Die halbseitige Lähmung der offiziellen Presse

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Das kubanische Fernsehen unterliegt nach wie vor dem strengen Monopol der Kommunistischen Partei um an einer parteiischen Linie festzuhalten, die die Vielschichtigkeit Kubas nicht repräsentiert.

Generación Y, Yoani Sánchez, 06. Januar 2016 Manchmal würde ich gerne in jenem Land wohnen, das im Fernsehen gezeigt wird. Jenes Land voller Hoffnungen, so wie es von der offiziellen Presse verbreitet wird, mit der rosafarbenen Tönung eines Trugbilds. Ein Ort aus Requisiten und Parolen wo die Fabriken einen Produktionsüberschuss aufweisen und die Angestellten zu “Helden der Arbeit” ernannt werden. In jenem Kuba, das von unseren Antennen empfangen wird und auf unsere kleinen Bildschirme gelangt, ist kein Platz für Krankheiten, Schmerz, Frustration oder Ungeduld.

Die offizielle kubanische Presse hat in den vergangenen Jahren versucht, sich der Realität des Landes anzunähern. Verschiedene junge Gesichter waren in den Fernsehprogrammen zu sehen, um über Nachlässigkeiten der Behörden, schlecht erbrachte Dienstleistungen oder Beschwerden einzelner Verbraucher im Bezug auf ein bürokratisches Verfahren zu berichten. Trotzdem ist der staatliche Journalismus noch weit von der Objektivität und dem Respekt vor der Wahrheit entfernt.

Die offizielle kubanische Presse hat in den vergangenen Jahren versucht, sich der Realität des Landes anzunähern, ist aber trotzdem noch weit von der Objektivität und dem Respekt vor der Wahrheit entfernt.

Fernsehen, Radio und Zeitungen unterliegen nach wie vor dem strengen Monopol der Kommunistischen Partei, und das nicht nur aufgrund ihrer ideologischen Unterordnung, sondern auch, weil sie aus der Staatskasse – also mit dem Geld aller Kubaner – finanziert werden, das genutzt wird, um an einer parteiischen Linie festzuhalten, die die Vielschichtigkeit Kubas nicht repräsentiert.

Die Themen, die von den Journalisten dieser parteiischen Presse behandelt werden, repräsentieren die Interessen einer Ideologie und die der Machthabenden, und nicht etwa die des gesamten Volkes. Sie wagen es zum Beispiel in ihren Reportagen nie, die Autoritäten und das aktuelle politische System zu hinterfragen und auch die Organe der Staatssicherheit oder die Vorgehensweise der Polizei gehören zu den Tabuthemen.

Jedoch verrät die offizielle Presse die Grundsätze einer ausgewogenen und unparteiischen Berichterstattung vor allem dann, wenn sie Erklärungen abgibt, Stimmen zu Wort kommen lässt oder Meinungen verbreitet. Aufgrund der Pressezensur gelangen nur jene an die Mikrofone, die mit der Regierung einverstanden sind und den Maßnahmen der Führungsriege applaudieren.

Niemals wird jemand interviewt, der anders denkt, dagegen ist oder der meint, das Land sollte andere politische und wirtschaftliche Wege gehen. Die Einstimmigkeit füllt weiterhin die Bildschirme und Nachrichten, auch wenn die kontroversen Meinungen schon lange in den Bussen, in den Geschäften, in den Fluren von Institutionen und sogar in den Unterrichtsräumen lautstark zu hören sind.

Zum Jahresbeginn hat eine Lawine von Berichterstattungen das TV-Programm überrollt. Die Protagonisten waren junge Menschen, die versicherten, im “bestmöglichen aller Länder” zu leben, sie lachten selbstbewusst der Zukunft entgegen und träumten nicht vom Auswandern. Bei dieser Berichterstattung kam niemand zu Wort, der sich gerade darauf vorbereitete, Kuba zu verlassen, niemand, der aufgrund seiner beruflichen Perspektiven frustriert war oder in die Illegalität abtauchen musste, um zu überleben.

Die Einstimmigkeit füllt weiterhin die Bildschirme und Nachrichten, auch wenn die kontroversen Meinungen schon lange in den Bussen oder den Geschäften lautstark zu hören sind.

Nicht ein Selbstständiger, der sich über die hohen Steuern beschwert; und das in fast 70.000 Stunden TV-Sendezeit im Jahr. Eltern, die aufgrund der zunehmenden Gewalt auf den kubanischen Straßen besorgt sind, haben auch keinen Platz in den Medien. Frauen, die von ihren Männern geschlagen werden, erscheinen nicht auf den Bildschirmen um ein Gesetz zu fordern, das sie vor Missbrauch schützt. Über die Rassendiskriminierung sieht man nur Fachleute sprechen, die das Thema nur zurückhaltend angehen, während kein Bürger die überhöhten Preise in den staatlichen Geschäften infrage stellt.

Die Lehrer, deren Gehalt nicht ausreicht, um ein würdiges Leben zu führen, finden für ihre Forderungen genauso wenig Echo in den Medien wie der verprügelte Dissident, der Respekt gegenüber seiner Meinung fordert. Der Häftling, der die schlechten Bedingungen in den Gefängnissen anprangert, hat genauso wenig eine Chance, das vor einer Kamera zu tun wie die Patienten, die Opfer von Verstößen gegen die medizinische Ethik geworden sind, oder von einer schlechten Behandlung im öffentlichen Gesundheitssystem.

Dieser gesamte Bereich Kubas, der größte Bereich, bleibt bei den autorisierten Medien außen vor. Denn das, was die offizielle kubanische Presse macht, ist kein Journalismus, sondern Werbung für die Ideologie des Regimes. Auch wenn sie viele Fachleute mit Universitäts- und postgradualen Abschlüssen hat, haben diese nicht die Freiheit, Informationsjournalismus auszuüben. Anstatt nach der Wahrheit zu suchen, versuchen sie uns ihr Kriterium aufzuzwingen. Was sie machen, kann man nicht einmal “Presse” nennen.

Übersetzung: Nina Beyerlein