Hallo? Hallo?

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Öffentliche Telefone. (Silvia Corbelle)

Sie wählte die Nummer und wartete. Nichts, weder ein Freizeichen noch ein Besetztton. Sie versuchte es erneut und da meldete sich die Stimme einer Frau, die darum bat nicht aufzulegen und zu warten. Als ihr nach einigen Minuten klar wurde, dass es sich um eine betrügerische Abzocke durch Warteschleifen handeln musste, war das Guthaben ihrer Prepaid-Karte schon fast zur Hälfte aufgebraucht. Zu guter Letzt kam die Verbindung doch zustande, aber die Stimme ihrer Mutter klang so, als spräche sie unter Wasser. Sie schaffte es noch, ihr zu sagen, dass es ihr gut gehe, dass sie sie vermisse, dann brach die Verbindung ab und ihr Anruf nach Kuba war beendet.

Die Emigration bringt viele Dramen mit sich. Im Fall der Kubaner kommen noch die Schwierigkeiten hinzu, mit der Heimatinsel zu kommunizieren. Wir haben in Kuba die teuersten Tarife weltweit, für alle, die uns anrufen wollen. Nur vergleichbar mit Ländern im Kriegszustand oder Nationen, die aufgrund eines Konflikts lahmliegen. Während der letzten 50 Jahre brachten die Exil-Kubaner Milliardenbeträge dafür auf, um mit der Verwandtschaft in der Heimat zu telefonieren. Geld, das sie dann abzweigen mussten, als sie sich den Weg in ein neues Leben hart erarbeiteten.

Deshalb wurde die Nachricht von einer direkten Telekommunikationsverbindung zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten mit großer Hoffnung aufgenommen und als ein Zeichen dafür gewertet, dass Telefonieren vielleicht bald keine Absurdität mehr darstellen wird. Die unterzeichnete Vereinbarung zwischen dem US-Unternehmen IDT Telecom und unserem Staatsmonopol Etecsa öffnet die Tür zu anderen möglichen Übereinkünften in diesem so wichtigen Bereich. Es ist ein erster Schritt, dessen Auswirkungen bisher kaum merkbar sind, doch zweifellos ist es eine gute Nachricht für all die Menschen, die damit leben, dass die Zuneigung zu ihren Liebsten durch die Floridastraße¹ fragmentiert wird.

Die Vereinbarung zwischen Etecsa und IDT ist eine gute Nachricht für alle, die damit leben, dass die Zuneigung zu ihren Liebsten durch die Floridastraße fragmentiert wird

In Kuba konzentrieren sich die Erwartungen nicht nur darauf, direkt und nicht über Drittländer in die Vereinigten Staaten anrufen zu können. Die Augen der Menschen glänzen noch mehr bei der Vorstellung, über diesen Weg auch irgendwann Zugang zum Internet bekommen zu können. Eine Datenverbindung, verwaltet von nordamerikanischen Unternehmen, aber von Kuba aus zugänglich, ist zum größten gemeinsamen Traum derer geworden, die nicht noch ein weiteres Jahr darauf warten wollen, den Cyberspace des Internets zu betreten.

Jedoch wurde diese Möglichkeit von Etecsa bisher nicht erwähnt, da das Unternehmen nicht wirtschaftliche sondern ideologische Interessen verfolgt und es so vorzieht, das Internet zu zenzieren anstatt Geld zu verdienen. Das ist aber nur eine Momentaufnahme. Trotzdem ist es eine Erleichterung, dass den Kubanern, die in den Vereinigten Staaten im Exil leben oder dorthin ausgewandert sind, bald erste Steine aus dem Weg geräumt werden, um mit ihren Familien in Kuba zu telefonieren. Zum Telefon greifen, eine kubanische Nummer wählen und auf die Verbindung warten, all das wird bald kein Abenteuer mit ungewissem Ausgang mehr sein.

Anm. d. Ü.:
¹Meerenge zwischen Kuba und Florida

Übersetzung: Nina Beyerlein