Ah… du bist nicht mit drin, im Paket!

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Mittags in ein Sammeltaxi zu steigen, dessen Karosserie von der Sonne komplett aufgeheizt ist und das bei jedem Schlagloch quietscht, ist eine erschütternde Erfahrung. Man zieht den Kopf ein, macht sich klein, um auf den improvisierten Sitzen Platz nehmen zu können. So mancher Faden einer Hose oder eines Unterrocks verfängt sich an einer schlecht angebrachten Schraube, oder an der Metallspitze, für deren Abrundung man keine Zeit verschenkt hatte. Dann kommt die härteste Probe: den Musikgeschmack des Fahrers zu akzeptieren, den er uns mit voller Lautstärke aufzwingt. Jedoch ist es auch eine einzigartige soziologische Erfahrung, die – mit journalistischem Blick betrachtet – zum Nachdenken über diese eigenartige Realität führt, in der wir leben.

Vor einigen Tagen bestieg ich einen dieser alten „Bathyskaphen“*, die durch Havanna rollen. Nur noch Schrott, aber mit den leistungsstarken Lautsprechern einer Diskothek. Der Reggaeton betäubte. Der Großteil der Texte war sexistisch und voraussagbar. Bis dann ein Lied ertönte, das mich zum Nachdenken brachte. Der Sänger machte sich über jemand lustig und machte ihn herunter: „Ah… du bist nicht mit drin, im Paket!“ Es dauerte nur Sekunden: „Ah… du bist nicht mit drin, im Paket!“ – aber es reichte! Wahrscheinlich bezog er sich auf einen anderen Musiker oder Künstler, der nicht mit auf einer zusammengestellten Auswahl von audiovisuellen Aufnahmen – sogenannten „Combos“ – erschienen war, und die alternativ vertrieben und von der Regierung verabscheut werden.

Es fällt auf, dass nicht mit ins „Paket“ aufgenommen zu werden, jemand im volkstümlichen Repertoire auf die letzte Stufe der Beliebtheit herabsetzt. Wenn also ein gewisser Video-Clip, eine Dokumentation oder ein Film in diese Kompilationen nicht aufgenommen wird, dann ist das ein Zeichen für wenig Berühmtheit. Was am meisten ins Auge sticht ist die Tatsache, dass, wenn die Leute die Möglichkeit haben, ihre eigenen „Fernsehprogramme“ mit jenen Gigabytes aus Telenovelas, Dokumentationen und Musik zusammen zu stellen, sie dann niemals die öffentlichen Sendungen mit einschließen. Das heißt, dem Fernsehprogramm Mesa Redonda könnte man den ätzenden Refrain „Ah…du bist nicht mit drin, im Paket!“ singen, ebenso dem Star-Berichterstatter, den Staatsakten, und so vielen Reden und Erklärungen der Regierung, die von den nationalen Kanälen übertragen werden.

Die Stimme der Kommunistischen Partei Kubas wurde nicht mit ins „Paket“ aufgenommen, denn sie ist langweilig, nichtssagend, repetitiv…und wenig glaubwürdig.

 

Anmerkung der Übersetzerin:

*Der Tiefseeforscher Auguste Piccard nannte sein Tauchboot „Bathyskaph“

Übersetzung: Nina Beyerlein