Tage, an denen man den Fernseher lieber nicht einschaltet

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Eine Frau vor dem Fernsehgerät. (14ymedio)

Es gibt Tage, an denen man den Fernseher lieber nicht einschaltet. Zurzeit überrollt uns, kaum das wir den Knopf gedrückt haben, eine regelrechte Lawine von Propaganda anlässlich der Geburtstage von Hugo Chávez und Fidel Castro. Vom 28. Juli bis zum kommenden 13. August ist das langweile nationale Fernsehen vollgepackt mit Personenkult, ideologischem Kitsch und politischer Gefühlsduselei. Wir sind umzingelt von Kinderchören, die zu Ehren des „ewigen Oberbefehlshabers“ singen, den Anekdoten von Personen, die sie gerade mal von weitem gesehen haben und nicht enden wollenden biographischen Szenen.

„Nicht einmal der Nachrichtensprecher hat noch Nachrichten für uns“, beschwerte sich gestern ein Nachbar, der sich über die Geschehnisse aus aller Welt informieren wollte, aber nur eine Prozession von Uniformträgerin in rot und olivgrün zu sehen bekam. Heute Morgen passierte mir das gleiche mit der ersten Nachrichtensendung des Tages. Eine Stunde nach deren Beginn hatte ich immer noch nicht die kleinste national oder international relevante Information erhalten. Stattdessen sah ich nur die Lobeshymnen an den „unsterblichen Kämpfer ganz nach dem Vorbild von Simón Bolívar*“ und dem „ weisen Guerilla, der ihn liebte wie einen Sohn.“ Ich neige bei einer solchen Überdosis an Schleimerei eher zur Ungeduld, also schaltete ich den Fernseher aus und rief meine Freunde an, damit sie mir erzählten was hier und dort so passierte. Zumindest bleibt uns noch Radio Bemba**!

Die Regierung sieht sich nach wie vor mit der alternativen Verbreitung von Information, sowie von Serien und Filmen in den sogenannten Kombipacks oder Paketen konfrontiert. Dennoch nimmt sie keinerlei Änderung am Fernsehprogramm vor, um es gerade für die Jüngsten unter uns ansprechbarer zu machen. Stattdessen verwandelt sie den kleinen Bildschirm in einen Lautsprecher für politische Weisungen und in ein Abspielgerät von langweiligen Programmen, die unter den Zuschauern nur Unmut und Ablehnung hervorrufen. So wird das nationale Fernsehen niemals die Zuschauer zurückerobern, die es bereits an die illegalen Satellitenschüsseln, die auf die USB-Sticks kopierten Dateien und die mit Dokumentationen vollgestopften Festplatten verloren hat. Wenn es mit dem ideologischen Exzess so wie an diesen Tagen weiter geht, dann wird sich das nationale Fernsehen in kürzester Zeit in einem Monolog verwandeln, dem dann nur noch wenige zuhören werden.

* Anmerkung d. Übers.: Simón Bolívar war ein südamerikanischer Unabhängigkeitskämpfer im 18/19 Jahrhundert und ist heute Nationalheld vieler südamerikanischer Länder.

** Als „Radio Bemba“ bezeichnen die Kubaner umgangsprachlich die Gerüchteküche, durch die sie über ihre Nachbarn an Neuigkeiten oder Nachrichten gelangen.

Übersetzung: Anja Seelmann