Die gute USAID und die schlechte USAID

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Kubanische Ärzte in einem USAID-Krankenhaus in Monrovia, Liberia

Es ist nur ein paar Monate her, dass wir eine Flut von öffentlicher Propaganda erlebten, deren Ziel es war, die USAID – die Behörde der Vereinigten Staaten für internationale Entwicklung – zu attackieren. Jene Großbuchstaben standen für einen Feind, mit dem man uns Angst einjagte, auf unseren Fernsehschirmen, auf Plattformen und sogar in Klassenzimmern. Trotzdem, und zu unserer Überraschung, haben wir diese Woche erfahren, dass einige kubanische Ärzte in Liberia angekommen sind, wo sie in einem Feld-Hospital arbeiten, das von dieser „schrecklichen Behörde“ finanziert wird.

Obwohl es die offizielle Presse vermieden hat Fotos zu veröffentlichen, die unsere Landsleute zusammen mit dem USAID-Logo zeigen, ist das eine oder andere Foto der Zensur entkommen. So, dass nun Berichte über Konfrontationen Risse bekommen, dass die Rhetorik des „Feindes“ Schlagseite bekommt und dass die zwiespältige Moral von jenen deutlich sichtbar wird, die ideologische Kreuzzüge fabrizieren, mit denen sie uns in den Massenmedien bombardieren.

Könnte vielleicht jemand die Associated Press (AP) bitten, dass sie möglichst bald beginnt, die „geheime Verschwörung“ zwischen dem Platz der Revolution und einer Behörde zu untersuchen, die Direktiven vom US-Außenministerium erhält? Wir möchten die Ströme von Druckerschwärze sehen, die diese sonderbare Zusammenarbeit hervorruft, den öffentlichen „Enthüllungen“, die geheimen Memoranden und die „Beichten“ hinter vorgehaltener Hand, die eine solche Zusammenarbeit erklären.

Und trotz allem; die Antwort wird von jenen gegeben werden, die die Unterstützung der USAID für die kubanische Zivilbevölkerung ablehnen, obgleich sie eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden der Insel für gut halten. Die Antwort wird lauten, dass man bei humanitären Angelegenheiten auf politische „Farbspiele“ verzichten müsse. Als ob sich zu informieren und sich technologisch kundig zu machen nicht eine Überlebensfrage des 21. Jahrhunderts wäre. Was die offizielle Presse ihrerseits betrifft, so wird sie anschicken zu erklären, dass, wenn es sich denn um die Rettung von Menschenleben handle, die kubanischen Ärzte bereit seien, alle Differenzen hintanzustellen. Aber nichts von alledem ist die wahre Erklärung.

Des Pudels Kern ist, dass die Regierung von Raúl Castro bezüglich des großen Nachbarn im Norden nach gegenseitiger Ebenbürtigkeit giert. Was sie nicht toleriert und niemals akzeptieren wird, ist, ihrer eigenen Zivilgesellschaft diese Ebenbürtigkeit zu gewähren oder sie ihr zuzuerkennen. Sie schielt sehnsüchtig auf ein Familienfoto zusammen mit „Uncle Sam“, solange nur niemand den unehelichen Neffen zum Fototermin einlädt; der letztere ist die kubanische Bevölkerung.

Macht ist selbstverliebt, vermutlich wollen uns das die Bilder der letzten Tage sagen. Wenn ein kubanischer Jugendlicher eine SMS erhält, die ihn zu einem alternativen Konzert aufruft, dann sollte er aufpassen, weil – in Übereinstimmung mit den Warnungen der offiziellen Kommentatoren der Mattscheibe – der Imperialismus in jedem Charakter stecken könnte. Diese ethischen Maßstäbe wenden sie jedoch nicht an, um einen Fachmann des Gesundheitswesens zu evaluieren, der unter einem Zelt arbeitet, bei Menschen auf Tragbahren und mit Spritzen, die die USAID finanziert.

Wie wird man es jenen Kindern erklären, denen man monatelang Angst vor der USAID eingejagt hat, dass ihr Papa oder Onkel nach Liberia ging und jetzt in einem Krankenhaus arbeitet, das mit Geldmitteln dieser Behörde gebaut wurde?

Als Ronald Hernández Torres, einer der Ärzte die nach Liberia reisten, auf seiner Facebook-Seite schrieb, dass „dieser medizinischen Abteilung die bestmöglichen Bedingungen zur Verfügung stehen, um Patienten zu betreuen, und die besten Fachleute aus aller Herren Länder Seite an Seite zusammenarbeiten“, wusste er da, dass all das von ebendieser Institution finanziert wird, die das letzte feindliche Schreckgespenst ist, das das Castro-Regime gefunden hat, um uns Angst einzujagen?

Wie es aber immer eintrifft, die Schreie aus politischer Hysterie beabsichtigen nur die Stimmen zu ersticken, die Argumenten den Vorzug geben. Obwohl, einem allgemein gültigen Gesetz folgend, hört die offizielle Version bald auf sich durchzusetzen, weil sie in hohem Maß beleidigend ist; das soll uns nicht entmutigen nach Ursachen zu forschen und die Widersprüche in ihren Äußerungen aufzudecken.

Ich weiß jetzt schon, dass am Jahresende, wenn wir informativ eine Bilanz der Schlagzeilen unserer nationalen Zeitungen ziehen, der Eindruck bleiben wird, dass die Regierung in Habana und die USAID unversöhnliche Feinde sind. Alles andere wäre gelogen. Die entscheidende Konfrontation, die unverrückbar anhält und nicht einen Zentimeter weicht, ist aber die, die von der Staatsmacht auf Kuba ausgeht und sich gegen das eigene Volk richtet.

Übersetzung: Dieter Schubert