Die Maske, ein neues politisches Schlachtfeld

Masken wie diese, Design Rebeca Monzó, werden in staatlichen Einrichtungen und Schulen nicht geduldet. (14ymedio)

14ymedio biggerYOANI SÁNCHEZ / La Habana / 23.Oktober 2020

Dieses Stück Stoff, mit dem wir seit Monaten unser Gesicht bedecken müssen, droht, sich in ein neues politisches Schlachtfeld zu verwandeln. Die Maske ist schon in den Radar der Zensoren geraten, die damit beginnen Regeln für Design, Motive und Botschaften vorzuschreiben, die man auf den Masken sieht.

Das neue Kleidungsstück, bei dem alles darauf hindeutet, dass es uns noch für längere Zeit begleiten wird, hat in den letzten Monaten einen individuellen Gestaltungs-Prozess erfahren, bei Bürgern, die mehr über Mund und Nase tragen wollen, als nur ein Stück Stoff. Auf der Suche nach Verschiedenheit und ästhetischer Komponente, erscheinen jeden Tag verschiedene Modelle, die mehr oder weniger dem gesundheitlich notwendigen Standard genügen.

Es gibt Nasen-Mund-Schutz mit Fahnen, Pailletten, Familienwappen, aufgerissenen Mündern und Angst-machenden Reißzähnen…all das und mehr sieht man auf unseren Straßen. Aber in dem Maße, wie die staatlichen Betriebe zu den normalen Arbeitstagen zurückkehren und in mehreren Provinzen die Schulen die Klassenzimmer wieder öffnen, stoßen die Masken auf die üblichen offiziellen Restriktionen, die das Tragen von Kleidungsstücken einschränken.

 Mehrere Freunde und Bekannte haben mir berichtet, dass in ihren Betrieben neuerdings Warnungen im Umlauf sind, dass man Masken mit ausländischen Fahnen nicht dulden werde, insbesondere nicht die Fahne der Vereinigten Staaten.

 Mehrere Freunde und Bekannte haben mir berichtet, dass in ihren Betrieben neuerdings Warnungen im Umlauf sind, dass man Masken mit ausländischen Fahnen nicht dulden werde, insbesondere nicht die der Vereinigten Staaten. Als Design werden auch Botschaften aller Art untersagt, sowie Kritik am kubanischen Regime, politische Bilder und erotische Inhalte.

In einer Gesellschaft, in der die Schere der Zensur versucht alles zu kontrollieren, angefangen mit der Haarlänge von Studenten, bis hin zu der Art und Weise, wie und welche Hosen und Blusen man trägt, sind die Masken ein neues Teil, das man „zähmen“ muss. „Wir werden nicht zulassen, dass du mit einem beleidigenden Plakat im Gesicht daherkommst“, sagte der Geschäftsführer des Kubanischen Fonds für Kulturgüter zu einem jungen Mitarbeiter, der auf seine Maske das Wort „Wechsel“ geschrieben hatte.

„Diese roten Streifen und diese Sternchen dürfen nicht in dieses Klassenzimmer mitgenommen werden“, tadelte eine Lehrerin aus Holguín die Tochter einer Freundin. „Wie hätte ich zu einem anderen Mund-Nasen-Schutz kommen können, wenn der, den ich trage, der Einzige war, den ich selbst kaufen konnte?“, antwortete die Schülerin. Als Antwort bewegte die Lehrerin den Kopf von einer Seite zur anderen.  „Wer hat denn gesagt, dass dieses Teil zur Schuluniform gehört?“, insistierte die Frau. „Werden sie demnächst welche in olivgrün verteilen?“, fragte das Mädchen.

Der Puls steigt. Wir sollten nicht ausschließen, dass binnen weniger Wochen eine Klarliste vorliegt, die vorschreibt, welches Design oder welche Motive Masken tragen dürfen und welche anderen rundweg verboten sind. Kuba, Land der Verbote.

Übersetzung: Dieter Schubert

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