Habana, Habana! Deine Brunnen sind zerbrochen.

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Ich bin in dem Park, wo vor 30 Jahren meine Schwester und ich umherliefen und spielten. Zwei kleine Mädchen drehen sich wie wir tanzend im Kreis und verstecken sich in den Büschen. Dennoch, irgendetwas ist bei diesem Déjà-vu-Erlebnis ganz anders. Es fehlt der Brunnen mit seinem Geräusch von Regen, der auf Marmor fällt. Dieser Eindruck wiederholt sich in ähnlicher Weise auf jedem Platz in Habana, mit wenigen Ausnahmen. Ist es Mangel, Nachlässigkeit oder Stadtpolitik?, niemand kann es erklären; aber diese Stadt hat in den letzten Jahrzehnten die kühlende Präsenz seiner Springbrunnen verloren.

Geleitet von meiner Erinnerung beschließe ich, mich auf die Suche nach Wasser zu machen. Von jenem Brunnen an der Straßenecke Belascoaín und Carlos III, in den wir unsere Hände und manchmal sogar unsere Füße tauchten, ist nur das leere Becken übrig geblieben. Ein paar Häuserblöcke weiter kennzeichnen oxidierte Eisenteile die Stelle, wo – ich erinnere mich – der kurzlebigste aller Brunnen stand. Nur ein paar Wochen überdauerte er seine Einweihung mit einer offiziellen Feier, Ansprache inklusive. Den als „Bidet von Paulina“ bekannten Brunnen nahe der Ciudad Deportiva füllten immer wieder Wolkenbrüche und verwandelten ihn in einen grünlichen Tümpel voller Wassermaden. Und was soll man zum „Brunnen der Jugend“ sagen?, altmodisch ist er und reizlos; ebenso nahe am Meer, wie entfernt von seinem früheren Glanz.

Bei einer schnellen Umfrage, warum diese Stadt so viele Springbrunnen verloren hat, bin ich auf unterschiedliche und aufschlussreiche Antworten gestoßen. „ Das Problem ist, sagte mir ein Funktionär, dass man die Brunnenpumpe gestohlen hat.“ Wo anders versicherte mir ein Angestellter:“ Wir mussten den Brunnen aufgeben, weil etliche Passanten sich darin badeten, sie hatten keine Dusche zu Hause.“ Am besten gefiel mit die Antwort einer Frau, die mich mit verdrehten Augen anschaute und mir vorwarf: “Na hör mal!, woran immer du dich erinnerst , dieser Brunnen ist seit Jahrzehnten nicht mehr in Betrieb“. In der Mitte der Plaza Vieja steht einer der wenigen, der noch funktioniert, und das, weil er von einem respektablen Gitter umgeben ist um zu vermeiden, dass die Nachbarn das kostbare Nass eimerweise davontragen. Mein Rundgang endete öde beim berühmten Brunnen „La India“, auch er ohne einen Tropfen H2O.

Als Bewohner dieser Stadt müssen wir etwas unternehmen, damit unsere Kinder die Schönheit der Parkanlagen mit ihren Brunnen erleben können. Ich weiß gut, dass es andere Prioritäten gibt, die auf eine Lösung warten. Aber wie grau erscheint der Asphalt, wie öde ist ein kleiner Platz, und wie erdrückend ist die Hitze ohne ein Plätschern von Wasser, das auf einen Stein fällt.

Übersetzung: Dieter Schubert

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