Machado Ventura: weder jung noch weiblich

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Machado Ventura, im Jahr 2012, bei der 8. Plenarsitung der Nationaldirektion des Komitees zur Verteidigung der Revolution (CDR). (JCG)

Generation Y, Yoani Sánchez, 31. August 2015 Wenn jemand die Orthodoxie des mehr als altmodischen politischen Systems auf Kuba verkörpert, dann ist dies ohne Zweifel er, José Ramón Machado Ventura. Mit schleppendem Gang und unbegrenzter Macht; der Vizepräsident des Staats- und Ministerrats repräsentiert den reaktionärsten und fortschrittsfeindlichsten Flügel der Inselregierung. Daher kommt es, dass die übersteigerte Führungsrolle, die er in den Medien im Verlauf der letzten Wochen erlangt hat, viele beunruhigt.

Machadito, wie ihn ältere Kubaner nennen, spielt in diesem Sommer die Hauptrolle; angefangen mit Besichtigungen von Zuckerfabriken und einem Treffen mit Viehzüchtern, bis hin zur Abschlussrede auf der Tagung des kubanischen Frauenverbandes, einen Tag beim 10. Kongress des kommunistischen Jugendverbandes, und an diesem Samstag die Schlussworte im Nationalrat des Studentenverbandes FEU. All das, obwohl er weder Landwirt, noch Frau und schon gar nicht mehr jung ist.

Die vielen Fotos und Statements, die die offizielle Presse vom zweiten Sekretär des Zentralkomites der Partei publiziert hat, lassen viele Kubanern über eine Frage nachdenken: Wird sich die harte Linie schlussendlich gegen die Reformer durchsetzten, die möglicherweise Teil der politischen Macht auf Kuba sein könnten? Das häufige Erscheinen von Machado Ventura auf der öffentlichen Bühne lässt keinen Raum für Hoffnungen.

Wird sich die harte Linie schlussendlich gegen die Reformer durchsetzen, die möglicherweise Teil der politischen Macht auf Kuba sein könnten?

Manche nennen diesen Funktionär den „Mann der kleinen Bäume“, loyal bis ins Mark und grau bis in alle Mitochondrien seiner Körperzellen. Von ihm, glaubt man, stammt das Rundschreiben von 1995, das das Aufstellen von Weihnachtbäumen in Hotels und auf öffentlichen Plätzen verbot. Jahre später hat sich das Leben gegen sein Vorhaben durchgesetzt, und heute sieht man überall mit Beginn des Monats Dezember den Santa Claus und bunte Lichter, und das auf eine herausfordernde Art und Weise, die diesem gelernten Arzt überhaupt nicht gefallen kann; ihm, der schon vergessen hat, wann er zum letzten Mal einen Patienten behandelte.

Dieser Achtzigjährige, der so tut als wüsste er alles, repräsentiert das, was auf Kuba ein für alle Mal zu Ende gehen muss. Er verkörpert diese verstaubte Macht, die sich an „die da unten“ richtet, nur um von ihnen höhere Leistung und größere Opfer zu fordern. In seiner Person vereinigen sich Despotismus, Arroganz und die Überlegenheit von jemand, der seit Jahrzehnten weder in einen Omnibus eingestiegen ist, noch die Centavos zählt, um ein Kilo Hühnchen zu kaufen. Der die kühle Leere eines Kühlschranks, der sich mit einem mittleren Monatslohn über Wasser hält, überhaupt nicht mehr fühlt.

In der Zukunft wird Machado glücklicherweise eine jener Figuren sein, die sich in der Geschichte verlieren. Wie in einem dieser Witze, die so populär in Osteuropa waren und später auf unsere Insel kamen, wo jemand seinen Namen in einer Enzyklopädie sucht und dort kaum einen knappen Hinweis auf sich findet. Vielleicht sagt dieser, dass er „dem Kader der kommunistischen Partei Kubas angehörte und zu einer Zeit lebte, als die Kubaner wieder begannen Bäume zu pflanzen, und an Weihnachten Girlanden aufzuhängen.“

Übersetzung: Dieter Schubert