Raúl Castro ließ seine letze Chance verstreichen

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Der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten, Barack Obama, und sein Amtskollege Raúl Castro gaben sich vor einem Jahr in Havanna die Hand. (Weißes Haus)

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      YOANI SÁNCHEZ  | GENERACIÓN Y | 22. März 2017    Vor einem Jahr bekam Kuba eine unvergleichliche Chance. Der amerikanische Präsident Barack Obama kam mit dem Wunsch auf die Insel, die politischen Auseinandersetzungen endlich zu überwinden. Diese Geste zeigt ihre Wirkung auf die diplomatische Situation, aber Raúl Castro – aus Furcht davor die Kontrolle zu verlieren – antworte darauf, indem er die wirtschaftlichen Reformen verlangsamte und stattdessen den ideologischen Diskurs und die Unterdrückung ausweitete.

Eine Nation erhält solche Chancen nicht jedes Jahr, nicht einmal in jedem Jahrhundert. Die Entscheidung sich zu verschanzen und sich so gegenüber einer flexibleren Politik zu verschließen, ist das Egoistischste, das die Revolution in den letzten Jahren getan hat. Die Möglichkeit den öffentlichen Zwist mit dem Nachbarn aus dem Norden zu beenden ungenutzt zu lassen, wird unvorhersehbare und langanhaltende Folgen für unser Land haben.

Unter diesen Folgen wird nicht die sogenannte „historische Generation”, die die Revolution in den 50ern anführte und die aufgrund der Gesetze der Biologie und der Abtrünnigkeit vieler bereits geschrumpft ist, zu leiden haben. Statt den Generälen in Olivgrün werden diejenigen, die noch in einer Wiege schlafen oder auf den Straßen der Insel mit einem Kreisel spielen, die Konsequenzen tragen müssen. Sie wissen es noch nicht, aber in den letzten zwölf Monaten hat ihnen ein Achtzigjähriger mit wenig Weitsicht einen Teil ihrer Zukunft entrissen.

Es lag nicht in der Verantwortung des Weißen Hauses diesen Wandel anzustoßen oder zu provozieren, aber seine positive Vorgehensweise schuf eine geeignete Szenerie um diesen weniger traumatisch zu gestalten.

Die größte Verschwendung lag darin, nicht diesen internationalen Moment auszukosten, die Freude über die ausländischen Investitionen und die Erwartungen auf ganz Kuba an die ersten Schritte in Richtung eines demokratischen Wandels, ganz ohne Gewalt oder Chaos. Es lag nicht in der Verantwortung des Weißen Hauses diesen Wandel anzustoßen oder zu provozieren, aber seine positive Vorgehensweise schuf eine geeignete Szenerie um ihn diesen weniger traumatisch zu gestalten.

Stattdessen hat die weiße Rose, die Obama Castro in seiner historischen Rede im Großen Theater von Havanna überreichte, zwischen der Zögerlichkeit und den Ängsten alle ihre Blätter verloren. Nun liegt es an uns den Kubaner von morgen zu erklären, warum wir an einem Wendepunkt unserer Geschichte standen und diesen vergeudet haben.

Übersetzung: Anja Seelmann

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