Zwölf plus eins

trece1

Die Kabbala, die Ziffer, die man nicht erwähnt, der Aberglauben mit den Zahlen, das Unglück, das kommen könnte, nur wenn man acht Buchstaben ausspricht. Ich erinnere mich, dass sich in der Schule, als ich dreizehn Jahre wurde, viele Späße darum drehten. „Wie alt bist du?“, fragten mich ältere Schüler, um sich über meine Verwirrung bei der Antwort lustig zu machen. Ich musste mit „zwölf plus eins“ oder mit „fünfzehn minus zwei“ antworten, denn hätte ich die mit einem Fluch beladenen Zahlen ausgesprochen, hätte sich eine Welle von Gelächter über mich ergossen. Es hätte auch eine Kopfnuss geben können und den Ausruf „Da schau her!“, von dem ich heute noch nicht recht weiß, was er in diesem Zusammenhang bedeuten soll. So wuchs ich in der Annahme auf, dass die Dreizehn nicht nur Unglück mit sich bringt, sondern auch Hohn, Spott und Beleidigung.

Als ich mit Reinaldo zusammenzog, dachte ich: “Gott sei Dank lebe ich wenigstens im 14. Stock und nicht in dem darunter.“ Man stelle sich vor: jedes Mal wenn ich meine Adresse nannte, würde jenes sarkastische „Da schau her!“ aus meiner Jugendzeit ertönen. Das Erröten würde gar kein Ende nehmen. Jahre später sagte der Arzt voraus, dass mein Sohn am 13. August 1995 geboren werde, aber glücklicherweise zog die Natur den Moment etwas vor und befreite uns damit von jenem „düsteren Datum“. Und so entkam ich dem abergläubischen Schatten der „zehn plus drei“ durch Ausweichen und Vermeiden, indem ich sie manchmal nicht aussprach und Summen oder Abstrahierungen verwandte. Wie ich haben viele andere das gleiche gemacht, manchmal eher aus Vorsicht, als dass sie wirklich an ihren schlechten Stern glaubten. Aber jetzt kommt eine harte Probe für alle: das Jahr 2013, das bald anbricht.

Ich habe den Eindruck, dass die kommenden 12 Monate für die Kubaner keineswegs verhängnisvoll sein werden. Ich kann nun vorhersehen, dass sie voller Augenblicke des Wechsels und bedeutender Momente sein werden. Viel im Land, das wir kennen, wird sich ändern, zum Guten und ein wenig zum Schlechten. Neue Namen werden die nationale Szene betreten und andere werden endlich auf dem Marmor eines Grabsteins stehen. Eine Ära wird zu Ende gehen und damit diesmal den Mayas Recht geben. Aber all das hängt fast in erster Linie davon ab, wie wir als Bürger mit den Herausforderungen umgehen, die sich uns zeigen werden, wie stark uns bewusst sein wird, dass wir an einem entscheidenden Punkt unserer Geschichte stehen. Ich bereite mich jetzt schon darauf vor und wiederhole wie ein Mantra: dreizehn, dreizehn, dreizehn, dreizehn …

*All meinen Freunden, Kollegen, Bloggern, Journalisten überall auf der Welt, Lesern meiner Texte, Kommentarschreibern, die diesen Blog sich angeeignet haben, Übersetzern, die ihn freiwillig in so viele Sprachen übertragen, denjenigen, die durch ihre treffsichere Kritik oder ihre ätzende Schmährede mir geholfen haben, ein besserer Mensch zu werden, ihnen allen wünsche ich frohe Festtage und ein schönes neues Jahr.

Übersetzung: Iris Wißmüller

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