Absichtlich gute Vorsätze

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Um zum Himmel aufzusteigen… braucht man eine kleine und eine grosse Leiter. Foto: Silvia Corbelle

Jeder beliebige Tag ist gut um ein Projekt zu starten, um einen Traum zu konkretisieren. Aber dennoch wiederholen wir zu jedem Jahresanfang das Ritual, uns Ziele für die kommenden 12 Monate zu setzen. Einen Teil verwirklichen wir, ein anderer wird unerfüllt bleiben und wir setzen ihn auf die Liste für den nächsten Januar. Einige setzen auf persönliche Belange, wie zum Beispiel mehr Zeit für die Familie haben, Sport treiben, den verschobenen Termin beim Zahnarzt wahrnehmen – aber die Liste kann sich auch auf berufliches Streben erweitern, wie zum Beispiel den Arbeitsplatz wechseln, eine Forschung beenden, auf einem neuen Gebiet einen akademischen Grad erwerben.

Ich habe einige Freunde und Bekannte nach ihren Wünschen für 2014 gefragt und die Antworten sind ein Kaleidoskop der Vorsätze. Von “im Fitnesscenter des Viertels trainieren”, “das Fahrradtaxi verkaufen um ein Motorrad zu kaufen”, “eine Decke einziehen” bis hin zu “das Studium beenden”, “die ganze Familie in Miami vereinen”, “einen Videoclip drehen” oder “sich mit einem Café selbstständig machen”. Ein Ausreisevisum ist nach wie vor unter den am weitest verbreiteten Wünschen, ganz speziell bei den Jüngeren. Bis hin zu dem Punkt, dass viele berufliche Projekte das eigentliche Ziel haben, finanzielle Mittel zu erwirtschaften um das Land verlassen zu können. Nach fast 6 Jahren seit Beginn der sogenannten “Raulschen Reform” haben diese es nicht geschafft, weder die häusliche noch die nationale finanzielle Lage bedeutsam zu verbessern.

Nach einem 2013, welches das Leben verändert hat, ist im persönlichen Bereich die Palette meiner Vorsätze so bunt wie unmöglich, um sie in all ihren Bereichen zu realisieren. Ich werde weiterhin Kurse geben um den Menschen zu zeigen, wie die neuen Technologien benutzt werden. Dieses Jahr wird auch mein Traum nach einem unabhängigen, digitalen Hilfsmittel das Licht der Welt erblicken, was mich die letzten Wochen von hier nach dort hat rennen lassen. Und wie bei jeder Neugeburt wird es Schmerzen, Leid, Freude und schlaflose Nächte mit sich bringen. In den folgenden Wochen werde ich den Ablauf des „Geburten“- Zeitplans veröffentlichen. Bleibt gespannt!

In meinem Zimmer gibt es einen Bücherberg den ich gerne lesen würde, einige zum ersten Mal andere zum x-ten Male. Was für eine Träumerin bin ich, zu glauben, ich hätte für so was Zeit! Ich möchte zurück zu den Seiten des Meisters Kapuściński, mich erneut mit Truman Capote treffen, und einige Texte von Javier Cercas aufspüren, die in meiner Bibliothek fehlen. Ich werde weiterhin Zeitschriften über Apps, Gadgets, Softwares verschlingen… denn, ich gestehe, jedes Jahr werde ich mehr und mehr zum geek.

Meine Freunde und Leser nehmen einen sehr wichtigen Platz in meinen jährlichen Vorsätzen ein. Hoffentlich werd ich sie etwas besser pflegen können, ihnen Zeit widmen für ein gutes Gespräch bei einem Kaffee. Für jene, die weit weg sind, hoffe ich, dass “die Götter der Technologie” sich erbarmen und mir mehr Internetzugang ermöglichen um ihre e-mails zu beantworten. Aber ihr wisst ja, der Olymp ist launisch und Zeus möchte den Blitz der Verbindbarkeit nicht abfeuern.

Mein Zuhause, meine kleine Familie, meine Pflanzen und Tiere, welche mir das Leben schwer und glücklich machen, sind ebenso unter den Prioritäten. Ehrlich gesagt, ich kann mich nicht beschweren, denn sie forden nicht viel von mir und dennoch geben sie mir alles. Ich hoffe, dass ich mit meinem Sohn gemeinsam seine ersten Philosophie-Lektionen durchgehen kann und mit Reinaldo zu diesem “schmutzigen Stück Meer” gehen kann, welches wir vor über 20 Jahren zu unserem gemacht haben. Ich werde mich auf sie konzentrieren. Denn in den Momenten mit dem grössten Druck waren es die Menschen die ich liebe, welche mir geholfen haben weiterhin zu lächeln.

Im Mittelpunkt aller Pläne steht mein Land. Ohne es hätte ich kein Zuhause, keine Familie, keine Freunde, keine Themen über die ich schreiben könnte, keine Pläne zu verwirklichen … und keinen Yagruma-Baum im Topf den es zu pflegen gilt. Obwohl ich weiss, dass das Zuhause überall sein kann, habe ich mich dafür entschieden, dass meines – auf eigenes Risiko – hier auf dieser Insel ist. Ich bleibe, obwohl so viele Bekannte das Land verlassen und obwohl ein Grossteil nationalen Potenzials durch eine verfallene und intolerante Macht ausgebremst wird. Ich bleibe auch, um durch den Journalismus und die Information zu helfen zu einem freien, demokratischen, erfoglreichen und integrierten Kuba zu gelangen.

Wie ihr seht, ich habe wohl etwas übertrieben mit meinen guten Vorsätzen für 2014. Es muss wohl der ein oder andere unterwegs gestrichen werden. Welcher? Ich weiss es nicht. Für den Moment möchte ich daran glauben, dass sich alle erfüllen mögen.

Übersetzung: Birgit Grassnick

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