Fremdschämen

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Mehr als fünfzig regierungstreue Kubaner und ein Dutzend Venezolaner boykottierten mit dem Ruf  „Söldner“ den Beginn des Treffens zwischen Regierungsvertretern und Mitgliedern der Zivilgesellschaft. (EFE/Alberto Valderrama)

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YOANI SÁNCHEZ | La Habana | 16. April 2017  

Der Nachklang des vor kurzem beendeten Amerika-Gipfels in Lima beginnt zu verhallen. Die Veranstaltung, zu der die Mehrzahl der Präsidenten der Region zusammen kamen und die als Anstoß für Diskussionen in diversen sozialen Foren diente, gehört der Vergangenheit an. Dennoch bleiben die Bilder des blamablen Auftritts der regierungstreuen Delegation Kubas frisch im Gedächtnis.

 Die ‘Zivilgesellschaft’, die Raúl Castro nach Peru schickte, provoziert mindestens ein Gefühl des Fremdschämens. Ihre verzerrten Gesichter und ihr intolerantes Geschrei verbreiten den Eindruck, dass wir Bewohner Kubas keine Lust auf Debatten haben; uns fehlt der nötige Respekt vor Unterschieden und wir antworten auf Argumente mit Schreien.

 Mit ihrer kalkulierten Streitsucht und dem Verhalten von Streikposten, haben sie das Bild der Nation ernsthaft beeinträchtigt. Unter dem Motto „mit Kuba legst du dich nicht an“ gelang es ihnen, den Ruf dieses Landes in der Region noch mehr zu schädigen, sein Ansehen also, das bereits ziemlich in Verruf geraten ist, weil das kubanische Volk schon mehr als ein halbes Jahrhundert ein autoritäres System duldet.

Ihre Bosse in Havanna übten mit ihnen dieses traurige Spektakel ein, sie zogen sie ins Lächerliche und benutzten sie, um klar zu machen, dass sich nichts geändert hat.

Weshalb bestanden diese Stoßtrupps auf ihrem Vorgehen, obwohl sie sich der Zurückweisung bewusst waren, die sie damit hervorriefen? Weil der Eindruck, der vermittelt werden sollte, genau der einer Horde von „Automaten“ war, ohne Tiefgang und Menschlichkeit. Ihre Bosse in Havanna übten mit ihnen dieses traurige Spektakel ein, zogen sie ins Lächerliche und benutzten sie, um klar zu machen, dass sich nichts geändert hat.

 Mit der Zeit werden – wie so oft – einige der Anführer dieser Protestaktionen zu Posten mit höherer Verantwortung aufsteigen, als Preis für die Dezibel, die ihre Schreie erreichten. Andere werden auswandern; sie werden während irgendeiner Dienstreise aus dem Land fliehen und versuchen diese „Peinlichkeit“ zu vergessen, aber nie werden sie die Opfer ihrer Aggressivität um Entschuldigung bitten.

 Der neue Makel wird länger am Bild der Nation haften als die Intoleranz dieser als Bürger verkleideten Soldaten. Sie werden verschwinden, aber die Schande bleibt.

Übersetzung: Lena Hartwig


 

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