Auf Maldito liegt ein Fluch

 

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Der Stempel des Einreiseverbots im Reisepass des Künstlers Maldito.

Stellen Sie sich vor, dass Sie nach einem mehr als neunstündigen Flug Ihren Bestimmungsort erreichen und man Sie nicht aus dem Flugzeug aussteigen lässt. Die Beine taub von der Reise, die Angehörigen erwarten Sie draußen, die Koffer voller Geschenke für die Freunde…, aber ein Einwanderungsbeamter informiert Sie, dass Sie nicht in das Land einreisen können, in dem Sie geboren wurden. Also müssen Sie auf ihrem Sitzplatz bleiben, müde und frustriert, während man die Kabine für die nächsten Passagiere sauber macht. In der Zeit wo Sie warten, dass man Sie zu ihrem Abflughafen zurückbringt, werden Sie nicht aufhören sich zu fragen: „Wie kann mir in meinem eigenen Land so etwas passieren?“.

Diesen Albtraum hat gerade Aldo Menéndez erlebt, ein Künstler, der auch unter dem Namen Maldito¹ („der Teufel“) bekannt ist, als er versuchte nach Kuba einzureisen, um am Internationalen Videokunst Festival (FIVAC) in Camagüey teilzunehmen. Das kubanische Konsulat in Spanien hatte ihn schon vorher gewarnt, dass er auf der Insel nicht willkommen wäre; sie hatten in seinen Pass sogar eine Annullierung der Einwanderungsbewilligung gestempelt, die alle Emigrierten benötigen um einzureisen. Aber Maldito, wie er leibt und lebt, fand sich nicht damit ab und wollte am eigenen Leib erfahren, ob sie ihm wirklich nicht erlauben würden, diese Grenze für „Einwanderer“ zu überschreiten.

Wie jeder Künstler ist Maldito mutig und respektlos. Sein Werk ist provokant, und sogar der Titel seines Blogs Castor Jabao ist ein Anagramm², in dem man eine klare und deutliche Botschaft liest, wenn man die Buchstaben richtig anordnet. Trotzdem, neben seiner Kunst, ist dieser junge Mann, der an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste San Alejandro in Havanna studierte, ein echter Cubanazo³ der sein Talent, seine Pfiffigkeit und seinen Humor zur Schau stellt, wie es charakteristisch für uns ist. Wie also ist es möglich, dass man ihm aus politischen Motiven verwehrt, an dem Ort zu sein von dem er stammt; an dem Platz, der eigentlich die Keimzelle seiner Kunst und seiner Sicht der Welt ist.

Was Maldito passiert ist, ist nicht neu; aber deswegen sollten wir uns weder an eine solche Ungerechtigkeit gewöhnen, noch damit aufhören, sie zu denunzieren. Auch zwei Jahre nach der Reform des Einwanderungsgesetzes hat seine Implementierung noch nicht die Erpressung beseitigt, der sich alle kubanischen Emigranten unterwerfen müssen, um auf die Insel zu gelangen. Die Strafe für jene, die die kubanische Regierung von ihrer Wahlheimat im Ausland aus kritisieren, ist, dass man ihnen weiterhin das Recht verweigert zurückzukehren.

Einige wenige – geschützt von ihrer Macht – entscheiden, wer wieder auf diesen Straßen laufen darf, Freunde umarmen, in dem Haus sein darf, wo er seine Kindheit verbracht hat. Und sie tun es mit der Arroganz zu glauben, dass sie mit ihrer Ideologie und ihren Militäruniformen das Wesen von Kuba repräsentieren, während sie in Wirklichkeit das Land nur verunstalten, knebeln… umbringen.

Anmerkungen des Übersetzers:

¹Maldito ist der Spitzname des kubanischen Künstlers Aldo Menéndez; Maldito, wörtlich der Verfluchte, ist auch ein Beiname des Teufels.

²CASTOR JABAO = CASTRO ABAJO = Nieder mit Castro

³ Cubanazo ist die Bezeichnung für einen übermütigen Kubaner, der sich landestypisch kleidet, denkt und spricht.

 

Übersetzung: Dieter Schubert

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