Willkommen Hollande! Auf Wiedersehen Hollande!

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François Hollande und Raúl Castro, am 12.05.2015 im Palast der Revolution, Havanna, Kuba. (EFE)

Der offizielle Empfang am Flughafen, das Foto, auf dem man die Hand des Gastgebers schüttelt, das Niederlegen eines Kranzes vor der José-Martí-Statue und die ersehnte Konferenz in der Universität von Havanna. Für wie viele ausländische Politiker lief das Programm in den letzten Monaten so ab? Es sind so viele, dass wir bereits den Überblick verloren haben.

Eine regelrechte Flutwelle an Präsidenten, Kanzlern und Abgeordneten überrollte Kuba in letzter Zeit, ohne dass die illustre Präsenz im Alltag der Kubaner auch nur einen Hauch von Erleichterung ausgelöst hätte. In die Parade der internationalen Führungskräfte hat sich diese Woche der französische Präsident, François Hollande, eingereiht und bekräftigte, dass sein Land die „Beziehungen mit Kuba stärken“ möchte, damit beide Nationen eine größere internationale Führungsrolle übernehmen“

Während seines Aufenthalts traf der Politiker mit Raúl Castro zum Gespräch zusammen, besuchte Fidel Castro zu Hause und überreichte dem Erzbischof von Havanna, Jaime Ortega y Alamino, den französischen Verdienstorden der Ehrenlegion. In seinem Terminkalender gab es jedoch weder Platz für ein Treffen mit Dissidenten noch für eines mit Aktivisten. Seine Sicht auf das kubanische Szenario konnte er nicht mit einem kritischen Blick auf das Verhältnis der Regierung zu seinem eigenem Volk vervollständigen. Als das Flugzeug des Präsidenten wieder abhob, hatte der Franzose kaum mehr als die offizielle Version der Tatsachen gehört und gesehen.

Bei einem Vortrag in der Aula Magna, sagte Hollande „kommt man nach Kuba, so kommt man in ein Land, das ausdrückt, was ganz Lateinamerika repräsentiert: die Forderung nach Würde und Unabhängigkeit.“ Auch wenn er es nicht sagte, weiss der französische Präsident, dass es auch das Ankommen in einer Nation ist, in der es Gefangene aus ideologischen Gründen, aber keine politische Parteein gibt, und wo Opponenten unterdrückt und bedroht werden. Ein Land ohne Gewerkschaftsrechte, in der die unabhängige Presse illegal ist und die militärische Macht in der Familie weitervererbt wird.

Bei diesem Besuch brauchten wir die Bestätigung, dass das Frankreich der Menschenrechte noch immer an die unerschütterlichen Werte glaubt, die das Recht des Einzelnen anerkennen, von der offiziellen Meinung abzuweichen, in denen man seine Differenzen ohne Angst ausdrücken und sich gemäß seiner Interessen organisieren kann. Wir forderten Worte der Unterstützung als Bestätigung, dass die Regierung dieses europäischen Landes dazu bereit ist, Kuba in seinem Wunsch nach Freiheit zu unterstützen; ein Wunsch, der Frankreichs eigene nationale Geschichte geprägt und geformt hat.

Der Besuch des französischen Präsidenten auf kubanischem Boden wird vielen aufgrund seiner gefälligen Haltung gegenüber den Autoritäten in Erinnerung bleiben    

Ein Mann, der sagt, dass Franzosen und Kubaner die “gleichen Ideen bewegen, die gleichen Sehnsüchte, die gleiche philosophische Inspiration“, kann nicht glauben, dass er ein Land besucht hat, in dem sich die Bürger freiwillig einer totalitären Macht untergeordnet haben. Denkt Holland etwa, wir haben uns stillschweigend für das Leben in einem Käfig entschieden? Nimmt er vielleicht an, wir fühlen uns an den Ketten wohl?

Betrachten wir diesen Besuch unter einem positiven Aspekt, so bleibt uns die Einweihung des neuen „Alliance française“-Instituts und eine Ausweitung der Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Bildung und Gesundheit. Dennoch, der Besuch des französischen Staatschefs auf kubanischem Boden wird vielen aufgrund seiner gefälligen Haltung gegenüber den Autoritäten in Erinnerung bleiben. Nach ein paar Jahren wird man sich nur schwer an eine Reise mit  einer derart seichten Tagesordnung erinnern.

Holland kam in Begleitung von Wirtschaftsvertretern aus Unternehmen wie Pernod Ricard, der Hotelkette Accor, Air France, der Einzelhandelsgruppe Carrefour, der Telekommunikationsfirma Orange und verschiedener Banken. Der Abschluss von Abkommen in den Bereichen Energie und Tourismus stellte sich letztendlich als der erfolgreichste Teil ihres Kubabesuchs heraus, obwohl das Treffen mit Fidel Castro größere Schlagzeilen machte.

Die Zeit wird vergehen und eines Tages wird unser Land in eine neue politische Situation übergehen. Wir werden einige Historiker sagen hören, dass die Einflussnahme des französischen Präsidenten auf diesem Weg des Wandels eine entscheidende Rolle gespielt hat. Aber das wird danach sein, wenn die Chronisten die Vergangenheit umschreiben, und sie nach ihrer Zweckmäßigkeit dekorieren. Im Moment kann man schwer abschätzen, inwieweit dieser fade Besuch unsere Zukunft beeinflussen kann.

Übersetzung: Nina Beyerlein