Der Traum von Farbe

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Ich kam von der Schule zurück und auf dem Boden saß ein Mann vor einem Fernsehgerät. Seine Fingerspitzen waren voller Farbe und um ihn herum lagen einige Ölfarbentuben verteilt. Es war der letzte Schrei im Viertel: ein farbiges Muster über jene langweiligen schwarz-weiß Bildschirme zu malen. Die erste, die dies machte, war die Nachbarin im Erdgeschoss, immer auf dem laufenden, was neue Trends betraf, welche Plakate mit Frauen in leichter Kleidung – die an der Wand klebten – beinhalteten und ein enormer Porzellantiger am Eingang zu ihrer Wohnung. Sie gab die Modetrends im gesamten Block an, folglich machten es ihr alle nach als sie ihre „Flimmerkiste“ in einen Regenbogen in Rot- und Blautönen verwandelte. Dem Krim 218 bei mir zuhause verabreichten sie einige Streifen und sogar einen mittigen Kreis aus verschiedenen Farbtönen. Aber das bedeutsamste ist, dass ich mich Jahre später an die Programme und Zeichentrickfilme, welche ich in jener „Erfindung“ sah, so erinnere, als hätte ich sie in ihrem vielfarbigen Original gesehen. Mein Gehirn hat wohl die Nuancen vereint und den Traum von Farbe konstruiert.

An diese persönliche Anekdote habe ich mich wieder erinnert als ich die neuesten Statistiken der Volks- und Wohnungszählung von 2012 las. Wissend, dass es in Kuba immer noch 700.000 Schwarz-Weiß-Fernseher gibt, kam ich nicht umhin mir die hoffnungserfüllten Nachbarn aus meiner Gegend ins Gedächtnis zu rufen, wie sie die Röhrenbildschirme mit ihren Fingerspitzen bemalten. Allerdings spiegeln sich in den aktuellen Daten nicht nur jene, welche die Fernsehprogramme immer noch in schwarz-weiß sehen … sonder auch, jene die in unserem Land finanziell am schlechtesten dran sind. Das sind jene, welche nicht genug Pesos Convertibles ansparen konnten für einen Sony oder LG. Jene die sehr wahrscheinlich keine Familie im Ausland haben, die nicht einen Weg gefunden haben um Staatseigentum abzuzweigen oder deren Privilegien zusammen mit der UDSSR endeten. Die armen Armen, die es nicht geschafft haben, in einer solch Fernsehorientierten Gesellschaft, die nötigen Mittel zusammen zu bringen um sich an den Farbtönen zu erfreuen.

Ich frage mich ob wohl noch einer dieser alten Fernseher überlebt hat, mit seinen grünen, violette und blauen Streifen … ob es wohl noch irgend ein Kind auf dieser Insel gibt, dass ebenso wie meine Schwester und ich im Geiste ein Stück Farbe hier und ein anderes dort zusammenfügten um uns Huckleberry Hound als den blauen Hund vorzustellen, der er war oder Tscheburaschka mit seinem graubraunem Fell.
Jetzt weiß ich nicht mehr, ich kann es in meiner Erinnerung nicht mehr unterscheiden, was mich Dank des genialen Einfalls den Bildschirm anzumalen, erreicht hat oder was ich Jahre später in Technicolor genossen habe.

Übersetzung: Birgit Grassnick

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