Um größere Träume verfolgen zu können

Ich erinnere mich weder an den Titel dieses Films, noch an den Regisseur, ja noch nicht einmal daran, ob ich ihn auf einer Kinoleinwand oder einem Fernsehbildschirm gesehen habe. Nur eine Szene ist mir im Gedächtnis geblieben, nur ein kurzer Moment, in dem der Protagonist sich seinen Mantel abstreift, um ihn einem Freund zu schenken. Dieser hatte ihm kurz vorher gestanden, dass er von so einem Mantel, modern und aus Leder, schon immer geträumt habe. „Ach was! damit du ab jetzt deine Träume etwas höher steckst.“, sagte er während er ihm das lang ersehnte Kleidungsstück überreichte.

Sobald man ein Projekt umsetzt, von dem man schon lange geträumt hatte, kommt das Gefühl auf, sich neue Ziele setzen zu müssen. Ich war mehr als 4 Jahre lang geradezu von 14ymedio.com besessen. Zunächst fühlte ich einfach nur die Notwendigkeit eines solchen Projekts, um Information bereitzustellen, die den Kubanern dabei helfen würde reifere Entscheidungen zu treffen und somit ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Danach stellte sich die Frage nach der Umsetzung und diese führte dann zu einem Zeitplan, dessen Verwirklichung ebenso schwierig wie auch wichtig war.

Eine ganze Zeit lang lachten meine Freunde hinter hervor gehaltenen Händen wenn ich auf das Thema zu sprechen kam. Mehr als nur einer nannte mich „die Verrückte mit ihrer Zeitung.“ Der schwerste Teil war und ist es zweifellos dieser Fantasie Leben einzuhauchen, denn auf diesem Weg musste ich unzählige Hindernisse überwinden. Diese reichten von jenen Stolpersteinen des Staats, der die freie Verbreitung von Information als Verrat empfindet bis hin zur Skepsis der eigenen Freunde. Aber wenn man sich erst einmal etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt man nun mal nicht so leicht auf.

Heute ist einer meiner Träume Wirklichkeit geworden. Im Gegensatz zu der Figur im Film ist es kein Kleidungsstück, sondern eine Internetzeitung, bei der ich auf die Unterstützung von zahlreichen Kollegen und Freunden zählen kann. Diese Zeitung entstand aus dem Wunsch heraus viele Leser sowohl außerhalb, als auch innerhalb Kubas zu erreichen und ein breites Spektrum an Nachrichten, Kolumnen und Fakten über die Realität auf unserer Insel anbieten zu können. Dieses Projekt bringt ohne Zweifel sehr viel Arbeit mit sich. Doch wir werden Schritt für Schritt wachsen ohne unsere Aufgabe qualitativ hochwertige Texte zu veröffentlichen aus den Augen zu verlieren.

Nun kann ich größeren Träumen nachjagen und in einem Jahr sind wir dann vielleicht schon am Kiosk an der Ecke erhältlich. Wer weiß das schon?

 Übersetzung: Anja Seelmann