„14ymedio“: fünf Jahre seit jenem ersten Tag

'14ymedio'

In diesem Gebäude in Havanna hat die Redaktion von „14ymedio“ in den fünf Jahren viele hektische, nervige und arbeitsreiche Stunden erlebt. (14ymedio)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 21. Mai 2019 

Am 21. Mai hatte „14ymedio“ Geburtstag. Dieses „informative Geschöpf“ feiert fünf Jahre seines Bestehens, mit nicht angenommenen Herausforderungen einerseits und dem guten Gefühl, bis hierher gekommen zu sein. Für jedes publizierende Medium sind fünf Jahre ein Beweis für Reife, aber im Fall Kuba, wo unabhängige Medien zensiert oder verboten sind, ist es ein echter Akt von Mut und Ausdauer.

Seit jenem 21. Mai 2014 ist viel Regen gefallen. Die frühen Morgenstunden waren anstrengend, die Kaffeetassen häuften sich auf den Tischen der Redaktion in Havanna, die Geschichten, die wir erzählen wollten, vervielfachten sich und mehr als einmal brachte die journalistische Arbeit einen Reporter unseres Teams hinter Gitter, als Folge einer willkürlichen Verhaftung.

In dieser Zeit haben auch wir uns verändert. Die Reportagen, die Berichte und die Interviews, die wir machten, haben bei allen Mitgliedern der Redaktion Spuren hinterlassen. Wir sagten „Lebewohl“ zu einigen Kollegen die emigrierten; wir versuchten andere zu trösten, die aus Angst vor Repressalien nicht mehr publizieren wollten und wir begrüßten neue Gesichter. Wir straften mehrere Prognosen Lügen, die uns eine Existenz von höchstens ein paar Monaten prophezeiten und wir überzeugten etliche Skeptiker davon, dass Information, guter Journalismus und die Presse unsere Sache ist.

Anfangs kommunizierten wir im Verlag ausschließlich per E-Mails; WiFi – Hotspots auf Plätzen und in Parks gab es noch nicht, das diplomatische Tauwetter zwischen Washington und Havanna hatte noch nicht begonnen, Kreuzfahrtschiffe legten noch nicht in kubanischen Häfen an und Fidel Castro veröffentlichte weiterhin seine verrückten „Reflexionen“ in der offiziellen Presse.

Wenn jemand erreicht, dass seine Geschichte auf unseren Seiten sichtbar wird und sich damit sein Problem löst, dann ist das für uns ein Ansporn weiterzumachen.

In dieser Zeit haben wir uns auf andere Plattformen ausgedehnt; heute verbreitet sich ein Teil unserer Inhalte auch über Instant-Messaging-Dienste wie WhatsApp und Telegram. Wir haben einen informativen Podcast eingerichtet, pflegen einen wöchentlichen E-Mail Newsletter und konfigurieren jeden Freitag mit gewohnter Routine eine PDF-Datei mit den Nachrichten der Woche; wir engagieren uns für die Zusammenarbeit mit verschiedenen Medien und wir bieten für Mitglieder ein spezielles Programm an.

Es gab auch harte Tage; Momente, in denen es so aussah, als ob wir es nicht schaffen würden. Von denen gibt es immer noch viele, aber jeder Kommentar eines Lesers, ein ermutigendes Wort an uns auf der Straße oder in sozialen Medien, jemand, dessen Geschichte auf unseren Seiten sichtbar wird und dessen Problem sich dadurch löst − das ist es, was uns anspornt weiterzumachen.

Wir stehen auf zwei festen Beinen: auf unserer journalistischen Arbeit, die jeden Tag besser werden sollte, und auf unserer wirtschaftlichen Unabhängigkeit, die wir bewahren wollen, ohne einen Cent von Regierungen, Parteien oder mächtigen Gruppen anzunehmen. Unsere Absicht ist integer. Wir wünschen uns, dass Kuba auf dem Weg zu einem demokratischen Wandel vorankommt und dass „14ymedio“ noch da ist, um die Bürger mit Informationen zu begleiten − wie der Dinosaurier in der Kurzgeschichte*) von Augusto Monterroso.

Übersetzung: Dieter Schubert

Anmerkung des Übersetzers:

*) Augusto Monterroso (1921 – 2003) war ein guatemaltekischer Schriftsteller und Diplomat, der viele Jahre im mexikanischen Asyl lebte. Bekannt wurde er mit seinen Kürzestgeschichten. Sein Text „Der Dinosaurier“ gilt weltweit als die kürzeste Erzählung, sie lautet: „Als er erwachte, war der Dinosaurier noch immer da“.


Das Team von 14ymedio setzt sich für einen seriösen Journalismus ein, der die Realität Kubas in all seinen Facetten widerspiegelt. Danke, dass Sie uns auf diesem langen Weg begleiten. Wir laden Sie ein, uns weiterhin zu unterstützen, diesmal aber durch die Mitgliedschaft bei 14ymedio. Gemeinsam können wir den Journalismus auf Kuba weiter voranbringen.

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