Kubanische Flughäfen: eine Hürde auf der Abflugbahn

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Die Menschen stehen dicht zusammengedrängt, es ist unerträglich stickig, und manch einer hält ein Schild mit einem Namen in den Händen. Gerade eben landet im internationalen Flughafen José Martí eine Maschine aus Madrid voller Touristen und Kubanern, die sich auf der Halbinsel niedergelassen haben. Jeder einzelne muss nun mindestens 40 bis 60 Minuten warten, um letzten Endes durch die Ausgangstür treten zu können. Der Flughafen Havannas ist der wohl langsamste und am spärlichsten beleuchtete Flughafen der Welt und bietet seinen Reisenden den schlechtesten Service.

In einem Land, das jährlich fast 3 Millionen Touristen empfängt, ist die Instandhaltung der Flughafeneinrichtungen grundlegend für die Wirtschaft. Schafft man es nicht in diesen Einrichtungen der Insel einen internationalen Standard zu gewährleisten, so ist es unwahrscheinlich, dass Kuba – kurz- oder mittelfristig – mehr Touristen empfangen kann. Sich ihrer Schwächen bewusst, hat die ECASA mit dem Umbau einiger Ankunfts- und Abflughallen begonnen, doch mit ein paar Umstrukturierungen und Anpassungen lässt sich dieses Problem noch lange nicht lösen. Es mangelt jedoch nicht nur an Materiellem, auch die exzessiven Sicherheitskontrollen, der dürftige Komfort und die Einstellung des Personals bereiten große Schwierigkeiten.

Der Ausreisebereich – zwischen Einschränkungen und Ineffizienz

Alina trifft drei Stunden im Voraus am Flughafen von Havanna ein. Dennoch kann es sein, dass dies nicht ausreicht. Der Check-In kann nur am Schalter der Fluggesellschaft erfolgen, da es keine Automaten gibt, an denen man selbstständig einchecken kann. Eine Einschränkung, die die Warteschlangen in die Länge zieht, die Beschaffung des Boarding Passes bremst und dem Flughafen José Martí, den für ihn so typischen Anschein einer immer überfüllten Empfangshalle gibt.

Da Alina dank ihres neuen europäischen Passes häufig nach Spanien reist, ist sie bereits auf einen zermürbenden und chaotischen Ablauf vorbereitet. Sie fliegt von Terminal 2 ab, denn in Terminal Nummer 3 – welches moderner und größer ist – ist vor kurzem ein Feuer ausgebrochen und es befindet sich derzeit im Umbau. Sie hat auch ein wenig Reiseproviant von Zuhause mitgebracht, denn sie weiß, dass die Preise hier der reinste Wucher sind und das Angebot eher knapp ausfällt.

Die schlechte Ausschilderung setzt dem Ganzen noch die Krone auf. 10 Minuten lang sucht die frustrierte Passagierin eine Toilette, doch es gibt wenige Hinweisschilder und diese sind noch dazu kaum sichtbar. Nur wenige Deckenleuchten sind in Betrieb, wodurch einige Bereiche der Empfangshalle im Halbdunkel liegen. Nichtsdestotrotz muss jeder Reisende eine Flughafensteuer zahlen. Dort, wo man Schlange steht, um die 25 Pesos convertibles (28 Dollar) zu bezahlen, hört man Touristen, die über Preise klagen, die in keinem Verhältnis zu den Leistungen des Flughafens stehen. Die kubanischen Reisenden jedoch schweigen, denn das letzte was sie wollen, sind Schwierigkeiten ausgerechnet am Tag ihrer Ausreise.

Ohne einen Wi-Fi-Zugang ins Internet verliert jeder moderne Flughafen etliche Punkte im Airline-Ranking. Was die Kommunikation anbetrifft, so ist kein kubanischer Flughafen konkurrenzfähig, nicht einmal der Varadero-Flughafen. Die wenigen öffentlichen Telefone und der Mangel eines Funknetzes, das den Zugang ins Internet ermöglicht, vermindern die Möglichkeiten zu kommunizieren. Hinzu kommt noch, dass alberne touristische Ankündigungen über die Bildschirme flimmern, oder auch stramm ideologische Programme, wie der „Runde Tisch“ des kubanischen Fernsehens. Es gibt auch keine Theken, wo man Zeitschriften oder Zeitungen kaufen könnte, es sei denn Souvenir-Kioske, wo man die Werke von Ernesto Guevara vermarktet oder die Reden von Fidel Castro.

Auch Alina hat sich vorbereitet, um sich nicht während der Wartezeit zu langweilen; sie hat Kopfhörer mitgenommen und etwas Musik auf ihrem Mobiltelefon. Sie wartet vor einem Gate – es gibt nur zwei: A und B – bis eine Angestellte aus vollem Hals ruft, dass man den Flug gerade checkt.

Ankunft oder der Zusammenstoß mit der Realität

Humberto kehrt von einer Reise in die Vereinigten Staaten zurück. Es war seine erste Auslandsreise, und er ist immer noch überwältigt von der Größe des Flughafens in Miami. Während des Rückflugs nach Kuba hat er ein Zollformular ausgefüllt; in seiner Tasche hat er eine Kopie der Bordkarte, die er beim Abflug erhalten hat. Er stellt sich bei der langen Schlange „Einreise“ an. Dann muss er eine kurze medizinische Befragung über sich ergehen lassen, die er auch unterschreiben muss. Ein paar Schritte weiter entfernt erwartet ihn das Gepäckband; das ist der langsamste Vorgang beim Betreten des in kubanischen Territoriums. Jedes Gepäckstück wird zuerst einer Scanner-Kontrolle unterzogen, die den Inhalt untersucht.

Nach der Überprüfung jedes Gepäckstücks, jedes Koffers, bringt man einige “Markierungen“ auf jenen an, die eine Untersuchung „benötigen“. Eine kleine rote Lasche – an den Griff eines Gepäckstücks geknotet – kann bedeuten, dass dieses irgendein elektrisches Haushaltsgerät enthält, oder einen Computer. Wenn stattdessen eine externe Festplatte vorliegt, schreibt man einige Zeichen auf die Banderole, die den Flug identifiziert. Es gibt keine Möglichkeit, diesem Verfahren zu entgehen. Die Zöllner sind darauf trainiert, die auf einer langen Liste aufgeführten Gegenstände nicht passieren zu lassen.

Humbertos Enkelinnen – die in Coral Gables (Florida) geboren wurden – haben ihm ein Laptop und ein intelligentes Telefon geschenkt; deswegen muss er an den Tisch herantreten. Dort öffnen sie seinen Koffer und kontrollieren minuziös den Inhalt. Sie bringen den Computer in ein Büro, wo sie vermutlich die Dateien inspizieren oder auch Kopien von ihnen machen. Vor eineinhalb Stunden ist das Flugzeug gelandet, und wahrscheinlich wird es noch etwas länger dauern. Während sie seine Habseeligkeiten auflisten, sagen sie ihm, dass er mit seinem Mobiltelefon niemand anrufen darf. „Willkommen in Kuba“, sagt er zu sich selbst, als eine Diensthabende ihn fragt, was diese zu einem Ballen zusammengedrückten „Baumwollsachen“ seien. „Tampons für meine Tochter“, antwortet er mürrisch.

Zwei Stunden nach der Ankunft in seinem Land, geht Humberto durch die Ausgangstür des Terminals 2. Genau jetzt sitzt Alina schon in einem Flugzeug, das den Atlantik überquert. Sie schaut aus dem kleinen Kabinenfenster und murmelt leise: „Leb wohl, du Flughafen von La Habana; ich hoffe dich nicht so bald wiederzusehen!“

Übersetzung: Katrin Vallet, Dieter Schubert

Ein Gedanke zu „Kubanische Flughäfen: eine Hürde auf der Abflugbahn

  1. Ich lese, ich meine, ich las, die Artikel von Yoani früher gerne. Sie waren informativ und vermittelten einen glaubwürdigen Eindruck vom Leben auf Kuba. Das ist nun schon eine Weile her, und seitdem man sie als einflussreichste Person (oder Bloggerin) auszeichnete, habe ich das Interesse verloren. Warum? Wegen Artikeln wie diesem hier.
    Yoani berichtet nicht mehr, sie maunzt, beklagt und wertet. Diesmal geht es um den Flughafen und seine schlechte Infrastruktur, aus der sie eine Kritik am tristen Leben auf Kuba ableiten will.

    Ich war in den letzten 3 Jahren etwa 10 Mal auf diesem Flughafen, habe dort bei der Abreise Stunden verbracht, bei der Anreise nur maximal 30 Minuten. Mir scheint, Yoani blendet sehr gerne Details aus, wenn sie nicht dem Bild dienen, das sie vermitteln will.

    Der Flughafen ist dunkel und nur unzureichend klimatisiert. Stimmt. Das liegt daran, dass die Kraftwerke einfach nicht genug Saft produzieren können, um das gesamte Areal unter Volllast zu befeuern. Das liegt daran, dass die Kraftwerke marod sind, und die sind marod, weil es da dieses Embargo gibt.
    Die von Yoani erwähnte Flughafengebühr in der Höhe von 25 CUC wird – das vermute ich mal – nicht in den Flughafen gesteckt sondern in das, was man allgemein als lebensnotwendig erachtet: ländliche Infrastruktur, Straßen, Dämme, Süßwasseraufbereitung, etc …

    Zermürbend sind die Abläufe am Flughafen nur für den, der sich darauf einstellt, zermürbt zu werden. Ich bin also rund zehn Mal ausgereist und fand das nie zermürbend. Und die Routinen am Flughafen haben wir schon nach dem zweiten Mal durchschaut.

    WIFI Zugang will die Yoani? Süß. Wenn man bedenkt, dass 90 % des kubanischen Datenverkehrs (also raus aus dem kubanischen Intranet) über Kommunikationssattelliten bewerkstelligt wird, darf sich nicht wundern, das bei der sauteuren Transferrate das WIFI außen vor bleibt. Auf den europäischen Flughäfen ist WIFI zum teil auch nur gegen Gebühr zu haben. Wenn auf Kuba mal der Datenverkehr über die Glasfaserleitung über Venezuela geht, dann wird sich hoffentlich auch im öffentlichen Bereich des Internets etwas ändern. Aber solange der Datentraffic durchs Nadelöhr muss, haben eben Universitäten, Rettungsdienste und das Militär den Vorrang. ist auf der ganzen Welt so. Nicht nur auf Kuba.

    Dass sich Yoani darüber aufregt, dass die Gepäckstücke der Einreisenden gescannt werden, lässt sich vielleicht damit begründen, dass sie sich nun mal so gerne aufregt.

    Mir sind die Mängel, Einschränkungen und Unmöglichkeiten Kubas durchaus bewusst. Andere Autoren haben das jedoch literarischer und erfassbarer niedergeschrieben, als Yoani das je könnte.

    Die Pose der selbstgerechten Klägerin mag ihr zwar gefallen, wirkt aber auch schon wie ein angestaubtes, mottenzerfressenes Kostüm.

    Ich empfehle: Rapport gegen mich selbst von Eliseo Alberto. Sollte auch die Yoani Sanchez mal lesen, damit sie lernt, wie sie aus dieser starren Ich klage an Haltung wieder raus kommt.

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