Erleben wir gerade die Transition*?

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Seminar über die spanische Transition in Madrid. (14ymedio)

In diesen Tagen nehme ich zusammen mit mehreren kubanischen Aktivisten an einem Seminar in Madrid über die spanische Transition teil. Es findet in den Räumen des Amerika-Hauses statt; veranstaltet von der  Assoziation Ibero-Amerikaner für die Freiheit und der Stiftung der spanischen Transition. Neun kubanischen Aktivisten aus sehr verschiedenen Fachgebieten wie Rechtswissenschaft, Bürgersinn, Menschenrechte und Journalismus ist es gelungen, an diesem Event teilzunehmen. Das Seminar bietet uns die Möglichkeit für Begegnungen, ohne polizeiliche Absperrungen und offizielle Abweisungen.

Während ich mehreren Vortragenden zuhörte, erinnerte ich mich, dass ich im Jahr 2011 die TV-Dokumentation Die Transition (gesprochen von Victoria Prego) gesehen habe. An dem Morgen, als diese ausgezeichnete Dokumentation startete –  begleitet von kommentierenden Analysten – besuchte mich zufällig eine Freundin aus Madrid. Sie schaute auf den Bildschirm und sagte: „Ich selbst habe viele dieser Ereignisse erlebt, aber damals wusste ich nicht, dass wir in der Transition sind“. Ihre Worte waren für mich all die Jahre ein Trost und eine Hoffnung. Heute, im Amerikahaus, habe ich mich daran erinnert.

Erleben wir Kubaner gerade die Transition? Allein diese Frage reicht, um einige aus der Ruhe zu bringen und bei anderen falsche Hoffnungen zu wecken. Eine Transition – werden mir Fachleute und Analysten sagen – braucht mehr politische, soziale und wirtschaftliche Öffentlichkeit. Ein Begriff dieser Tragweite verlangt eine reale Substanz und nicht nur Wunschdenken….werden andere mit durchaus guten Argumenten bemerken. Und wenn sich herausstellt, dass in den Köpfen der Kubaner ein definitiv unumkehrbarer Wandel eingetreten ist, kann man das schon als Transition betrachten? In diesem Fall siegt die eingeschränkte Betrachtungsweise über die allgemeinen Analyse.

Jeden Tag begegnen mir zunehmend mehr Personen, die nicht mehr kollaborieren, nicht mehr überzeugt sind, nicht mehr das System unterstützen wollen. Außerdem treffe ich mit Leuten zusammen, die nicht mehr bereit sind das staatliche Fernsehen anzuschauen, nicht mehr an Amtshandlungen teilnehmen und nicht mehr offizielle Pfründe annehmen. Wie nennt man das? Die Theoretiker der Transition mögen mir es nachsehen, aber wenn das kein Wechsel ist, was ist es dann? Vielleicht eine „Vor-Transition“?

*Anmerkung des Übersetzers:

Die spanischen Transition ( La Transición española) begann im November 1985 mit dem Tod Francos und war der friedliche Übergang Spaniens von der langjährigen Diktatur Francos in eine parlamentarische Demokratie. Sie war gewollt vom König Juan Carlos I und wurde politisch umgesetzt von Adolfo Suárez, dem damaligen Premierminister.

Übersetzung: Dieter Schubert

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