Meine Mutter und die Zwiebeln

An wen denke ich, wenn ich schreibe? Wie stelle ich mir jenen Leser vor, der meinen Texten näher kommt? Wen will ich mit meinen Worten aufrütteln, bewegen oder erreichen? Solche Fragezeichen kennen all jene, dies sich wie wir der Publikation von Meinungen und Ideen widmen. Es ist eine übliche Frage bei jenen, die Informations- und Pressearbeit betreiben. Die Person zu bestimmen, an die sich unsere journalistische Arbeit richtet, erweist sich als wichtigste Aufgabe, um nicht absurden Verallgemeinerungen, unverständlichen Ausdrucksweisen oder dem Tenor eines didaktischen Handbuchs anheim zu fallen.

Ich schreibe weder für Akademiker noch für Gelehrte. Obwohl ich mich vor geraumer Zeit in spanischer Philologie graduiert habe, gehören Latinismen und Textzitate einem Abschnitt meines Lebens an, der schon lange hinter mir liegt. Ebenso wenig denke ich, dass meine Worte Leute erreichen werden, die bequem in den Sesseln der Macht sitzen; ja nicht einmal an Spezialisten oder Wissbegierige denke ich, die in ihnen nach Schlüsselwörter oder Mitteilungen suchen. Wenn ich vor der Tastatur sitze, denke ich an Leute wie meine Mutter, die mehr als 35 Jahre im Taxigewerbe gearbeitet hat. An jene Leute also, die mit der Realität konfrontiert werden, die während der 24 Stunden eines Tages den Widrigkeiten aus dem Weg gehen,… an die werden sich meine Texte richten.

Manchmal, wenn ich mit meiner Mutter rede, erkläre ich ihr die Notwendigkeit, dass sich Kuba der Demokratie öffnen müsse, dass man die Menschenrechte respektiere und es Freiheit geben solle. Eine Weile hört sie mir still zu. Dann – nach ein paar Minuten – wechselt die Unterhaltung, und sie erzählt mir von Eiern, die nicht verfügbar waren, von einem Bürokraten, der sie genervt hat, von der korrodierten Wasserleitung an einer Stelle im Haus, wo Wasser austritt. Dann frage ich sie, was die Zwiebeln jetzt kosten. Meine Mutter benötigt den Gegenwert von 3 Tagen ihrer Rente, um ein Pfund Zwiebeln zu kaufen. Mehr muss ich jetzt nicht mehr sagen; sie beendet das Gespräch mit: „Dieses Land muss sich verändern.“

Übersetzung: Dieter Schubert