Weibliche Karikaturen

Eine trinkende Frau. (14ymedio)

Eine trinkende Frau. (14ymedio)

Im nationalen Fernsehen sagt eine Frau, dass ihr Mann ihr bei einigen Arbeiten im Haushalt „helfe“. Dieser Satz könnte für viele wie der größte Wunsch einer jeden Frau klingen. Eine andere Dame versichert, dass sich ihr Ehemann wie ein „föderierter Mann“ verhalte, in Anspielung auf die Föderation kubanischer Frauen (FMC), die heute, am 23. August 2014, ihren 54. Gründungstag feiert. Ich dagegen, auf der anderen Seite des Bildschirms, empfinde nur Mitleid angesichts von so viel Sanftmut. Anstelle von dringenden Forderungen, die wir stellen sollten, höre ich nur Dankesworte, die sich an eine Macht richten, die ebenso männlich wie schwerhörig ist.

Es handelt sich nicht darum, beim Abwaschen eines Tellers zu „helfen“ oder sich um die Kinder zu kümmern, und ebenso wenig um diesbezüglich illusorische “Frauenquoten“, hinter denen sich genauso viel Diskriminierung verbirgt, wie hinter einer Ohrfeige. Das Problem ist, dass die politische und wirtschaftliche Macht weiterhin mehrheitlich in männlicher Hand ist. Wie viel Prozent der Autobesitzer sind Frauen? Wie viele Landgüter haben eine Besitzerin oder eine Nutznießerin? Wie viele Botschafter in ausländischen Vertretungen tragen einen Rock? Kann mir jemand die Zahl der Männer nennen, die Vaterschaftsurlaub beantragt haben, um sich um ihre neugeborenen Kinder zu kümmern? Wie viele junge Frauen hält die Polizei täglich an, um sie zu verwarnen, dass sie auf der Straße nicht an der Seite eines Touristen gehen können? Wer nimmt in den meisten Fällen an Elternabenden in der Schule teil?

Bitte, versuchen Sie nicht uns damit um den Finger zu wickeln, „dass 65% unserer militärischen Kader und 50% unserer Gewerkschaftführer Frauen sind“. Das Einzige was diese Statistik zeigt, ist, dass auf unseren Schultern jetzt noch mehr Verantwortung lastet, was aber weder mehr Entscheidungsbefugnisse bedeutet, noch weitergehende Rechte. Bei dem obigen euphorischen Satz wissen wir wenigstens, dass er von „Gewerkschaftsführern“ stammt; denn klar ist, dass die Entscheidungsgewalt letztendlich bei Männern liegt, denen von klein auf beigebracht wurde, dass eine Frau eine hübsche Zierde an der Hand eines Mannes ist … aber natürlich nur solange sie den Mund hält.

Diese folgsame und kleinmütige Frauenbewegung in unserem Land tut mir leid. Schande über jene Frauen mit ihren lächerlichen Halsketten und der dicken Schicht Make-up, die in offiziellen Medien auftauchen und uns sagen, dass „die kubanische Frau die beste Verbündete der Revolution gewesen ist“. Worte, die in derselben Minute gesagt werden, in der der Geschäftsführer einer Firma seine Sekretärin sexuell belästigt, in der eine misshandelte Frau vergeblich versucht eine Verfügung gegen ihren gewalttätigen Mann zu erwirken, in der ein Polizist einem Opfer sexueller Gewalt sagt “ also, bei dem Rock den Sie tragen…“, und in der die Regierung „Stoßtrupps“ rekrutiert, um die „Frauen in Weiß“ (Damas de Blanco*) vor deren Häusern mit Sprechchören, Beleidigungen und Schmähungen einzuschüchtern.

Die Frauen sind der Teil der Bevölkerung, der am meisten Grund hätte seine Unzufriedenheit herauszuschreien. Aber auch ein halbes Jahrhundert nach der Gründung dieser Karikatur von einer Organisation – wie sie die FMC ist – sind wir weder freier, noch einflussreicher und nicht einmal unabhängiger geworden.

Anmerkung des Übersetzers: Die „Frauen in Weiß“ (Damas de Blanco) sind eine Gruppe von kubanischen Frauen, die sich für die Einhaltung der Menschenrechte in ihrem Land einsetzten.

Übersetzung: Dieter Schubert