnis bringen oder sogar töten können, uns aber nicht überzeugen werden, unser Joch weiter zu dulden. Jetzt wird das Regime seine eigene Version der Ereignisse verkünden und den Nachbarn im Norden beschuldigen, aber wir alle wissen: kennzeichnend für diese Proteste waren ihre Spontanität und ihre Massivität.

Man sah es kommen; man musste nur ein aufmerksames Ohr für unsere Realität haben, um den zunehmenden internen Lärm zu hören, und gestern haben wir den Knebel abgeschüttelt.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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