Ein spanischer Botschafter am falschen Ort

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War es die Entscheidung des spanischen Botschafters Juan José Buitrago auf den Friedhof von Santa Ifigenia zu gehen und dort Blumen am Monolithen niederzulegen, der die Asche Fidel Castros bedeckt?

14ymedio bigger YOANI SÁNCHEZ |La Habana / 20. Februar 2018  

 Es ist fünf Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Spanien war. In den sozialen Medien zirkulierte daraufhin eine Fotomontage, auf der ich am Grab des Diktators Francisco Franco zu sehen war. Bei Twitter schrieb ich ein kurzes Dementi; aber der Zwischenfall ließ mich darüber nachdenken, wie notwendig es ist, sich mit der Geschichte des Landes zu befassen das man besucht, mit seinen Symbolen, Leidenschaften und Abneigungen.

 Fünf Jahre später habe ich den spanischen Botschafter auf einem nicht-manipulierten Foto gesehen, wie er vor dem Monolithen posiert, der die Asche Fidel Castros bedeckt. Juan José Buitrago de Benito, der sein Beglaubigungsschreiben im vergangenen Mai übergab, steht in fast militärischer Haltung neben dem Grabstein des Mannes, der sich fast fünf Jahrzehnte mit Gewalt an der Macht hielt.

 Wie jeder Diplomat, erfahren in der Kunst mit schwierigen Situationen umzugehen, hätte Buitrago de Benito die Bedeutung einer Momentaufnahme abwägen müssen, ehe er zu diesen Ort ging und ein paar Blumen als Zeichen der Achtung niederlegte. Er hätte wissen müssen, dass sein Handeln beim Regierungsapparat auf begeisterten Zuspruch treffen würde, weil er für das System damit ein deutliches Zeichen seiner ideologischen Positionierung und einer politisch ähnlichen Einstellung setzte.

 Es gibt zwei Fragen, die man sich sofort stellt, wenn man ihn dort auf dem Friedhof von Santa Ifigenia in der Sonne sieht, in einer tadellosen Guayabera (traditionelles kubanisches Hemd). War es seine Entscheidung dorthin zu gehen? Wusste er von der Bedeutung, die diese Visite haben würde?

 Welche Option auch immer, sei es Naivität, die ihn in eine Falle lockte oder kalkulierte Absicht, beides lässt den spanischen Botschafter in einem schlechten Licht erscheinen.

 Für die, die seit langem die geschickten Machenschaften der kubanischen Behörden kennen, jedweden Besucher des Landes für sich zu vereinnahmen, passt es gut sich einen naiven Botschafter vorzustellen, der auf den Friedhof geht, um José Martí – dem Nationalhelden mit spanischen Wurzeln – die Ehre zu erweisen. Weil er nun schon einmal da ist, drängt man ihn auch zum nahen Monolithen von Castro zu gehen.

 Wenn dem so war, dann haben fehlende Kenntnisse über die kubanische Realität und ihre Regeln dem Botschafter einen üblen Streich gespielt. Nicht zu wissen „wie man standhaft bleibt“, um eine mit Bedacht und Hinterlist aufgestellte Falle zu vermeiden, hat bei ihm zu einer Entgleisung geführt, die mit seinem Aufenthalt bei uns verbunden bleiben wird.

 Trotzdem ist es möglich, dass es seine eigene Entscheidung war, die er traf, als er auf den Friedhof zuging. Dann sollten wir darüber nachdenken, ob er den Verstorbenen verehrte oder wenigstens seine Biographie bewunderte – die voller Heuchelei und Klischees ist – weil sie Castro als weisen und gerechten Befreier der Völker darstellt. Und es gibt noch eine schlimmere Möglichkeit: dass er mit seinem Besuch an der Grabstätte hoffte, die Gunst der kubanischen Behörden zurückzugewinnen, die nach dem Fiasko mit dem kürzlich verweigerten Besuch des spanischen Königspaares beleidigt reagierten.

 Welche Option auch immer, sei es Naivität, die ihn in eine Falle lockte oder kalkulierte Absicht, beides lässt den spanischen Botschafter in einem schlechten Licht erscheinen. Sein Besuch von Santiago de Kuba, der mit der Ankündigung der Eröffnung eines neuen Konsulats im Osten der Insel so gut begonnen hatte, hat sich für seine diplomatische Karriere in einen bedauernswerten Missgriff verwandelt.

 Noch fehlt eine Erklärung von ihm; aber ein authentisches, nicht-manipuliertes Foto sagt mehr als tausend Worte.

          Übersetzung: Dieter Schubert

 


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