Die Mauer der Botschaft ist gefallen

Botschaft

Die „Antiimperialistische Tribüne“ hat Jahrzehnte lang versucht, die Fassade des Landes zu verdecken, das man jetzt befreundet nennt. (EFE/Archiv)

14ymedio, Generation Y, Yoani Sánchez, 02. Juli 2015 — In wenigen Tagen werden sich Briefköpfe ändern, werden Namensschilder ausgewechselt, und man wird die Fahne hissen. Jenes Gebäude, nah am Meer, mit seinen grünen Fensterscheiben wird man nicht mehr „Büro der Interessenvertretung“ nennen, es wird „die Botschaft der Vereinigten Staaten in Havanna“ werden. Eine Veränderung, die weit über die Namensfrage hinausgeht; eine Veränderung mit politischen, symbolischen und sogar sprachlichen Untertönen.

Das für die Wiedereröffnung diplomatischer Beziehungen gewählte Datum, zwischen dem Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten und dem Jahrestag des Angriffs auf die Moncada-Kaserne, wird in die Geschichtsbücher eingehen und ein neues denkwürdiges Ereignis markieren. Dennoch; nur die Praxis wird das letzte Wort darüber haben, in wie weit sich der Ort selbst verändern wird, oder man seine Befugnisse erweitern wird. Im Augenblick gibt es noch viele Fragezeichen.

Wird das nationale Fernsehen jene beleidigenden Programme absetzen, die gegen kubanische Dissidenten gerichtet sind, wo man Bilder von jenen verwendet, die gerade die Interessenvertretung – nunmehr Botschaft – der Vereinigten Staaten betreten? Wird die Polizei draußen vor der Tür nicht mehr auf unabhängige Journalisten warten, um wahlweise deren technische Ausrüstung oder ihre Diplome zu beschlagnahmen, die diese in Kursen für Journalismus dort erworben haben? Werden sie uns das Stück Uferpromenade zurückgeben, wo uns heute noch die Polizei am Gehen hindert, wegen seiner Nähe zur Gittertür der diplomatischen Vertretung?

Es wird reichen „die Botschaft“ zu sagen, damit wir alle wissen, dass es sich um diesen Ort handelt, nah am Meer, mit grünen Fensterscheiben, wo es den „Feind“ nicht mehr gibt.

Weiterhin wird man auch die Bewegungsfreiheit der Angehörigen der nordamerikanischen Botschaft garantieren müssen, sowie die Unverletzlichkeit ihres Gepäcks und ihrer Briefkästen. Die Möglichkeit Kontakte aufzunehmen, Besuche zu machen und sich mit der Zivilgesellschaft zu treffen, darf nicht mehr stigmatisiert werden. Heute werden Diplomaten „jenes Landes“ zu Gedenkfeiern und öffentlichen Veranstaltungen eingeladen. Vielleicht sehen wir ihre Gesichter auch bald auf dem Platz der Revolution während einer Parade am Ersten Mai.

Hoffen wir, dass die neue diplomatische Vertretung uns auch von den riesigen Fahnenmasten gegenüber der Fassade befreit, die das Gesicht unserer Stadt verschandeln; eines Tages wollte die Regierung damit eine elektronische Anschlagtafel verdecken, die Nachrichten verbreitete. Diese Zeiten scheinen schon lange vorbei zu sein. Selbst der „Antiimperialistische Platz“ hat seine Berechtigung in einem Land verloren, dessen Präsident dem Bewohner des Weißen Hauses lächelnd die Hand gereicht hat.

Die Botschaft wird Events veranstalten, thematische Filmwochen, Konzerte und Konferenzen mit Institutionen; genauso so es wie Länder wie Kanada, Spanien, Holland und Italien tun. Dann werden wir die Fahne mit den Sternen und Streifen auf Plakaten, Broschüren und Einladungen zu kulturellen Veranstaltungen sehen. Und jene, die jetzt noch dunkle Brillen und Hüte tragen, wenn sie sich dem Ort nähern oder mit seinen Beamten Kontakt aufnehmen,…von nun an werden sie es offen und mit erhobenem Haupt tun.

Und dennoch; eine der wichtigsten Veränderungen wird die Sprache betreffen. Die Leute werden aufhören Ausreden zu benutzen, wenn sie von diesem Ort sprechen; sie werden ihn einfach „die Botschaft“ nennen, ohne weitere Beinamen, ohne das Land oder die Zugehörigkeit genauer zu nennen. Es wird reichen „die Botschaft“ zu sagen, damit wir alle wissen, dass es sich um diesen Ort handelt, nah am Meer, mit grünen Fensterscheiben, wo es „den Feind“ nicht mehr gibt.

Übersetzung: Dieter Schubert