Das Ende der Ära Obama: verschwendete wertvolle Zeit

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Barack Obama bei einer der letzten Wahlveranstaltungen für Hillary Clinton. (EFE/EPA/CRISTOBAL HERRERA)

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YOANI SÁNCHEZ  | 14ymedio.com | 08. November 2016  Am Tag nach der Wahl von Donald Trump begann eine neue Epoche für die USA und die anderen Nationen weltweit, während für Kuba die Zeit großer Chancen endete. Sie blieb ungenutzt, aufgrund der Starrköpfigkeit der Regierung rund um die Plaza de la Revolución.

Mit der am 17. November 2014 angekündigten Normalisierung der Beziehungen zwischen Washington und Havanna begann eine Phase mit der Möglichkeit, das Leben der kubanischen Bevölkerung zu verbessern, was die Regierung nur mit übermäßiger Vorsicht aufnahm. Jedem Schritt von Obama in diese Richtung begegnete Raúl Castro mit Mistrauen. Die politische Repression wurde nicht verringert, dafür nahm in den letzten Monaten die ideologische Rhetorik zu.

Der Präsident General hat den Enthusiasmus der Wiederannäherung vergeudet, er hat Chancen vertan und die unvermeidliche politische Öffnung verzögert, die die Insel erleben wird

Der Präsident General hat den Enthusiasmus der Wiederannäherung vergeudet, er hat Chancen vertan und – durch seine Sturheit – die unvermeidliche politische Öffnung verzögert, die die Insel erleben wird. Castro zog es vor sich zu verschanzen, anstatt die eisernen Kontrollen zu lockern, die das wirtschaftliche, soziale und kulturelle Leben Kubas peinigen.

Als sich die Gelegenheit für kubanische Kaffeeplantagenbesitzer ergab, ihr Produkt auf US-amerikanischem Boden zu verkaufen, antwortete ihnen von der anderen Seite der erzürnte Nationale Verband der Kleinlandwirte. Angesichts der Vorschläge, engere Bindungen zwischen den Jugendlichen beider Nationen aufzubauen, verschanzte sich der „olivgrüne Regierungsapparat“ hinter einer bitteren Kampagne gegen die Stipendien der Organisation World Learning*.

Googles Angebot, der Insel beim Anschluss ans Internet zu helfen, stieß auf das Monopol der Etesca, dem staatlichen Unternehmen für Telekommunikation, das schon Ende dieses Jahres ein “Pilotprojekt“ starten wird, um das riesige weltweite „Spinnennetz“ in 2000 Haushalte in Alt-Havanna zu bringen. Währenddessen bleiben viele Webseiten aufgrund der scharfen Zensur gesperrt und die öffentlichen Internetzugänge behalten ihre hohen Preise und ihren schlechten Service bei.

Die Regierung rund um die Plaza de la Revolucíon spricht von einem halb leeren Glas. Monatelang beschuldigte man Obama, dass es ihm nicht gelungen ist, das Embargo aufzuheben oder Guantanamo Bay Naval Base zurückzugeben. Eine Propagandastrategie, ein schriller Protest, um das Offensichtliche zu überdecken: Der Nachbar im Norden zeigte bei Wiederannäherung eine bessere Herangehensweise.

Die Fotos, auf denen sich Castro und Obama die Hand geben und in die Kameras lächeln, haben nur geringe Bedeutung. In der Realität ist Kuba weit davon entfernt, die Schlagzeilen der ausländischen Presse zu verdienen, denen zufolge sich Kuba verändert hat, weil Madonna durch die Straßen der Hauptstadt spazierte, weil eine US-amerikanische Fußballmannschaft die Tribünen eines Stadions auf der Insel zum Beben brachte oder weil beide Länder beim Schutz der Haie in der Region zusammenarbeiten.

In der Realität ist Kuba weit davon entfernt, die Schlagzeilen der ausländischen Presse zu verdienen, denen zufolge sich Kuba verändert hat, weil Madonna durch die Straßen der Hauptstadt spazierte

In den letzten Wochen wurde der Bremseffekt viel stärker spürbar. Die kubanischen Behörden wissen, dass auf den neuen „Mieter“ im Weißen Haus viele Herausforderungen zukommen. In seinem Terminkalender für die ersten Monate stehen Dringlichkeiten wie der Syrienkrieg, der IS-Konflikt und seine eigenen internen Probleme, die weder klein noch unbedeutend sind. Kuba wird keine Priorität in der Agenda des nächsten US-Präsidenten haben.

Ob Hillary Clinton oder Donald Trump, der Wahlsieger wird sich erst nach einiger Zeit mit dem Thema Kuba befassen und das auf seine Art tun. Der neue Kurs kann ein erneutes Auseinanderdriften bedeuten oder den von Barack Obama eingeschlagenen Weg vertiefen. Aber die Zügel, die Kuba an das 20. Jahrhundert binden, gehen nicht vom Oval Office aus. Ein über achtzigjähriger Mann hält sie fest, der sich vor der Zukunft fürchtet, die uns erwartet und in der er nicht mehr sein wird.

Anmerkung d. Übers.:

*Dem von „World Learning“ organisierten US-Jugendprogramm wirft die kubanische Regierung vor, Jugendliche unter falschem Vorwand als Akteure für einen Systemwechsel auf Kuba anzuwerben.

Übersetzung: Lena Hartwig

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