‚Händler’, dieses böse Wort

joven

Wenn die Realität sich personifizieren könnte, sich in einen Körper begeben, leibliche Konturen annehmen könnte, wenn eine Gesellschaft wie ein lebendiges Wesen repräsentiert werden könnte, würde die unsere wie ein heranwachsender Jugendlicher aussehen. Jemand, bei dem sich die Arme und Beine verlängern, der sich wünscht, den Paternalismus abzuschütteln und erwachsen zu werden. Doch dieser bartlose Bursche trägt so eng anliegende Kleidung, dass ihm kaum Luft zum Atmen bleibt. Unser tägliches Leben ist eingeengt durch ein Korsett einer Legalität mit übermäßigen Verboten und einer Ideologie, die so überholt wie funktionslos ist. So würde ich das Kuba von heute zeichnen, in dieser pubertierenden, aber unterdrückten Form, so würde ich den Kontext darstellen, in dem ich lebe.

Der Trend der Regierung kommt unseren Bedürfnissen nach wirtschaftlicher und politischer Expansion nicht entgegen. Vielmehr versucht man uns in absurde Formen zu pressen. So verhält es sich bei den begrenzten Tätigkeiten im Bereich der selbstständigen Arbeit, diesem Sektor, der in jedem anderen Land den Beinamen „privat“ tragen würde. Anstatt die Anzahl der Lizenzen zu erhöhen, um viele andere produktive Aktivitäten und Dienste einzuschließen, zielen die Behörden darauf ab, die Realität zu beschneiden, damit sie zu der Liste des Akzeptierten passt. Das Gesetz verhält sich nicht wie ein Förderer von Kreativität und Talent, sondern wie ein eng gehaltener Zügel, um das Unternehmertum zu begrenzen.

Das jüngste Beispiel dieser Widersprüchlichkeit zeigt sich in den Einsätzen gegen diejenigen, die – vor allem aus Ecuador und Panama – importierte Kleidung verkaufen. Nach offiziellen Medien haben viele dieser Händler eine „Schneider-Lizenz“ genutzt, die ihnen erlauben sollte, mit Ware zu handeln, die von eigenen Nähmaschinen stammte, um stattdessen Blusen, Hosen und Taschen aus industrieller Fertigung anzubieten. Man bestrafte die Gesetzesbrecher, indem man die Ware beschlagnahmte und auch enorme Bußgelder verhängte. Auf diese Weise versuchen die Inspektoren, unsere Realität in die Zwangsjacke der Vorschriften des Amtsblattes zu stecken.

Warum autorisiert man statt einer so strengen Verfolgung nicht einfach die Arbeit des ‚Händlers’? Kaufen, transportieren und weiter verkaufen von Artikeln mit hoher Nachfrage sollte nicht ein Verbrechen darstellen, sondern eine geregelte Tätigkeit, die durch die Steuern auch zu der Staatskasse beitragen könnte. Dieses Kernstück im Getriebe einer jeden Gesellschaft abzulehnen, bedeutet nicht zu wissen, wie sich dessen wirtschaftliche Struktur zusammensetzt. Das rechtliche Gerüst einer Nation ist nicht dazu da, um das Eröffnen von kleinen Kiosken, die Manufaktur und den Verkauf von Churros mit Strafe zu belegen, sondern um ihnen zu helfen, sich professionell und materiell zu erweitern. Solange die kubanische Regierung dieses Abc der Entwicklung nicht akzeptiert, sollte unsere Lebenswirklichkeit wachsen und ihre Arme in Richtung Illegalität und Heimlichkeit ausstrecken.

Übersetzung: Valentina Dudinov

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