Mandela: Die Kunst zu verzeihen

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Von all den Dingen, die man sich von Nelson Mandela erzählt und weiterhin erzählen wird, sind es gerade seine kleinen Geschichten, die mich am meisten berühren. Die nicht enden wollenden Tage im Gefängnis von Robben Island, wo der Groll der Klarsicht wich. Sich öffnende Gittertüren, ein kleines Fenster, durch das ein paar Sonnenstrahlen ihren Weg ins Innere fanden, ein Vöglein, das dort draußen zwitscherte. An diesem Ort bezwang Madiba seine eigenen Dämonen und machte sich frei von der Gewalt, an der auch er beteiligt war. Zwischen der Gründung des bewaffneten Flügels „Umkhonto we Sizwe“ und der Zeit, in der er zur Leitfigur des friedlichen Widerstands wurde, lag ein weiter Weg. Dieser Wandel fand weder aus reiner Zweckmäßigkeit, noch aus politischem Opportunismus statt, viel mehr war es eine authentische Wandlung, die sich in jeder Zelle seines Wesens vollzog, was sich in seinem späteren politischen Leben zeigen würde.

1918 geboren, lebte Mandela in der unruhigen Zeit des Kalten Krieges, in der Anführer ihre Gier nach Macht oft auf Kosten ihrer eigenen Völker auslebten. Er lebte in einer Zeit der großen Namen und der kleinen Bürger, wo das „wer“ manchmal“ mehr zählte als das „was“. Er wurde nicht nur von dem damaligen rassistischen Regime Südafrikas, sondern auch von der UNO als Terrorist eingestuft. In Gefangenschaft begann der Gefangene Nr. 466 dann über seine Taten nachzudenken und darüber, wie er sein Land von Ausgrenzung und Hass befreien könnte. Seine persönliche Wandlung nahm in entscheidender Weise Einfluss auf das Ende der Apartheid.

Während andere Staatsmänner sich mehrere Mandate oder gar Jahrzehnte lang an die Macht klammerten, war Mandela nur 5 Jahre lang Präsident Südafrikas. Der Mann aus dem kleinen Dorf Mvezo verfügte über die Weisheit, zu erkennen, dass der Schlüssel zur Heilung einer gepeinigten Nation wie dieser nur in Verhandlung und Dialog liegen konnte. Aus all diesen Momentaufnahmen seines Lebens, jenem angedeuteten Lächeln oder den Umarmungen, die er verschenkte, bewahre ich mir das Bild eines Gefangenen, der hinter Gitterstäben zu sich selbst fand. Der Moment, in dem ihm der Friedensnobelpreis verliehen wurde, hat mich bei weitem nicht so ergriffen, wie die Vorstellung eines hungernden, leidenden und wütenden Mannes, dessen Gedanken trotz allem nur um Vergebung, Frieden und Versöhnung kreisen.

In Gedenken an dich, Madiba!

Übersetzung: Katrin Vallet

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