Vom Kerosin zur Elektrizität

castro-cook

Foto: Fidel zeigt kubanischen Frauen während der “Energie-Revolution” 2005, wie man einen Schnellkochtopf bedient.

Die Küche riecht nicht mehr nach Kerosin, auch sind die Wände nicht mehr schwarz vom Ruß und man braucht keinen Alkohol mehr, um den Spirituskocher anzuheizen. Jetzt wacht der Wohnblock nicht mehr auf vom Lärm des Luftventils, mit dem das Oberlicht sich entzündete, und die Allergie der Nachbarin, hervorgerufen durch den Gestank nach verbranntem Treibstoff, kommt nicht wieder. Durch das kleine Fenster strömt kein grauer Rauch mehr und das Essen hat nicht mehr diesen leichten Geschmack nach Brennstoff. Die Angst existiert nicht mehr davor, nicht rechtzeitig aufzuwachen, wenn Flammen das Holz der Tür empor züngeln. Nicht mehr…

Jetzt ist das Problem die Stromrechnung. Der Reistopf, den sie vor 5 Jahren bekam, musste der ein Dutzend Mal repariert werden. Der Küchenherd, den man ihr in jenen Jahren der sogenannten Energie-Revolution gebracht hatte, scheint die Kilowatts gierig zu verschlingen. Der Kühlschrank aus China, der ihren alten ersetzt hat, verbringt längere Zeit in aufgetautem als in gefrorenem Zustand. Kurz und gut man macht sich jetzt große Sorgen wegen der unmäßigen Rechnung in bläulicher Schrift, die man ihr unter der Tür durchschiebt.

Während sie früher einen Großteil des Tages mit der Suche nach Treibstoff zubrachte, so schmilzt jetzt ihre Rente durch die hohen Stromkosten dahin. Wenn sie den Küchenherd und den Warmwasserboiler nur drei Mal pro Woche benutzt, dann weiß sie schon, dass sie 80 % ihrer Rente dafür hernehmen muss, um die Energieausgaben zu bezahlen. Sie ist von einer beängstigenden und verzweifelten Situation in die andere geraten. Sie tauschte eine rußgeschwärzte Decke gegen mehrere Tage im Monat ohne Strom aus Geldmangel. Früher konnte sie sich beschweren, konnte fluchen, den Ofen anschreien, nach allen Seiten hin zetern, weil dieser verfluchte Küchenherd sie so viel Nerven kostete. Jetzt kann sie das nicht mehr, weil all das die „Idee des Kommandanten“ war, ein „Programm des Kommandanten“.

Übersetzung: Iris Wißmüller

Ein Gedanke zu „Vom Kerosin zur Elektrizität

  1. Was für ein Dillema für die Blog-Autorin!
    Kubaniche Küchen verwandeln sich von der alten, stinkenden, billigen und für alle Bürger erschwinglichen Kerosinherden in die moderne, saubere, bequeme und für viele unbezahlbare Stromplatten. In anderern Ländern Lateinamerikas war es schon immer so, in Kuba ist diese Änderung seit dem Rücktritts Fidels neu.

    Der kleine Schritt in Richtung Kapitalismus sollte die Autorin eigentlich begeistern, aber nein, ihre Aufgabe ist doch immer dagegen zu sein. Das alte war schlecht und das neue ist schlecht. Was ist dann gut auf dieser Welt, Yoani? Frau Clinton?

Hinterlassen Sie uns ein Kommentar

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s