Operation Wahrheit

Vor Jahren schon wollte ich an Eliécer Ávila bestimmte Fragen stellen. Seit ich ihn im Januar 2008 sprechen hörte und sah, wie er sich präsentierte, war ich versucht zu erforschen, was es wirklich hieß, ein Mitglied der „Operation Wahrheit“ zu sein, die im Internet die Rolle eines Soldaten spielte. Aber die Zeit verging, Ereignisse häuften sich an, Schwierigkeiten traten auf und erst im August letzten Jahren konnten wir ein Gespräch über dieses Thema führen. Das was er mir erzählte, übertraf meine Erwartungen und bestätigte meine Befürchtungen, dass sich die Schlacht um die Ideologie teilweise in das Cyberspace verlagert hatte. So wurden all diese Theorien über die Trolle in den Laboren der Staatssicherheit und olive-grüne Hacker und Blogs, die nur zu dem Zweck der Ablenkung erzeugt wurden, mit diesem Interview bestätigt.

Mit einem vorher festgelegten Drehbuch, geklebt auf die Tastatur und den Bildschirm, haben es unsere Kilobyte-Polizisten leicht, eine Spur zu verfolgen. Ihre wichtigste Strategie ist es nicht, Argumente zu widerlegen oder Ideen gegenüberzustellen, sondern gegen Bürger, die sich kritisch gegen das System äußern, zu hetzen und zu versuchen, sie herabzuwürdigen. Mit „Töte den Überbringer der schlechten Nachricht!“ lässt sich die Prämisse derjenigen zusammenfassen, die sich nicht darauf konzentrieren, was gesagt wird, sondern wer es sagt. Jedes Wort, das Eliécer mir gesagt hatte, passt in einer sinnvollen Art und Weise zum Teil mit dem zusammen, was mir in den sechs Jahren nach der Gründung von Generación Y passiert ist. Ich gebe zu, dass ich manchmal dachte, dass es Wahnvorstellungen meines Geistes waren, doch nun habe ich keine Zweifel: die kubanischen Behörden verschwenden im Jahr tausende Stunden im Internet und unvorstellbare Mittel, um uns friedliche Bürger, die nur ihre Meinung sagen, zu bekämpfen.

Wahrscheinlich werden diese Zeilen von den neuen Milizen der „Operation Wahrheit“ gelesen, weswegen ich die Gelegenheit nutzen möchte, ihnen die folgende Nachricht zu überbringen: „Ich weiß, dass ihr da seid; besser gesagt, ihr könnt nicht mehr verbergen, dass ihr da seid. Die Arbeit, die ihr verrichtet, ist auch eine repressive Arbeit, eine Form der Einschränkung der Freiheit der Kubaner. Anstatt andere zum Schweigen zu bringen, solltet ihr eure Ideen mit Würde verteidigen und nicht versteckt hinter Pseudonymen und unter Ausnutzung der technologischen Überlegenheit. Wenn ihr wirklich daran glaubt, was ihr verkündet, solltet ihr nicht auf solche minderwertigen Methoden zurückgreifen, um es geltend zu machen. Verstört nicht, überzeugt. Versucht nicht den Unterschied aufzuheben, lernt lieber mit ihm zu leben.“

Übersetzung: Valentina Dudinov

2 Gedanken zu „Operation Wahrheit

  1. Im heuttigen (18.02) Tweet aus Brasilien schreibt Yoani:
    „Bei meiner Ankunft wurde ich von Freunden empfangen und von anderen beleidigt. Ach, wäre das in #Kuba auch möglich! Es lebe die Freiheit!“

    Das hätte ich der Yoani auch gewünscht.

    Da sie schon so oft über angebliche Beleidigungen in Kuba (actos de repudio) berichtet hat, ist der Tweet eine klare Bestätigung, dass Sie in Kuba keine Freunde hat.

    Ein Tipp von mir an Yoani: du beherrscht so schön die spanische Sprache. Bewerbe dich als Lehrerin und du wirst auch in Kuba Freunde finden.
    Unter Kubanern, die arbeiten gehen, nicht unter den blauen Vögeln der „Opposition“.

  2. „Ich weiß, dass ihr irgendwo da draußen seid. Ich weiß, dass ihr Angst habt, Angst vor Veränderung. Ich bin nicht hier, um euch zu sagen, wie alles endet. Ich bin hier, um zu sagen, wie alles beginnt. Ich werde den Hörer auflegen und den Menschen das zeigen, was sie nicht sehen sollen. Wie es dann weitergeht, hängt von euch ab!“ (Matrix, 1999)

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