Die Unberührbaren

Eine Parodie auf die ‚Social-Media-Scharlatane‘, die ‚Trolle‘, die die kubanische Regierung unterstützen. (Observatorio Cubano de Conflictos)

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YOANI SÁNCHEZ / La Habana / 21.September 2020

In einem Circus als Szene, mit grell geschminktem Gesicht und schriller Stimme, bis vor kurzem repräsentierten ein paar offizielle Comic-Figuren verschiedene Personen der kubanischen Opposition oder der unabhängige Presse. Es war die Zeit, in der der Zugang ins Internet so sehr eingeschränkt war, dass die Sozialen Netze von Profilen der Staatssicherheit überschwemmt waren. Deren Präsenz hat sich kaum verringert, aber jetzt sind auch wir da.

Während mehr als einer Dekade und mit völliger Straflosigkeit haben die Websoldaten uns Aktivisten in Verruf gebracht, indem sie mit falschen Accounts versuchten, das Prestige von Dissidenten zu zerstören, oder eine erbitterte Treibjagd auf Blogger eröffneten, die − wie wir −sich der Kontrolle durch die Plaza de la Revolución entzogen hatten. Alles war ihnen erlaubt. Sie starteten sogar eine frauenfeindliche Attacke, die eine offensichtliche Drohung gegen die Familie des Verleumdeten war, oder sie enthüllten intime Details, um ihn verletzbarer zu machen.

Ich erinnere mich nicht daran, dass es uns in den Jahren zwischen 2007 und Anfang 2019 möglich gewesen wäre, irgendeinen legalen Vorgang in die Wege zu leiten, um unsere Reputation wieder herzustellen, oder die zu lokalisieren, die uns diffamierten. Ganz bestimm aber erinnere ich mich, dass solche Gemeinheiten uns oft nur lächeln ließen, weil wir uns an die Propagandamaschine des Systems gewöhnt hatten. Schließlich waren die öffentlichen Angriffe, sogar verletzende, eine ausgezeichnete und kostenlose Reklame für uns, um unsere Arbeit innerhalb und außerhalb Kubas bekannt zu machen. Nichts ist attraktiver als das Verbotene.

Bei irgendeinem Wortwechsel, sei’s im Ernst oder im Scherz, setzen sie ihre Truppen aus „Internetkämpfern“ in Bewegung und rufen nach internationaler Solidarität, um „dem Angriff in den Sozialen Netzen“ die Stirn zu bieten.

Jetzt, nachdem die Mobilgeräte Zugang ins Internet haben, verfügen wir Bewohner der Insel über ein viel breiteres Angebot an Information − trotz der Zensur und der hohen Preise. Es gelingt uns, unsere Anklagen unmittelbar zu veröffentlichen, und an Humor, dem Werkzeug für politische Kritik, die aus Kuba oder von der „Community im Exil“ stammt, fehlt es uns auch nicht. Mittlerweile sind Dutzende von Parodien über kubanische Funktionäre erschienen und deren Überreaktion ließ nicht lange auf sich warten.

Wo wir über die wütenden Attacken besagter Institutionen lächelten, toben die Verspotteten von heute und reden von einer Staatsaffäre, die versuche, das „Ansehen von Amtspersonen zu zerstören“. Sie haben eine so empfindliche Haut, wie die äußere Schale jener Zwiebeln, die seit Monaten von den kubanischen Marktständen verschwunden sind. Bei irgendeinem Wortwechsel, sei’s im Ernst oder im Scherz, setzen sie ihre Truppen aus „Internetkämpfern“ in Bewegung und rufen nach internationaler Solidarität, um „dem Angriff in den Sozialen Netzen“ die Stirn zu bieten.

Passenderweise vergessen sie, dass sie es waren, die solches ausbrüteten und das unaufhaltsame „Kubanische Monster“ zum Leben erweckten: die Zerstörung der Reputation mittels Internet. Eine Kreatur, die ihnen selbst jetzt mit den Zähnen an die Gurgel geht.

            Übersetzung: Dieter Schubert

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